Rosenmontag
Karnevalisten trotzen dem Sturm

Erst mussten die Narren bangen, dann rollten die Rosenmontagszüge doch noch - jedenfalls in den Hochburgen. Die beliebteste Zielscheibe des Spotts war einmal mehr der Mann mit der sehr blonden Haartolle.

Montag, 04.03.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 18:11 Uhr
Premierministerin Theresa May...
Premierministerin Theresa May... Foto: Ina Fassbender

Köln/Düsseldorf/Mainz (dpa) - Die Narren haben an Rosenmontag Sturmtief «Bennet» die Stirn geboten. Trotz heftiger Böen und Regenschauer bahnten sich die Karnevalszüge in den Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf ihren Weg durch die Stadt - in leicht abgespeckter Form.

So verzichteten die Karnevalisten in allen drei Städten auf Pferde. Andernorts wurden Züge abgesagt oder verschoben.

Die beliebteste Zielscheibe der Narren war - wieder einmal - der Mann mit der sehr blonden Haartolle. In Düsseldorf hielt US-Präsident Donald Trump als «Schmutzengel» seine schützenden Hände über den saudischen Prinzen Mohammed bin Salman mit einer bluttriefenden Kettensäge - eine Anspielung auf die Ermordung des saudischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi. Die Mainzer zeigten Trump als klimavergiftendes Rindvieh, die Kölner als Golfspieler, der Klimaabkommen und Iran-Deal wegschießt.

Als besonders politisch und provokant erwiesen sich einmal mehr die Düsseldorfer Wagen von Jacques Tilly. Der rote Faden bei ihm war diesmal das Thema Rechtspopulismus - etwa in Italien, Polen und nicht zuletzt in Deutschland. So zeigte ein bis zuletzt geheim gehaltener Wagen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Höcke war als Baby in Windeln dargestellt, Goebbels hielt ihn in die Höhe wie ein Vater seinen Sohn. Das Motiv wurde bis zum Start auf die Zugstrecke unter einer Plane versteckt.

In Mainz mit dabei: Ein adrett gescheitelter AfD-Politiker auf einem Wahlplakat, dem auf der Rückseite ein Neonazi mit brennender Fackel entspringt. Die britische Königin Elizabeth stellten die Mainzer auf der Flucht vor dem Brexit dar - mit Asylantrag unterm Arm. In Düsseldorf torpedierte Premierministerin Theresa May mit ihrer spitzen Nase die britische Wirtschaft: «Oooops!»

Natürlich bekam auch die Bundespolitik ihr Fett weg: Der SPD-Dampfer lief in Köln auf den Eisberg «Groko» auf, Kanzlerin Angela Merkel schredderte sich wie ein Bild des Künstlers Banksy. Im Düsseldorfer Zug war Merkel erstmals seit 2005 nicht mehr mit dabei.

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte erst am Montagmorgen endgültig entschieden, dass alle großen Motivwagen mitfahren konnten. Die Düsseldorfer mussten bis zum Schluss zittern, denn bei ihnen gilt für den Zug eine feste Grenze von Windstärke 7 - mehr darf nicht sein. In mehreren Städten wurden Karnevalszüge abgesagt, so in Bottrop und Hattingen im Ruhrgebiet oder in Fulda und Seligenstadt in Hessen. In vielen anderen Städten begannen die Züge später. Augsburg sagte wegen starker Böen eine Open-Air-Feier auf dem Rathausplatz ab.

Der Mainzer Carneval-Verein schätzte, dass etwa 450.000 Menschen den Umzug am Straßenrand verfolgten, etwas weniger als sonst. Die Düsseldorfer gingen von ungefähr 600.000 Besuchern aus. In Köln hieß es, der Zulauf sei höher als im vergangenen Jahr. Eine seriöse Schätzung sei aber unmöglich.

Die Stimmung war ausgelassen. Ob es stürme oder regne, sei letztlich auch egal, sagte Fernsehmoderator Kai Pflaume, der erstmals im Kölner Rosenmontagszug mitfuhr: «Köln feiert bei jedem Wetter.»

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