Wissenschaft
Studie aus Münster: Deutsche besonders islam-skeptisch

Mittwoch, 01.12.2010, 13:12 Uhr

Münster - Während in politischen Diskussionsrunden und Talkshows noch über die Haltung der Deutschen zu muslimischen Zuwanderern gestritten wird, weiß Prof. Detlef Pollack mehr. Der Religionssoziologe von der Universität Münster hat im vergangenen Sommer in einer repräsentativen Studie jeweils 1000 Menschen zu ihrer Haltung gegenüber anderen Religionen in fünf europäischen Ländern befragen lassen.

Das Ergebnis, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt wird, ist für alle, die an ein tolerantes Klima in Deutschland geglaubt haben, niederschmetternd. Besonders gegenüber dem Islam sind die Deutschen nach der Studie wesentlich intoleranter als ihre europäischen Nachbarn. 57,7 Prozent der West- und sogar 62,2 Prozent der Ostdeutschen beschreiben ihre persönliche Haltung gegenüber Muslimen als negativ.

In Frankreich den Niederlanden, Dänemark und Portugal sind es nur um die 35 Prozent. Deutsche sind auch weniger positiv gegenüber Angehörigen anderer Religionen eingestellt. Deutsche haben auch von Juden, Hindus und Buddhisten ein schlechteres Bild als die übrigen Europäer.

Dementsprechend ist auch der Anteil der deutschen Bevölkerung, die sagt, alle religiösen Gruppen sollten die gleichen Rechte haben, geringer als in den Nachbarländern. Nur 49 Prozent der Westdeutschen und 53 Prozent der Ostdeutschen sind dieser Meinung, im Unterschied zu 72 Prozent in Dänemark, 82 Prozent in den Niederlanden, 86 Prozent in Frankreich und 89 Prozent in Portugal. Auch die Zustimmung zum Bau von Moscheen (30 Prozent im Westen, 20 Prozent im Osten) und erst recht von Minaretten ist in Deutschland besonders gering.

Die Befragung des Religionssoziologen fand noch vor dem Beginn der Debatte über die Thesen von Thilo Sarrazin statt. Pollack ist sicher: Hätte er seine Studien später begonnen, wären die Ergebnisse noch deutlicher ausgefallen. „Die Länderdifferenzen müssen Politik und Gesellschaft in Deutschland berunruhigen“, sagt Prof. Pollack: „Käme es in Deutschland tatsächlich zu einem Terroranschlag islamisch-fundamentalistischer Kräfte, wäre das mit Blick auf die hier lebenden Muslime dramatisch.“ „Die Mehrheit der Bevölkerung sähe sich in ihrer negativen Haltung bestätigt.“

Positivere Einstellungen gegenüber Angehörigen anderer Religionen, speziell Muslimen hängen nach der Studie vor allem vom Vorhandensein persönlicher Kontakte ab. So geben in Frankreich, dem Land mit dem positivsten Islambild, 66 Prozent der Bevölkerung an, Kontakt zu Muslimen zu haben. In Deutschland sind es lediglich 40 Prozent (West) beziehungsweise 16 Prozent (Ost).

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