Trauer und viele offene Fragen
Zwei Kinder sterben bei schwerem Schulbusunfall in Thüringen

Die 23 Kinder sind nur wenige Minuten von ihrer Grundschule entfernt, als ihr Bus auf eisglatter Straße ins Rutschen gerät und sich überschlägt. Zwei Kinder sterben, weitere werden verletzt. Trauer und Bestürzung sind groß.

Donnerstag, 23.01.2020, 20:51 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 20:56 Uhr
Einsatzkräfte verhindern mit Sichtschutztüchern unerwünschte Blicke.
Einsatzkräfte verhindern mit Sichtschutztüchern unerwünschte Blicke. Foto: Swen Pförtner

Berka/Hainich (dpa) - In der Grundschule im thüringischen Berka vor dem Hainich bleiben am Donnerstag viele Stühle leer. Dabei war der Bus mit 23 Kindern an Bord kurz vor dem Ziel, als er gegen 7.30 Uhr auf glatter Landstraße verunglückte.

Der Unfall riss zwei Achtjährige der zweiten Klasse - ein Junge und ein Mädchen - aus dem Leben, 21 weitere Kinder zwischen acht und elf Jahren wurden nach Polizeiangaben verletzt, zwei von ihnen schwer.

Nicht nur in dem 800-Einwohner-Dorf nahe Eisenach herrscht seitdem Bestürzung. «Der ganze Ort ist im Schockzustand», sagte Innenminister Georg Maier ( SPD ) auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei gibt es keine Hinweise auf einen technischen Defekt oder ein Fehlverhalten des Fahrers. Der Bus sei gegen 7.30 Uhr kurz vor dem Ortseingang auf glattem Kopfsteinpflaster ins Schlittern geraten und rückwärts einen Hang hinuntergerutscht, sagte der Leiter der Landespolizeiinspektion Gotha. Dabei habe er sich überschlagen.

Die Ursachenforschung sei noch in vollem Gange. Der Bus wurde im Laufe des Tages geborgen und sichergestellt. Er soll jetzt technisch untersucht werden. Der Gesamtschaden wird nach Polizeiangaben auf etwa 130.000 Euro geschätzt. Ob die Kinder im Bus angeschnallt waren, blieb vorerst unklar. Dazu wollten die Ermittler auf Nachfrage nichts sagen. Der Bus war unterwegs von Eisenach zur Grundschule in Berka. Der Fahrer wurde ebenfalls verletzt - er erlitt einen Schock.

Besonders bitter: Die Strecke, die der städtisch betriebene Bus regelmäßig mit den Schülern zurücklege, sei aus Sicherheitsgründen gewählt worden. So werde verhindert, dass die Kinder eine Straße überqueren müssen, hieß es auf der Pressekonferenz.

Innenminister Maier betonte, es sei kein Tag zum Spekulieren. Die Polizei müsse den Unfall sauber analysieren und gemeinsam mit den Sachverständigen herausfinden, wie es zu dem Unfall kam.

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) verwies darauf, dass auch für die Feuerwehr Unfälle mit Kindern das Schlimmste seien, was passieren könne. Laut Karola Hunstock, der Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft, zu der Berka vor dem Hainich gehört, besuchen etwa 85 Kinder die dortige Grundschule.

Diese wird Bildungsminister Helmut Holter (Linke) zufolge am Freitag geöffnet sein. Dann würden Schulpsychologen mit den Schülern, Lehrern und gegebenenfalls auch den Eltern sprechen. Zusätzliche Lehrer sollen die Pädagogen vor Ort unterstützen. Den Eltern sei es aber freigestellt, die Kinder an dem Tag in die Schule zu schicken.

Das Ministerium schaltete eine Hotline, bei der Angehörige und Betroffene Rat suchen können.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Vertreter vieler anderer Parteien äußerten sich bestürzt über das Unglück. Die Evangelische Kirche kündigte eine Andacht im Heimatort der Kinder an. Landesbischof Friedrich Kramer werde am Freitagabend (18.00 Uhr) einen Gottesdienst in Bischofroda abhalten.

Am Donnerstagmorgen kam es auch in Oberbayern zu einem Unfall mit einem Schulbus, bei dem neun Kinder im Alter von 12 und 16 Jahren leicht bis mittelschwer verletzt wurden. Als Ursache wurden gesundheitliche Probleme des Busfahrers vermutet.

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