Bundestagswahl 2017
Rekordzahlen an Briefwählern auch im Münsterland

Münsterland -

Die Stimmabgabe per Briefwahl wird immer beliebter. Auch im Münsterland zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Rekordwerte der letzten Jahre in einigen Orten übertroffen werden. Kommt Münster über 40 Prozent?

Donnerstag, 07.09.2017, 11:09 Uhr

Bundestagswahl 2017: Rekordzahlen an Briefwählern auch im Münsterland
Ein Wähler wirft seinen ausgefüllten Wahlzettel für die Bundestagswahl in eine Wahlurne. Foto: dpa

Es gibt eine Vielzahl an Gründen, um für die kommende Bundestagswahl Briefwahlunterlagen zu beantragen und sich den Gang ins Wahlbüro am 24. September zu sparen. Viele hoffen auf einen goldenen Herbsttag mit der Familie, freuen sich auf den geplanten Urlaub oder können das Haus aus Alters- und Krankheitsgründen nicht verlassen. Seit Jahren steigt die Anzahl an Briefwählern bei jeder Wahl: 10,7 Millionen (24,3 Prozent) waren es bei der letzten Bundestagswahl 2013. Die Münsterländer lagen dabei sogar leicht über dem Durchschnitt (24,75 Prozent).

Und auch bei der diesjährigen Bundestagswahl zeichnet sich eine Rekordzahl an Briefwählern ab. Laut einer Umfrage des Insa Instituts soll der Anteil an Briefwählern deutschlandweit auf über 30 Prozent steigen. Knapp drei Wochen vor der Wahl hat unsere Redaktion bei 22 Städten und Kommunen im Münsterland nachgefragt, wie häufig dort Briefwahlunterlagen beantragt wurden: über 85.000 Mal (16,3 Prozent).*  

* Stand 04.09.2017. Ein direkter Vergleich der abgefragten Zahlen mit der Anzahl an Briefwählern 2013 ist nicht möglich. Die offiziellen Zahlen der Briefwähler der letzten Bundestagswahl sind auf die aktiven Wähler bezogen. Nicht-Wähler werden außen vor gelassen. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, wurden die Prozentzahlen um die Wahlbeteiligung im Münsterland der letzten Bundestagswahl (76,3 Prozent)  korrigiert. Die 22 Städte und Kommunen umfassen rund die Hälfte aller Wahlberechtigten des Münsterlandes. Insgesamt wurden 2013 über 234.000 Briefwahlunterlagen beantragt.

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Wo werden die meisten Briefwahlen beantragt?

In Münster wurden bereits über 36.000 Briefwahlunterlagen (21 Prozent) beantragt. Das bestätigt den Trend, dass in Großstädten häufiger per Brief gewählt wird, als in ländlichen Regionen. Dahinter spielt die Einwohnerzahl keine entscheidene Rolle mehr. So wurden die Stimmzettel in Dülmen und in der Kleinstadt Rosendahl prozentual gleich oft beantragt (17 Prozent). Unterschiede zwischen den Städten und Kommunen können allerdings zunächst entstehen, weil die Wahlbenachrichtigungen, die spätestens bis vergangenen Sonntag verschickt werden mussten, zu unterschiedlichen Zeiten verschickt wurden. Dazu erläutert Martin Stauvermann , Ansprechpartner für die Bundestagswahl in Rosendahl:" Der erste Ansturm ist immer groß. Wir müssen mal abwarten, ob das wirklich noch mehr werden".

Drei Wochen vor der Wahl den Rekord von 2013 gebrochen

Dennoch geht Stauvermann davon aus, dass die Anzahl an Briefwählern der letzten Bundestasgwahl klar überschritten wird. Und im Münsterland zeichnen sich schon jetzt die ersten Rekordzahlen ab. In Drensteinfurt, die bei der letzten Bundestagswahl mit 2500 Briefwählern (27 Prozent) über dem münsterländer Durchschnitt lagen, wurde schon jetzt der damalige Rekord eingestellt. Durch die steigende Nachfrage nach Briefwahlen, könnte in Münster die 40 Prozent Marke geknackt werden. In Ibbenbüren hat sich dagegen die Briefwahl bisher nicht durchgesetzt. Nach 13 Prozent bei der letzten Bundestagswahl, haben bisher sieben Prozent der Ibbenbürener Briefwahlunterlagen beantragt.

Ohne Post per Briefwahl wählen

Wer per Briefwahl wählen möchte, kann die Briefwahlunterlagen schriftlich oder online beantragen. Dies sollte so früh wie möglich geschehen, damit die Unterlagen rechtzeitig ankommen und pünktlich vor der Wahl wieder abgeschickt werden können. Wahlzettel, die nach dem 24. September, 18 Uhr, eintreffen, können nicht mehr gewertet werden. Bis zwei Tage vor der Wahl kann man die Unterlagen in der Regel beantragen.

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Übrigens heißt per Briefwahl wählen nicht automatisch per Brief wählen. Die meisten Städte im Münsterland haben Wahlbüros eingerichtet. Dort kann man werktags, teilweise bis 18 Uhr, die Briefwahlunterlagen persönlich abholen, oder direkt wählen und den Wahlschein schon vor der Wahl in die Urne werfen. Dafür ist lediglich der Personalausweis/Reisepass nötig. Die Wahlbenachrichtigung soll wenn möglich mitgebracht werden. Direkte Wahlen gelten offiziell als Briefwahlen.

Briefwahl bewahrt die Allgemeinheit der Wahl

Allerdings wächst mit dem hohen Anteil an Briefwählern auch die Kritik an dieser Form der Wahl. Verfassungsrechtler betonen, dass durch eine Vielzahl an frühen Briefwahlen andere Wahlergebnissen entstehen können, da nicht der gesamte Wahlkampf und damit der demokratische Willensbildungsprozess in die Entscheidungsfindung einbezogen wird. Bundeswahlleiter Diether Sarreither weißt die Kritik allerdings zurück. Er räumte zwar gegenüber dem Sender MDR ein, dass es Möglichkeiten zur Manipulation und Beeinflussung gibt. Doch in Übereinstimmung mit dem Bundesverfassungsgericht betont er in Zeiten einer auf „Flexibilität und Individualisierung ausgerichteten Gesellschaft“ die Vorteile der Briefwahl, besonders mit Blick auf den Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl. Ohne die Möglichkeit der Briefwahl wäre demnach die Beteiligung an der Wahl noch geringer.

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