Unsicher mit dickem Bauch
Fahrradfahren tut Schwangeren gut

München -

Der Bauch wird dicker und dicker, die Bewegungen mühsamer, und das Kind drückt auf die Leiste: Je näher die Geburt rückt, desto schwerer fällt es vielen Schwangeren, körperlich aktiv zu sein und beispielsweise Rad zu fahren. Manche haben Angst, dass dem Kind bei einem Sturz etwas passieren könnte. Andere wiederum wollen auf ihr Rad als Verkehrsmittel nicht verzichten. Worauf sollten Schwangere also achten, wenn sie auf den Drahtesel steigen, und spricht medizinisch etwas dagegen?

Mittwoch, 02.05.2012, 08:05 Uhr

Unsicher mit dickem Bauch : Fahrradfahren tut Schwangeren gut
Symbolbild Foto: Mascha Brichta, dpa

„Wenn die Schwangere gesund ist, ist grundsätzlich nichts gegen Radfahren einzuwenden“, sagt Christian Albring , Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte in München . „Im Gegenteil: Wir empfehlen leichte sportliche Betätigung. Präsent sein sollte der Schwangeren allerdings die Unfallgefahr im Straßenverkehr. Das liegt nicht an der Schwangeren und ihren körperlichen Veränderungen, sondern an den anderen Verkehrsteilnehmern, die ja nicht immer rücksichtsvoll fahren.“Für routinierte Radfahrerinnen sei dies weniger ein Problem als für Frauen, die erst in der Schwangerschaft anfingen, in die Pedale zu treten.„Eine Frau darf in der Schwangerschaft so lange Radfahren, wie sie sich wohlfühlt“, sagt Ursula Jahn-Zöhrens , Vorsitzende der Hebammengemeinschaftshilfe in Karlsruhe.

Wer normalerweise jeden Tag zur Arbeit mit dem Fahrrad fahre, könne dies auch weiter tun. „Ich kenne Frauen, die sind noch mit Wehen in den Kreißsaal gefahren, andere sagen schon ab der 12. Woche: 'Das Kind drückt mir auf die Leiste , ich fühle mich unwohl.'“Natürlich müsse die Schwangere daran denken, dass sie mit zunehmendem Bauchumfang nicht mehr so gelenkig sei wie zuvor, und deshalb bei brenzligen Situationen nicht einfach vom Fahrrad abspringen könne, sagt die Hebamme aus Bad Wildbad im Schwarzwald. „Das heißt, sie sollte defensiv im Straßenverkehr fahren, und die mögliche Dummheit von Autofahrern in ihre Gedanken mit einbeziehen.“ Jahn-Zöhrens empfiehlt außerdem, Schotterstraßen oder besonders enge Wege zu meiden.

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Durch den dicker werdenden Bauch kann laut dem Gynäkologen Albring der Gleichgewichtssinn der Frau durcheinandergeraten. „Manche Schwangere haben Probleme damit, das macht das Radfahren natürlich schwieriger.“ Gründe gegen eine sportliche Betätigung wie Radfahren seien Schwierigkeiten in der Schwangerschaft wie ein hoher Blutdruck, Blutungen, und eine ungünstige Lage des Mutterkuchens (Plazenta) vor dem Gebärmutterhals. Auf einen Schwangerschaftsdiabetes hingegen könne sich Bewegung positiv auswirken, ebenso auf Wassereinlagerungen in den Beinen.„Das Wichtigste ist, dass die Schwangere sich nicht überanstrengt, und nicht stark aus der Puste kommt - denn dann ist das Baby auch außer Puste und bekommt vergleichsweise weniger Sauerstoff“, sagt Albring.

Werde der Bauch regelmäßig hart beim Radfahren, und ziehe sich die Gebärmutter zusammen, so müsse geklärt werden, was dahinter stecke. „Die Gebärmutter trainiert vor der Geburt, und kontrahiert sich, das sind notwendige Übungswehen.“ Es könne aber auch sein, dass sich der Gebärmutterhals zu früh verkürze und sich der Muttermund öffne, und vorzeitige Wehen auftreten. Nach einem Sturz, vor allem auf den Lenker, sollte die Schwangere sich untersuchen und einen Ultraschall machen lassen. „Je nach Lage der Plazenta in der Gebärmutter kann es zu einer frühzeitigen Ablösung kommen.“ Dann müsse die Frau in der Klinik behandelt werden.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention in Frankfurt am Main ist viel Bewegung gerade für Frauen wichtig, die mit einem eher geringen Fitnessgrad in die Schwangerschaft gehen. Übergewichtige Frauen könnten besonders davon profitieren, einer „exzessiven Gewichtszunahme“ werde vorgebeugt. Als geeignete Sportarten nennen die Sportmediziner neben Radfahren in der Ebene auch Wandern, Walking, Jogging, Skilanglauf oder Gymnastik. Eine leistungsorientierte Sportausübung oder Wettkämpfe seien hingegen nicht zu empfehlen, ebenso wenig Sportarten mit erhöhter Sturzgefahr wie Mountainbiking.

Auch Jahn-Zöhrens bestätigt die positiven Effekte des Radfahrens, wenn es eben nicht Downhill-Fahren oder Ähnliches ist: „Es macht Spaß, es ist gut für den Kreislauf und die Lungen, die Schwangere tut etwas zur Thromboseprophylaxe“, sagt die Hebamme. „Wir wissen auch, dass Frauen mit einer guten Kondition bei der Geburt oft besser klarkommen und nicht so schnell erschöpft sind.“

Doch eignet sich jedes Fahrrad für eine Schwangere? „Wir empfehlen, kein Herren- sondern ein Damenrad zu fahren, denn mit zunehmendem Bauch wird es schwieriger, auf- und abzusteigen“, sagt Albring. Die typische Rennrad-Position mit weitem Nach-vorne-Beugen sei eher zu meiden, damit der Bauch nicht eingeengt wird. „Idealerweise sollte der Lenker recht hoch stehen, damit die Schwangere möglichst aufrecht sitzen kann. Viele Schwangere haben durch den schweren Bauch Rückenbeschwerden, aufrechtes Sitzen entlastet die Wirbelsäule.“ Ein weicher, breiter Gelsattel könne die gesunde Haltung unterstützen. Günstig sei auch eine Federstange unter dem Sattel, und gegebenenfalls sei an eine Dämpfung des Rades an der vorderen und hinteren Gabel zu denken. „Dann ist nicht jeder Stoß durch holprige Straßen so stark spürbar.“

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