Astrophysiker gestorben
Zum Tod von Stephen Hawking: Genie und ein bisschen Popstar

Stephen Hawking selbst nannte sich einmal den «Archetypus eines behinderten Genies». Mit seinen Theorien über die Geheimnisse des Weltalls fesselte er Forscher und Laien zugleich - bis zu seinem Tod.

Mittwoch, 14.03.2018, 07:03 Uhr

Stephen Hawking gehört zu den größten Wissenschaftlern aller Zeiten.
Stephen Hawking gehört zu den größten Wissenschaftlern aller Zeiten. Foto: Philip Toscano/PA/dpa

London (dpa) - Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist tot. Der 76-Jährige starb am frühen Morgen friedlich in seinem Haus in Cambridge, wie seine PR-Agentur Pagefield unter Berufung auf seine Familie mitteilte.

Seine Kinder Lucy, Robert und Tim teilten mit, sie seien zutiefst traurig. «Wir werden ihn für immer vermissen.» Hawking litt an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Bereits seit Jahrzehnten war er fast völlig bewegungsunfähig, er saß im Rollstuhl . Schon seit langem konnte er sich nur noch mühsam mit Hilfe eines Computers verständigen. Zuletzt nahmen seine Kräfte immer mehr ab.

Er gehört zu den größten Wissenschaftlern aller Zeiten. Die Fachwelt schätzte Hawking wegen seiner Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern. «Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen», sagte er einmal. «Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert.» Sein 1988 erschienenes Buch «Eine kurze Geschichte der Zeit» machte ihn auch bei Laien populär.

Stephen Hawking - ein Leben in Bildern

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  • Der weltberühmte britische Physiker und Mathematiker Stephen Hawking ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Er war einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten.

    Foto: Facundo Arrizabalaga
  • Geboren am 8. Januar 1942 in Oxford nahm Stephen Hawking 1959 sein Physikstudium in Oxford auf. 1963 erkrankte er an einer unheilbaren Nervenlähmung, 1965 heiratete er Jane Wilde. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Seit 1968 war Hawking auf den Rollstuhl angewiesen. 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge. Im gleichen Jahr erhält er die Einsteinmedaille in Bern (siehe Bild).

    Foto: Str
  • Seit Mitte der 1980er nutzte Stephen Hawking einen Sprachcomputer. Hier beantwortet der britische Physiker 1989 in Paris mit Hilfe eines Computers und seiner damaligen Frau Jane Fragen von Journalisten. Ein Jahr zuvor erscheint „Eine kurze Geschichte der Zeit“ auf Deutsch. Das Buch macht Hawking weltbekannt und wurde zum Bestseller.

    Foto: Lionel Cironneau
  • 1990 werden der britische Astrophysiker Stephen Hawking und die "First Lady of Jazz" Ella Fitzgerald mit der Ehrendoktorwürde der Universität Harvard ausgezeichnet. Im gleichen Jahr folgt die Trennung von seiner Frau Jane.

    Foto: Tim Brakemeier
  • 1995 heiratete er seine Pflegerin Elaine Mason. Mit ihr reist er 2005 zur Buchmesse nach Frankfurt.

    Foto: Boris Roessler
  • Der britische Astrophysiker Stephen Hawking unternimmt einen Ausflug in die Schwerelosigkeit. Der an den Folgen der Muskelschwäche ALS leidende Hawking erlebte nach Medienberichten das Abenteuer an Bord einer modifizierten Boeing 727.

    Foto: DB gozerog
  • 2008 begrüßt Papst Benedikt XVI den britischen Astrophysiker im Vatikan.

    Foto: L'Osservatore Romano
  • Ein Jahr später in Genf: Stephen Hawking gibt anlässlich des 450 jährigen Bestehens der Universität Genf eine Lesung.

    Foto: Di Nolfi
  • 2014 kommt der Wissenschaftler zur britischen Premiere des Films 'The Theory of Everything'. Es ist die Verfilmung seines Lebens.

    Foto: Facundo Arrizabalaga
  • Wieder im Vatikan, neues Kirchenoberhaupt: Papst Franziskus begrüßt den Stephen Hawking bei einer Audienz im Vatikan.

    Foto: Osservatore Romano Press Office
  • Stephen Hawking hält im März 2017 in London eine Rede, nachdem er für seine Verdienste um die theoretische Physik und die Astrophysik mit der Auszeichnung "Honorary Freedom of the City of London" bedacht wurde. Rund ein Jahr später stirbt Hawking - am Geburtstag von Albert Einstein.

    Foto: Matt Dunham

Hawking, der am 8. Januar 1942 in Oxford geboren wurde, erkrankte bereits als Physikstudent an ALS - Ärzte sagten ihm nur noch wenige Jahre voraus. Seit 1968 war Hawking auf den Rollstuhl angewiesen.

Doch die Krankheit schritt bei ihm sehr langsam voran und konnte seinen Aufstieg in der Wissenschaft nicht aufhalten: 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge, über 30 Jahre lang hatte er dort den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne - und stand damit in der Nachfolge von Isaac Newton.

Das Privatleben kam trotz seiner Karriere nicht zu kurz. Hawking war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. 30 Jahre lang war er mit seiner Jugendliebe verheiratet, doch die Ehe scheiterte - später bezeichnete sie ihn als einen «Haustyrannen». 1995 heiratete Hawking seine Pflegerin, die Verbindung dauerte elf Jahre.

Trotz Gesundheitsproblemen lief das Gehirn des Genies stets auf Hochtouren. Neue Theorien entwickelte Hawking zu Schwarzen Löchern und dem Urknall: Die monströsen Schwarzen Löcher im All sind demnach keine Endstationen. Zwar saugen sie durch ihre enorme Schwerkraft alles ein, was ihnen zu nahe kommt, und lassen nicht einmal das Licht entkommen. Hawking konnte aber in der Theorie zeigen, dass Schwarze Löcher langsam verdampfen - eine Folge der Quantenphysik. Das Verdampfen dauert extrem lange. Die dabei entstehende Hawking-Strahlung ließ sich daher bisher nirgends nachweisen.

Bereits als Doktorand hatte Hawking 1965 zusammen mit dem Briten Roger Penrose zudem einen wichtigen mathematischen Beleg für die Urknalltheorie geliefert. Die Idee vom Urknall war damals noch umstritten, unter anderem weil in dieser mathematischen «Singularität» die Naturgesetze nicht mehr gelten und so eine Art Schöpfungsakt notwendig zu werden schien. Er beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie einen Anfang des Universums voraussagte - «ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm», wie Hawking in seiner Autobiografie «Meine kurze Geschichte» (Rowohlt, 2013) schrieb. Später zeigte er jedoch, dass der Anfang des Universums nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss.

Außerdem versuchte Hawking über Jahrzehnte, die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und auf diese Weise eine Art «Weltformel» zu finden - in der Sprache der Physiker eine «Große Vereinheitlichte Theorie», die alle Bereiche des Universums beschreiben kann, vom Mikro- bis zum Makrokosmos. Er war eine Art Popstar der Wissenschaft und schreckte nicht davor zurück, zu populären Ideen wie Zeitreisen und Außerirdischen Stellung zu nehmen.

In seinen letzten Jahren trat Hawking immer wieder als Mahner auf. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, warnte er. Seine Botschaft: Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen, falls es zu einer hausgemachten Katastrophe kommen sollte. Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Jurij Milner plante er, eine Armee nur etwa briefmarkengroßer Raumschiffe auf eine 20-jährige Reise zum Sternsystem Alpha Centauri zu schicken. Hawking war überzeugt: «Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen.»

 

 

Stephen Hawking im Steckbrief

- geboren am 8. Januar 1942 in Oxford

- 1959 nahm er sein Physikstudium in Oxford auf

- 1963 erkrankte er an einer unheilbaren Nervenlähmung

- 1965 heiratete er Jane Wilde. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor

- seit 1968 war Hawking auf den Rollstuhl angewiesen

- 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge

- seit Mitte der 1980er nutzte er einen Sprachcomputer

- «Eine kurze Geschichte der Zeit» (auf Deutsch 1988) macht Hawking weltbekannt und wurde zum Bestseller

- 1990: Scheidung von Jane

- 1995 heiratete er seine Pflegerin Elaine Mason

- 2006 wurde auch diese Ehe geschieden

- Weitere populäre Werke: «Das Universum in der Nussschale» (2001), «Der große Entwurf» (2010), «Meine kurze Geschichte» (2013)

- 2014 verfilmte der britische Regisseur James Marsh Hawkings Leben

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