Staatsanwaltschaft
Armbrust-Fall dürfte Tötung auf Verlangen gewesen sein

Fünf Leichen und drei Armbrüste, eine einsame Pension und eine Wohnung - das sind die Eckdaten eines mysteriösen Kriminalfalles, der sich über drei Bundesländer erstreckt. Welche Zusammenhänge gibt es?

Dienstag, 14.05.2019, 18:28 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 18:34 Uhr
Bestatter schieben eines der Wittinger Todesopger in einen Leichenwagen.
Bestatter schieben eines der Wittinger Todesopger in einen Leichenwagen. Foto: Christophe Gateau

Passau/Wittingen (dpa) - Der mysteriöse Armbrust-Fall mit drei Toten in Passau und zwei Toten im niedersächsischen Wittingen wirft weiter Fragen auf. Was die drei in Passau mit Armbrustpfeilen getöteten Menschen betrifft, geht die Staatsanwaltschaft von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus.

Es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass eine vierte Person an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte, sagte am Dienstag ein Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft. Unklar ist nach wie vor, wie die zwei am Montag in einer Wohnung in Wittingen tot gefundenen Frauen ums Leben kamen - und wie die Fälle genau zusammenhängen.

Die Obduktion der Leichen aus Passau ergab, dass ein 53-jähriger Mann und eine 33-jährige Frau, die Hand in Hand in einem Bett lagen, jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet wurden. Bei einer 30-Jährigen, die in dem Zimmer auf dem Boden lag, sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen. Es deute alles darauf hin, dass die 30-Jährige erst die beiden anderen und dann sich selbst erschossen habe . Man könne das Geschehen auch als erweiterten Suizid betrachten.

Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. Bei keiner der drei Leichen gebe es Kampf- oder Abwehrspuren. Zudem seien in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden worden, die von den beiden im Bett liegenden Personen stammten. Von möglichen Verbindungen des Trios in die Ritter-Szene , über die Medien berichteten, wusste der Sprecher der Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben nichts.

Die Obduktion der beiden getöteten Frauen in Wittingen ergab, dass sie nicht durch äußere Gewalt ums Leben kamen. Die Todesursache stand am Dienstagnachmittag noch nicht fest, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim sagte. In der Wohnung wurden - anders als in Passau - laut Polizei keine Armbrüste oder Pfeile gefunden. Die Leichen lagen in der Wohnung der 30-Jährigen, die in Passau starb. Ersten Erkenntnissen nach liegt der Todeszeitpunkt einige Tage zurück.

Bei einer der beiden Frauen handelte es sich laut Polizei um die Lebensgefährtin der 30-Jährigen, eine 35-jährige Grundschullehrerin. Die zweite Tote ist eine 19-Jährige, die ebenfalls in dem Ort lebte. In welcher Beziehung sie zu den anderen Beteiligten stand, ist noch unklar. Die 30-Jährige war laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei. Die Polizei hatte beide Leichen entdeckt, als sie der 35-Jährigen die Nachricht überbringen wollte, dass ihre Lebenspartnerin in Passau gestorben sei.

Der 53-Jährige und die 33-Jährige waren in einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz gemeldet. Dort war der Staatsanwaltschaft nach auch die 30-Jährige bis vor zwei Monaten gemeldet. Im nahegelegenen Hachenburg betrieb der Mann einen Mittelalterladen. Vor der Pension in Passau, in der sich die drei am Freitag eingemietet hatten, stellte die Polizei das Auto der 33-Jährigen sicher. Der weiße Pick-up werde untersucht.

Warum sie sich ausgerechnet Passau als Ort für ihren Tod ausgesucht haben, sei noch ein Rätsel, sagte der Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft. Zumindest eine der drei Armbrüste hatten sie zuvor in Österreich gekauft. Das belege eine Quittung. Viele Fragen bleiben offen.

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