Corona-Pandemie
Mahnung in der Krise: Frauen bei Wirtschaftshilfen beachten

Die Bundesregierung will die Wirtschaft in der Corona-Krise unterstützen. Doch manche befürchten, dass Frauen bei den Zahlungen zu kurz kommen könnten. Manche Berufe sollen deshalb stärker in den Fokus gerückt werden.

Dienstag, 19.05.2020, 19:49 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 19:52 Uhr
Eine Mutter betreut ihre Kinder, deren Kita infolge der Corona-Pandemie geschlossen ist.
Eine Mutter betreut ihre Kinder, deren Kita infolge der Corona-Pandemie geschlossen ist. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Berlin (dpa) - Frauen sollen von den geplanten Konjunkturhilfen in der Corona-Krise stärker profitieren: Das fordern Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und die Grünen.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Regierungsberater des Rats für Nachhaltige Entwicklung setzen sich dafür ein, Frauen bei den Wirtschaftsgeldern nicht zu vergessen. Die Bundesregierung plant derzeit, Anfang Juni ein Konjunkturprogramm vorzulegen.

Man dürfe «nicht die Programme so verteilen, dass eben eher die Männer davon profitieren», sagte Giffey am Montagabend den ARD-«Tagesthemen». Es gehe jetzt darum, «wie wir genau diejenigen, die jetzt in den Sorgeberufen, aber auch in der familiären Sorgearbeit sehr, sehr viel leisten, auch bei den Konjunkturmaßnahmen unterstützen».

Das verlangt auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung. Das von der Bundesregierung berufene 15-köpfige Gremium warnt in einem Schreiben davor, Männerberufe etwa in der Industrie zu sehr in den Fokus zu nehmen. Beschäftigungsverhältnisse von Frauen müssten gleichermaßen berücksichtigt werden, Gesundheits- und Pflegeberufe sollten aufgewertet und fair entlohnt werden.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, mahnte indes, dass es einen feministischen Impuls für die Krisenpolitik brauche. «Die Bundesregierung zementiert eine Berufswelt von gestern, wenn sie ohne Vorgaben Kredite und Unterstützungsleistungen verteilt.» Wirtschaftshilfen bräuchten klare Anreize - etwa für Geschlechtergerechtigkeit.

Auch die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack mahnt: «Frauen dürfen nicht als Verliererinnen aus der Krise hervorgehen.» Um Familien zu unterstützen und die Erwerbs- und Sorgearbeit in Partnerschaften besser zu teilen, fordert sie eine Ganztagsbetreuung an Grundschulen und Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Pflege oder Reinigungsarbeiten.

Giffey will Familien auch finanziell unterstützen. Ein Familienbonus von 300 Euro je Kind könne die schwierige finanzielle Lage, in der sich viele Familien befänden, «ein bisschen (...) abfangen». Auch die Lohnfortzahlung an Eltern, die wegen eingeschränkten Schul- oder Kita-Betriebs nicht arbeiten können, soll aus Sicht der Ministerin verlängert werden. Die Union hat sich dazu bereits bereiterklärt.

Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland rund acht Millionen Familien mit Kindern, davon vier Millionen mit mindestens zwei Kindern und mehr. Eine Zahlung von 300 Euro pro Kind würde also mehr als dreieinhalb Milliarden Euro kosten.

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