Spionagevorwürfe
Tschechien weist 18 russische Botschaftsmitarbeiter aus

Russische Spione sollen an der Explosion eines Munitionslagers in Tschechien beteiligt gewesen sein. Waren es dieselben wie beim Skripal-Anschlag? Moskau spricht von «Tricks».

Samstag, 17.04.2021, 21:52 Uhr aktualisiert: 17.04.2021, 21:54 Uhr
Das zerstörte Munitionslager in Vrbetice im Osten Tschechiens.
Das zerstörte Munitionslager in Vrbetice im Osten Tschechiens. Foto: Czech Republic Police / Handout

Prag (dpa) - Tschechien wirft Russland vor, in die Explosion eines Munitionslagers im Jahr 2014 verwickelt gewesen zu sein.

Als Reaktion darauf weise man 18 russische Botschaftsmitarbeiter aus, die eindeutig als Mitarbeiter der Geheimdienste SWR und GRU identifiziert worden seien, sagte Innenminister Jan Hamacek . Sie müssten innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen. Hamacek leitet kommissarisch auch das Außenministerium.

Regierungschef Andrej Babis sprach von eindeutigen Beweisen. «Tschechien ist ein souveräner Staat und muss auf diese nie dagewesenen Enthüllungen in entsprechender Form reagieren», sagte der 66-Jährige. In dem Munitionslager in Vrbetice im Osten Tschechiens war es im Oktober und Dezember 2014 zu mehreren Explosionen gekommen. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben und es entstand enormer Sachschaden.

Moskau reagierte prompt. Prag sei sich sehr bewusst, was auf «solche Tricks» folge, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Agentur Interfax zufolge. Wladimir Dschabarow vom Föderationsrat sagte: «Die Reaktion sollte verhältnismäßig sein.» Andere Politiker in Moskau äußerten ihr Unverständnis.

Die Sondereinheit der tschechischen Polizei für den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität veröffentlichte zwei Fahndungsfotos. Sie stimmen mit denjenigen von zwei Tatverdächtigen überein, die im Zusammenhang mit dem Nervengift-Anschlag auf den früheren Doppelspion Sergej Skripal in Großbritannien gesucht werden.

Die mutmaßlichen GRU-Spione sollen demnach Mitte Oktober 2014 für sechs Tage in Tschechien gewesen sein und dabei auch die Region besucht haben, in der sich das fragliche Munitionslager befindet. Sie hätten dabei russische Pässe mit den Namen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow verwendet.

Das Munitionslager wurde von kommerziellen Rüstungsfirmen genutzt. Gelagert waren dort unter anderem Hunderte Antipersonenminen. Nach den Explosionen waren Tausende Soldaten zwei Jahre lang damit beschäftigt, Blindgänger und Munitionsbestandteile zu entschärfen und das Areal wieder sicher zu machen.

Die Ankündigung der Regierung in Prag kommt kurz nach einem heftigen Streit über eine ursprünglich für Montag geplante Moskau-Reise Hamaceks. Der Minister hatte den Besuch am Samstag kurzfristig abgesagt, nachdem sowohl die Opposition als auch der Ministerpräsident das Vorhaben scharf kritisiert hatten.

Hamacek wollte in Russland über etwaige Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V verhandeln. Zuletzt war es im April 2020 zu heftigen Spannungen gekommen, nachdem in Prag eine Statue für den sowjetischen Weltkriegsgeneral Iwan Konew entfernt worden war.

© dpa-infocom, dpa:210417-99-246791/2

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