Kanditaten für die Bundestagswahl
Oliver Wirl (Freie Wähler): "Wir wollen bekannter werden"

Greven -

Er weiß, dass seine Partei keine Chance hat - trotzdem tritt er an. Olaf Wirl will im Wahlkreis 128 (Steinfurt) die Werbetrommel für die Freien Wähler rühren. Von den großen Parteien ist er enttäuscht. 

Montag, 28.08.2017, 14:12 Uhr

Kanditaten für die Bundestagswahl: Oliver Wirl (Freie Wähler): "Wir wollen bekannter werden"
Oliver Wirl aus Greven kandidiert für die Freien Wähler. Foto: PF

Olaf Wirl hatte lange mit Politik nichts am Hut. Dann zog der gebürtige Münsteraner in den Grevener Stadtteil Reckenfeld und lernte dort Andre Kleffken kennen. Der wiederum war schon länger bei den Freien Wählern aktiv und überredete Wirl, doch mal bei einem Treffen de Freien Wähler vorbeizuschauen.

Inzwischen sitzt Wirl als Einzelkämpfer für die Freien Wähler im Grevener Stadtrat, ist sachkundiger Bürger im Ausschuss für Sicherheit im Kreistag und Gründungsmitglied und Beisitzer im erweiterten Vorstand der im Jahr 2010 gegründeten Landespartei. Und: Er kandidiert für die Freien Wähler im Wahlkreis 128 bei der Bundestagswahl.

Rettungsassistent und Hauptbrandmeister

Wirl ist ein Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Nach der Hauptschule, die er mit Qualifikation abschloss, absolvierte er eine Lehre als Chemielaborant an der Uniklinik Münster. Es folgte das Fachabitur, der Bundeswehrdienst, eine Mutterschaftsvertretung bei der BASF und schließlich die Anstellung bei der Stadt Münster als Sonderabfallberater. Und schließlich wechselte er zur Berufsfeuerwehr Münster, wo er noch heute tätig ist.

Auch hier, genau wie in der Politik, hatte er keinerlei Vorgeschichte. „Ich war nie in einer Freiwilligen Feuerwehr aktiv“, erzählt der 50-jährige Familienvater. Allerdings arbeitete sein Vater in der Werkstatt der Feuerwehr als Autoelektriker.

Seit 25 Jahren ist er bei der Feuerwehr aktiv. Ist Rettungsassistent und Hauptbrandmeister. Und er hat in dieser Zeit natürlich viel Schlimmes gesehen. „Aber man darf das alles nicht auf sich persönlich beziehen oder auf die Familie, sonst wird man damit nicht fertig“, erklärt er. Inzwischen ist er aus dem Schichtdienst heraus, arbeitet als Praxisanleiter für die Azubis und führt Lehrgänge für Notfall-Sanitäter durch. „Die aktive Arbeit ist dadurch zwar in den Hintergrund gerutscht, aber ich bleibe natürlich Feuerwehrmann.“

Auf dem Boden der politischen Realität

Jetzt, in der normalen Tagschicht, bleibt nicht mehr viel Zeit für Hobbys. Seine Tochter – eine sehr erfolgreiche Judoka, die in der Bundesliga kämpft – muss er auch nicht mehr fahren. „Sie ist inzwischen 18 Jahre und hat selbst einen Führerschein.“ Sein einziges Hobby sei die Politik.

Vom Grundwesen her sei er eigentlich mit der SPD verwurzelt, fühle sich bei den Freien Wählern aber zuhause. „Ich mag keinen Fraktionszwang und den gibt es bei den Freien Wählern auch nicht“, erklärt Wirl. Da könne jeder nach dem eigenen Gewissen entscheiden.

"Wofür die Freien Wähler und ich stehen"

+ Die Freien Wähler fordern eine Stärkung der Kommunen durch eine bessere finanzielle Unterstützung. „Die Kommunen bekommen von Land und Bund immer mehr Aufgaben zugeteilt, die müssen sie finanziell auch bewältigen können.“

+ Mehr Bürgerbeteiligung: „Für setzen uns für Volksentscheide auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ein.“

+ Mehr Investition in den Bereich Bildung: „Die großen Parteien versprechen immer wieder kleinere Klassen, es passiert aber nichts.“

...

Wirl sieht seine Partei in der Mitte angesiedelt. „Wir sind bodenständig, in den Kommunen verwurzelt, sachorientiert und bürgernah.“ Wobei er Letzteres den großen Parteien abspricht. „Die haben den Kontakt zum Bürger völlig verloren.“

"Was die Freien Wähler und ich ablehnen"

- Gegen Radikalismus: „Radikalismus geht gar nicht, ob er nun von rechts oder links kommt. Wir sind auch mit Sicherheit keine rechte Partei, wie uns von manchen Seiten vorgeworfen wird. Ich sehe uns eher in der politischen Mitte.“

- Gegen Überwachung: „Sicher müssen wir Maßnahmen gegen den Terrorismus ergreifen. Das darf aber nicht in eine 100-prozentige Überwachung ausarten.“

- Flüchtlinge: „Bei dem Thema dürfen wir nicht die eigene Geschichte vergessen. Uns wurde geholfen, wir müssen den Flüchtlingen helfen. Aber das alles muss machbar bleiben. Eine Obergrenze sehe ich da als sinnvoll an.“

...

Bei all dem bleibt Wirl Realist. „Ich weiß, dass wir keine Chance haben. Es geht bei der Kandidatur der Partei darum, bekannter zu werden.“ Aber immerhin seien die Freien Wähler unter den „Sonstigen“ die Stärksten. „Ein Ergebnis von einem Prozent wäre ein großer Erfolg.“

Wie gesagt: Wirl steht mit beiden Beinen auf dem Boden der politischen Realität.

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