Aus aller Welt
Gezeichnet von einem Moment der Unachtsamkeit

Donnerstag, 03.03.2011, 16:03 Uhr

Lathen - Blass, zusammengesunken, den Tränen nah: Den beiden Hauptangeklagten im Transrapidprozess war die Last ihrer Schuld deutlich anzusehen. Die beiden Männer im Alter von 61 und 52 Jahren hatten an jenem Morgen des 22. September 2006 die Verantwortung für den Transrapid und seine 31 Passagiere auf der Teststrecke in Lathen. Einen Augenblick lang waren sie unachtsam - und die Katastrophe geschah: Mit Tempo 170 krachte der Magnetzug in einen vergessenen Werkstattwagen. 23 Tote und elf zum Teil schwerverletzte Menschen waren die Folge.

Wer trägt die Verantwortung für die Tragödie? Die Justiz beschäftigt sich seit dem Unglück mit dieser Frage. Jetzt endlich zog sie einen Schlussstrich. Die beiden Angeklagten sind schuldig, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Temming . Aber nicht nur sie. „Technische und organisatorische Besonderheiten der Testanlage haben bei dem Unglück auch eine Rolle gespielt“, stellt der Richter fest. Das Urteil des Gerichts lautet auf anderthalb Jahre und ein Jahr Haft auf Bewährung. Beide Männer müssen zudem jeweils 4000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Temming schilderte als Beispiel, dass ein einfacher Mausklick am Steuerungscomputer das Unglück verhindert hätte. Der Hersteller der Anlage hatten diesen Mausklick in der Betriebsgenehmigung verbindlich vorgeschrieben. Die Angeklagten versäumten diesen Bedienschritt. Dennoch sei ihnen deswegen kein Vorwurf zu machen. Denn ihre Vorgesetzten hatten es unterlassen, diesen Mausklick für eine Fahrwegsperre verbindlich anzuordnen.

Die beiden Männer sind für ihr Leben gezeichnet. Einer hat einen Selbstmordversuch hinter sich, auch der andere gilt als suizidgefährdet, schilderten ihre Anwälte. „Ich würde alles tun, um das Geschehene ungeschehen zu machen, aber ich kann es nicht“, sagte einer mit versagender Stimme. Unter Tränen baten beide um Entschuldigung und räumten die Vorwürfe ein.

Die Nebenkläger nahmen dies zur Kenntnis. Er vertrete einen kleinen Jungen, der seinen Vater bei dem Unglück verloren habe, sagte ein Anwalt. „Die Mutter ist noch sehr gezeichnet von dem Ereignis“, betonte er. „Aber die Zeit heilt vieles. Und inzwischen gibt es auch einen Ansatz von Verständnis für Sie“, sagte er an die Angeklagten gewandt.

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