Europa-League-Finale
Titeltraum für Özil und Co. geplatzt - Chelsea feiert

Aus der Traum! Mesut Özil verliert mit Arsenal das Europa-League-Finale gegen den Stadtrivalen Chelsea und verpasst damit auch die Qualifikation für die Champions League. Weltmeister Giroud und Superstar Hazard machen den Unterschied aus.

Mittwoch, 29.05.2019, 23:32 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 23:34 Uhr
Eden Hazard (l) lässt Keeper Petr Cech keine Chance und trifft zum 4:1 für Chelsea.
Eden Hazard (l) lässt Keeper Petr Cech keine Chance und trifft zum 4:1 für Chelsea. Foto: Bradley Collyer

Baku (dpa) - Mesut Özil hockte frustriert auf der Arsenal-Bank und verfolgte mit bitterer Miene die Feierlichkeiten des Stadtrivalen FC Chelsea nach dem Gewinn der Europa League .

Nicht der Weltmeister von 2014, sondern sein Gegenüber Eden Hazard machte im ersten stadtinternen Aufeinandertreffen der Europa-League-Geschichte den Unterschied aus. Mit einer deutlichen 1:4 (0:0)-Niederlage verpasste der FC Arsenal den ersten Europacup-Sieg seit 25 Jahren und das versöhnliche Ende einer größtenteils verkorksten Saison. Ohne den aus politischen Gründen fehlenden Henrich Mchitarjan waren die Gunners gegen Chelsea am Mittwoch auf verlorenem Posten und versäumten somit auch die nachträgliche Qualifikation für die Fußball-Champions-League.

Jubeln durfte dagegen der verletzte deutsche Nationalverteidiger Antonio Rüdiger, der auf Krücken zur Siegerehrung erschien und ganz nah dran war, als Hazard den Siegerpokal in den Nachthimmel von Baku stemmte. «Es ist ein super Gefühl, so ein Spiel zu gewinnen. Ich liebe Chelsea, der Club ist Teil meiner Familie», sagte Hazard und sagte mit Blick auf seinen wohl bevorstehenden Wechsel zu Real Madrid: «Ich habe meine Entscheidung getroffen. Jetzt warten wir darauf, was beide Clubs machen. Ich denke, es ist ein Goodbye. Mein Traum war es, in der Premier League zu spielen. Das habe ich für einen der größten Clubs gemacht. Nun ist es Zeit für eine neue Herausforderung.»

Den Weg zum Erfolg der Blues im Olympiastadion von Baku, in dem wie erwartet rund 10.000 Plätze leer blieben, ebnete Weltmeister Olivier Giroud mit dem Führungstreffer in der 49. Minute und einem herausgeholten Elfmeter. Ausgerechnet Giroud, der von 2012 bis 2018 für Arsenal auf Torejagd gegangen war und nun mit seinem elften Treffer im laufenden Wettbewerb auch Torschützenkönig wurde. Der Frankfurter Luka Jovic (10 Tore) folgt dahinter. «Diese zwei Clubs haben mein Leben verändert und mir die Chance gegeben, in der Premier League zu spielen. Ich will nicht gegen Arsenal jubeln, aber ich bin stolz, den Pokal gewonnen zu haben», sagte Giroud.

Nach den Toren des Spaniers Pedro (60.) und zweimal Hazard (65./Foulelfmeter, 71.) war der fünfte Europacup-Sieg insgesamt und der zweite in der Europa League nach 2013 für Chelsea perfekt. Daran änderte auch das Gegentor des eingewechselten Alex Iwobi nichts (69.). Die Qualifikation für die Königsklasse hatte die Mannschaft von Trainer Maurizio Sarri, der von Juventus Turin umworben wird, ohnehin schon sicher.

Der schwach spielende Ex-Nationalspieler Özil (30), der als einziger von vier Deutschen im Kader beider Clubs am Mittwoch zum Einsatz kam, wartet dagegen weiter auf den ersten internationalen Vereins-Titel. Der 2014er Mit-Weltmeister Shkodran Mustafi saß bei Arsenal ebenso auf der Bank wie Nationaltorhüter Bernd Leno. Denn Petr Cech (37) hatte in seinem letzten Spiel der Karriere den Vorzug erhalten.

Als um 23.00 Uhr Ortszeit das Londoner Derby in mehr als 4000 Kilometer Entfernung angepfiffen wurde, spielte der Streitfall um den Armenier Mchitarjan, der aufgrund des Konflikts seines Heimatlandes mit Aserbaidschan daheim geblieben war, bei Arsenal zunächst keine Rolle mehr. Schließlich ging es für die Gunners noch um die Königsklasse.

Und die Mannschaft von Unai Emery, der bereits dreimal mit dem FC Sevilla die Europa League gewonnen hatte, legte entsprechend los. Arsenal erarbeitete sich zunächst ein Übergewicht, wirkte inspirierter und engagierter - und hatte auch die ersten Torchancen. Ging ein Schuss des früheren Dortmunder Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang noch deutlich am Tor vorbei (9.), wurde es bei einem Distanzschuss des Ex-Gladbachers Granit Xhaka schon gefährlicher (27.). Dazu hätte Arsenal gerne einen Elfmeter bekommen, doch die Aktion von Alexandre Lacazette gegen Chelseas Schlussmann Kepa sorgte nicht dafür, dass der in der Europa League erstmals zum Einsatz gekommene Video-Schiedsrichter eingriff (19.).

Eine halbe Stunde lang wirkte Chelsea teilnahmslos, dann bekam auch Petr Cech im Arsenal-Tor etwas zu tun. Der frühere Welttorhüter, damals noch bei Finalgegner Chelsea im Tor, zeigte sogleich mit zwei Paraden gegen Emerson (34.) und Weltmeister Olivier Giroud (39.), dass sein Einsatz durchaus berechtigt war. Es waren die wenigen Höhepunkte in einer eher ereignislosen ersten Halbzeit. «Safety first», hieß bei beiden Clubs die Devise. Dafür kannten sich beide Clubs zu gut aus vielen Duellen auf der Insel.

Das sollte sich im zweiten Durchgang schnell ändern, nachdem Giroud nach einer Flanke von Emerson per Kopf zur Stelle war. Denn Arsenal war plötzlich unter Zugzwang und musste mehr riskieren. Es sollte sich rächen. Erst traf Pedro nach Vorarbeit von Hazard, dann hatte der belgische Superstar selbst seinen großen Auftritt. Nach Foul von Ainsley Maitland-Niles - dem einzigen Engländer auf dem Platz - an Gegenspieler Giroud, vollendete Hazard eiskalt vom Punkt. Wenig später ließ der Belgier einen weiteren Treffer folgen und machte damit die Arsenal-Hoffnung nach dem sehenswerten Iwobi-Treffers zunichte. Es waren wohl die Abschiedsgeschenke des Ausnahmekönners, der für 130 Millionen Euro zu Real Madrid wechsel soll. «Wir hoffen immer noch, dass er bleibt. Er ist ein unglaublicher Spieler», sagte Hazards Teamkollege Andreas Christensen.

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