Interview mit dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz
Ischinger: "Amerika hat sich lächerlich gemacht"

Münster -

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt kurz vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Bidens vor weltweiter Instabilität. Die weltpolitische Lage zu Beginn des Jahres 2021 sei besorgniserregend - selbst wenn es keine Pandemie gäbe, sagt er im Interview. Von Claudia Kramer-Santel
Donnerstag, 14.01.2021, 16:30 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 14.01.2021, 16:30 Uhr
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Sonst sind Wolfgang Ischinger und sein Team Mitte Januar kurz vor der wichtigsten Sicherheitskonferenz der Welt in München Tag und Nacht mit Vorbereitungen beschäftigt. Corona machte auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Dabei wäre ein solches Treffen wichtiger denn je. Denn der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz sieht die Weltpolitik und den Westen besonders durch die Instabilität der USA in einer schweren Krise. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Claudia Kramer-Santel.

Wir erleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle: Einerseits die Endphase der Trump-Administration als Horrorszenario – parallel dazu die Hoffnung auf bessere Zeiten nach der Einführung von Joe Biden. Was überwiegt bei Ihnen?

Ischinger: Also zunächst mal die gute Nachricht: Nach einem Präsidenten Donald Trump, der ja alles infrage gestellt hat, was unser außenpolitisches Verhältnis betrifft, gibt es 2021 mit der Regierung Biden und einer demokratischen Mehrheit im Kongress sehr positive Perspektiven. Viele der Minister und Experten, die von Biden nominiert wurden, sind für europäische Entscheidungsträger gute, alte Bekannte. Und es kommt für eine gelungene internationale Zusammenarbeit ja immer auf die drei „T“ an: Truth, Truth and Transparency. Wahrheit, Vertrauen und Transparenz. Joe Biden hat schon 1980 erstmals in München mitdiskutiert. Wenn einer Vertrauen wieder aufbauen kann, dann er.

Doch werden sich die Risse im westlichen Gefüge einfach kitten lassen?

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