Olympia
Mexikos Ski-Prinz will es noch einmal wissen

Als Mariachi verkleidet wird Hubertus von Hohenlohe bei den Winterspielen in Sotschi die Pisten hinunterfahren. Auf eine Medaille hofft der Exot nicht. Der 55-Jährige will als bestgekleideter Athlet in die Olympia-Geschichte eingehen.

Dienstag, 18.02.2014, 16:02 Uhr

Mexiko-Stadt (dpa) - Bühne frei für Mexikos Ski-Prinzen. Hubertus von Hohenlohe ist mit Sicherheit einer der schillerndsten Olympia-Starter von Sotschi - und mit seinen 55 Jahren doppelt so alt wie viele seiner Konkurrenten.

Gold, Silber oder Bronze sind nicht das Ziel des ältesten Teilnehmers bei diesen Winterspielen . Stattdessen wolle er als bestgekleideter Sportler in die Olympia-Annalen eingehen, sagt er. «Das ist die Medaille, die ich wirklich brauche», erklärte von Hohenlohe vor dem Riesenslalom an diesem Mittwoch dem US-Sender NBC.

Für diesen Wettbewerb hat er nicht qualifiziert, aber für den Slalom am Samstag. Dafür hat er sich einen Rennanzug im Stil der mexikanischen Mariachi-Musiker schneidern lassen - schwarze Hose und Jacke mit rotem Kummerbund und Krawatte. Bereits bei den Spielen in Vancouver 2010 jagte er in einem eigenwilligen Dress die Berge hinunter: Damals als Desperado mit Pistole und Patronengürtel. «Ich will auf den Pisten den bestmöglichen Eindruck von Mexiko hinterlassen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Hubertus Rudolph von Fürstenberg von Hohenlohe Langenburg tritt schon zum sechsten Mal bei Olympischen Spielen an. Seit Jahren fährt der Gründer des mexikanischen Ski-Verbands als einziger Vertreter seines Landes bei Weltmeisterschaften und Weltcup-Rennen mit.

Mit seinem Start in Sotschi will er auch mexikanische Jugendliche inspirieren, die sonst mit alpinen Sportarten kaum in Berührung kommen. «Wir müssen das Skilaufen sichtbar machen, damit andere Menschen sich dafür begeistern und Lust bekommen, es auch zu probieren», sagte Hohenlohe.

Der Nachkomme des Adelsgeschlechts Haus Hohenlohe wurde 1959 als Sohn von Alfonso Hohenlohe-Langenburg und Ira von Fürstenberg in Mexiko-Stadt geboren. Deshalb hat er die mexikanische Staatsbürgerschaft. Sein Vater führte dort die Geschäfte von Volkswagen. Als Hubertus vier Jahre alt war, kehrte die Familie nach Europa zurück. Alfonso Hohenlohe-Langenburg gründete an der spanischen Costa del Sol den legendären Marbella Club, in dem in den 1960er Jahren der internationale Jet-Set ein und aus ging.

Hubertus von Hohenlohe pendelt heute zwischen Liechtenstein und Spanien. Er arbeitet als Fotograf und hat unter den Pseudonymen Andy Himalaya und Royal Disastre mehrere Singles veröffentlicht. «Mir gefällt es, innerhalb von drei Minuten Geschichten zu erzählen, die das Leben widerspiegeln und die Menschen berühren», sagt er über seine Musik.

Auch wenn Hohenlohe nicht zu den Favoriten in Sotschi zählt, hat ihn doch der Ehrgeiz gepackt. «Ich will sehen, was mein Körper aushält und ob ich im Profi-Sport noch bestehen kann», sagte er. «Es ist ein Kampf gegen die Natur und das Alter.» Bei seinem vermutlich letzten Auftritt bei Olympia will Hohenlohe noch einmal an seine Grenzen gehen.

Sein sportliches Vorbild ist der österreichische Ski-Fahrer Franz Klammer, der 1976 bei den Winterspielen in Innsbruck Gold in der Abfahrt holte. «Als ich das gesehen habe, sagte ich mir: Das will ich auch machen», erinnert sich Hohenlohe. Klammer schenkte ihm seinen ersten Rennanzug, mehrere Jahre später traten sie gegeneinander an.

Für Hohenlohe ist Skifahren allerdings mehr als nur ein Sport. «Es ist eine Schule des Lebens», sagt er. «Ich habe Intrigen gesehen, Freunde getroffen und gelernt, nach einer Niederlage wieder aufzustehen.»

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