Identitätspolitik
Das Gefühl, an den Rand gedrängt zu sein

Fragen rund um die Themen Nation, Kultur und Minderheiten wühlen die Gesellschaft auf. Führt der Streit um linke und rechte „Identitätspolitik“ in eine Sackgasse aus Verletztheiten? Oder ist der Kampf um neue Deutungshoheiten überfällig, um soziale Schieflagen zu beseitigen? Von Claudia Kramer-Santel
Montag, 03.05.2021, 15:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 03.05.2021, 15:00 Uhr
Identitätspolitik: Das Gefühl, an den Rand gedrängt zu sein
In der Gesellschaft tobt eine Debatte um Gruppenzugehörigkeit, Anerkennung und Identität. Droht uns eine Spaltung wie in den USA? Foto: dpa
Wer sich fragt, worum es in dem unentrinnbar scheinenden Kreislauf von Verletztheiten, Verein­fachungen und Polarisierungen geht, den rechte und linken Identitätspolitik produziert, findet darauf mittlerweile unendlich viele Antworten. Eine maßgebliche hat 2019 der politische Theoretiker Francis Fukuyama in seinem Buch „Identität“ geliefert. Es geht bei dem Wunsch um Identität um das gefühlte Fehlen von Würde, Anerkennung und Sichtbarkeit in der modernen Gesellschaft. Liberale Demokratien sorgen mit Wahlrecht und Individualrechten etc. für ein Minimum an Respekt. Doch das garantiere nicht, dass alle wirklich in ­gleichem Maße respektiert werden, schon gar nicht Angehörige von „Gruppen, die politisch oder gesellschaftlich marginalisiert“ sind. Doch nicht nur Minderheiten, ganze Länder und Religionen fühlen sich im Moment an den Rand gedrängt – unsichtbar. Für die Politik bedeutet das, dass die Lösung von konkreten wirtschaftlichen Fragen nicht mehr reicht, um Gerechtigkeit und gleiche Chancen zu produzieren. Es geht um kulturelle Aufladung, Sichtbarmachung, Emotion. Es geht um neue symbolisch aufgeladene Themen. Wer hätte gedacht, dass die Ansichten über Wölfe einen ­erbitterten kulturell aufgeladenen Streit hervorrufen? Globalisierung als Treiber des Problems Treiber dieses Problems ist laut Fukuyama die Globalisierung: Der weltweite Ausbau der Demokratie kam dabei nicht allen zugute. Der Aufbruch zu mehr Offenheit geriet durch zwei Krisen ins Stocken: Die Finanzkrise 2008 und die Eurokrise. Sie schadeten dem Ruf liberaler Demokratien wie den USA und der EU.
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