Aus aller Welt
Mord auf offener Straße

Samstag, 15.08.2009, 10:08 Uhr

Berlin - Laut dem „Ehrenkodex“ von Rockerbanden ist das Vereinsheim verfeindeter Clubs für Angriffe tabu. Die Killer lauerten ihrem Opfer in der Nacht zu Freitag lieber in der Nähe seiner Wohnung auf, im Plattenbauviertel in Berlin-Hohenschönhausen. Als der 33 Jahre alte Rocker die dunkle Straße entlanggeht, schießen sie und stechen zu. Blutend schleppt sich der Schwerverletzte noch 200 Meter weiter in eine Nebenstraße. Dort finden ihn die von Nachbarn alarmierten Polizisten und der Notarzt. Wiederbelebungsversuche sind erfolglos, der Verletzte stirbt im Notarztwagen.

Der Mord ist der bisherige negative Höhepunkt der eskalierenden Gewalt zwischen rivalisierenden Rockerbanden in Berlin und Brandenburg. Nach Medienberichten soll das Opfer früher Mitglied der Hells Angels gewesen sein, sich aber zunächst aus der Szene zurückgezogen haben, um dann später den ebenso berüchtigten Bandidos beizutreten. Der Anschlag könnte die „Bestrafung“ eines „Verräters“ sein.

Die Polizei befürchtet nun weitere Racheakte und kündigte bereits an, sich in den kommenden Tagen und Nächten vor Vereinsheimen und anderen Treffpunkten der Rockerbanden zu postieren. „Selbstjustiz darf nicht sein“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf.
Konkrete Hinweise auf die Täter hat die Polizei am Tag nach dem Mord nach eigenen Angaben noch nicht. Zeugen gab es nicht, nur die Schüsse alarmierten die Nachbarn. Zunächst hieß es, den Spuren nach könnte der Rocker aus einem fahrenden Auto erschossen worden sein. Die Obduktion am Freitagmorgen ergab laut Staatsanwaltschaft aber, dass der Mann an einer Schuss- und einer Stichverletzung verblutete. Wie viele Schüsse abgefeuert wurden und ob die Täter eine Pistole oder ein Gewehr benutzten, wollten die Ermittler nicht sagen.

Nachts wurde der Tatort weiträumig abgesperrt. Am Freitag filmten Kamerateams Blutspuren. Die Ermittlungen übernahmen eine Mordkommission sowie Spezialisten für organisierte Kriminalität und Rockerkriminalität vom Landeskriminalamt (LKA). Möglicherweise soll auch eine Sonderkommission gebildet werden.

Gewalttaten im Rockermilieu sind nichts Neues. Bundesweit gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Tote. 2007 erschossen zwei Bandidos-Rocker in Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen einen Motorradhändler, der zu den Hells Angels gehörte. In einem Café in Karlsruhe wurde 2004 ein Rocker-Anführer von bezahlten Mördern erschossen. In Osnabrück erschoss ein Bandido vor seinem Haus ein Mitglied der Bande Outlaws.

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