Mit 86 Jahren gestorben
Frankreich trauert um früheren Staatschef Chirac

Mehr als ein Jahrzehnt lang prägte er Frankreich als Staatschef. Seine Landsleute gedenken des Politikers nun auf ganz unterschiedliche Weise.

Freitag, 27.09.2019, 08:51 Uhr
In den vergangenen Jahren hatte sich Chirac aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen. Das Foto zeigt ihn 2011.
In den vergangenen Jahren hatte sich Chirac aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen. Das Foto zeigt ihn 2011. Foto: F. Dugit

Paris (dpa) - Frankreich trauert um seinen früheren Staatspräsidenten Jacques Chirac . Vor dem Élyséepalast in Paris bildete sich am Donnerstagabend eine Warteschlange.

Mehrere Hundert Menschen wollten in den ausgelegten Kondolenzbüchern dem ehemaligen Präsidenten eine letzte Ehre erweisen, wie der Nachrichtensender BFMTV berichtete. Noch bis Sonntag soll die Bevölkerung dort die Möglichkeit haben, ihr Beileid zu bekunden. Der konservative Politiker starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren.

«Wir verlieren einen Staatsmann, den wir so sehr geliebt haben wie er uns», sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer TV-Ansprache. Er würdigte Chirac als großen Franzosen. Am Montag werde es zum Gedenken an ihn einen nationalen Trauertag mit feierlichem Gottesdienst in der Pariser Kirche Saint-Sulpice geben. Die traditionelle Nachtbeleuchtung des Eiffelturms blieb am Donnerstag im Gedenken an den Politiker aus.

Chirac prägte die französische Politik über vier Jahrzehnte mit. Von 1995 bis 2007 zog er als machtbewusster Staatschef die Fäden im Élyséepalast. Politiker aus dem In- und Ausland würdigten die Verdienste des früheren Präsidenten, der auch lange Pariser Bürgermeister gewesen war.

Chirac habe das Land in all seiner Komplexität verkörpert und Sympathien sowohl bei Bauern als auch bei Industriellen gehabt, sagte Macron. Ob man seine Ideen teilte oder nicht - er habe die Franzosen zusammengeführt.

Am Nachmittag hatten sich die Abgeordneten des Parlaments-Unterhauses und Minister für eine Schweigeminute erhoben. «Jacques Chirac gehört nunmehr zur französischen Geschichte», erklärte der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand.

«Er war ein erfahrener Politiker, ein geschichtsbewusster Europäer, ein charmanter Mensch», sagte Altbundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ erklären, Chirac sei den Deutschen und ihr persönlich ein «herausragender Partner und Freund» gewesen.

Chirac hatte seit längerer Zeit unter schweren Gedächtnisproblemen gelitten und war kaum noch in der Öffentlichkeit aufgetreten. Schon während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall erlitten.

International blieb er unter anderem mit seinem Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg in Erinnerung. An der Seite von Schröder stemmte er sich 2003 gegen die Angriffspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Als erster französischer Staatschef erkannte Chirac die Mitschuld seines Landes an der Verfolgung der Juden während der deutschen Besatzungszeit an. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte in Berlin, Chirac habe auch den Mut gehabt, sich der Geschichte des eigenen Landes kritisch zu stellen.

Nach dem Abschied von der Macht wurde Chirac verurteilt - zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder. Vom Rathaus bezahlte Mitarbeiter hatten in Wahrheit für Chiracs Partei gearbeitet.

Die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte Chirac als großen Europäer, der eine ganze Generation inspiriert habe. Es gelte nun sein Vermächtnis fortzuführen und eine noch stärkere und geeintere Europäische Union aufzubauen.

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