Olympia
Elektrisierendes Duell: Lipnizkaja gegen Kim

Bereits im Training herrscht Ausnahmezustand: Die 23 Jahre alte Kim Yu-Na will als dritte Frau in der Eiskunstlauf-Geschichte ihr zweites Olympia-Gold nacheinander einfahren. Die Südkoreanerin wird von der erst 15 Jahre jungen Russin Lipnizkaja herausgefordert.

Dienstag, 18.02.2014, 17:02 Uhr

Sotschi (dpa) - Olympiasiegerin Kim Yu-Na versucht, den Mega-Hype einfach wegzulächeln. Das Duell der südkoreanischen Eiskunstlauf-Grazie mit dem 15 Jahre jungen Jahrhunderttalent Julia Lipnizkaja aus Russland elektrisiert Sotschi.

Bereits beim Training herrscht Ausnahmezustand. Die Fotografen drängeln, die Kameras laufen nonstop. Auf dem Schwarzmarkt werden Kürkarten für 2500 Dollar angeboten. «Für sie sind es die ersten Spiele, für mich die letzten. Es hat für uns eine ganz andere Bedeutung», sagt die 23 Jahre alte Kim vor dem seit Monaten ausverkauften Kurzprogramm am Mittwoch (16.00 MEZ).

Die Werbemillionärin könnte als erste Frau seit Katarina Witt (1984 und 1988) zweimal Olympia-Gold nacheinander gewinnen. Die asiatischen Fans belagern ihren Superstar, sobald sie das olympische Dorf verlässt. Kim ist an den Rummel längst gewöhnt, die scheue Lipnizkaja wurde dagegen abgeschottet. Nach dem russischen Olympiasieg im Teamwettbewerb gleich zu Beginn der Winterspiele zog sich die Europameisterin nach Moskau zurück. «Julia ist kein Fan von Aufmerksamkeit und Presse», betont ihre Mutter Daniela. Erst am Dienstag erschien der Teenager wieder auf dem Eis am Schwarzen Meer.

«Sie kam, sah und siegte. Sie ist ein Jahrhunderttalent. Was Julia an Erfahrung und Fraulichkeit fehlt, macht sie durch ihre Frische wett», schwärmt Witt. Lipnizkaja könnte nach der Amerikanerin Tara Lipinski, die ebenfalls mit 15 Gold holte, zweitjüngste Olympiasiegerin werden. «Julia ist eine ernsthafte Konkurrenz. Sie hat den Wettbewerb komplett aufgemischt», meint Witt, die vor 30 Jahren in Sarajevo als damals 18-Jährige erstmals auf den Olymp lief. «Ich kann mir vorstellen, dass sie die erfahrenen Mädels ein bisschen nervös gemacht hat.»

Kim zeigt sich im Training unbeeindruckt von den Elogen auf Lipnizkaja. Mit unnachahmlicher Eleganz schwebt sie durch die Halle. Ihre Sprünge sind sauber und gekonnt. Die Asiatin wäre die dritte Einzelläuferin nach Witt und Sonia Henie, die den Olympiasieg direkt wiederholt - davon sprechen will die diplomatische Kim aber nicht. «Es bedeutet mir schon sehr viel, überhaupt hier zu sein», sagt die zweimalige Weltmeisterin.

Es war kein leichter Weg nach Sotschi. Nach ihrem Gold-Coup 2010 trennte sie sich von Starcoach Brian Orser und kehrte aus Kanada in ihr Heimatland zurück. In diesem Winter lief die Südkoreanerin wegen einer Fußverletzung nur einen kleinen Wettbewerb in Zagreb und die nationalen Meisterschaften. In der Weltrangliste fehlen ihr dadurch wertvolle Punkte - Kim muss bereits als 17. von 30 Läuferinnen starten. Schon allein dieser Fakt ist der südkoreanischen Presse eine Sondermeldung wert. Kim ist es ganz recht: «Ich denke, es wird leichter für mich, wenn ich vor den anderen Topläuferinnen starte. Vielleicht bin ich dann nicht so nervös», sagte sie am Dienstag.

Die Japanerin Mao Asada schaut sich den Trubel um Kim und Lipnizkaja gelassen aus der Ferne an. Die Silbermedaillengewinnerin von Vancouver kündigte an, in beiden Programmen ihren dreifachen Axel zeigen zu wollen. Im Team-Event strauchelte sie bei dem Königssprung, den die Konkurrentinnen nur zweifach drehen.

Auch Nathalie Weinzierl steht bei ihrem Olympia-Debüt nicht im internationalen Fokus. Die Mannheimerin will eine bessere Vorstellung zeigen als mit der Mannschaft. «Als letzte Läuferin wollte sie das Beste rausholen, um das Finale zu erreichen, das war zu viel für sie», sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union: «Ein Platz zwischen 12 und 18 wäre gut. Das Feld ist sehr gut besetzt, es wird schwer.»

Um sich gründlich vorzubereiten, reiste die 19-Jährige sogar für eine Woche nach Hause. Nun ist auch Coach Peter Sczypa in Sotschi an ihrer Seite, der sich zuvor von einem Schwächeanfall erholen musste. «Wir haben in Mannheim sehr gut an kleinen technischen Fehlern gearbeitet», berichtete der Pole. Weinzierl muss direkt nach Kim aufs Eis.

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