Nackt auf Schusters Rappen
Brite wandert im Adamskostüm durch Schottland – und immer wieder ins Gefängnis

London -

Es geht doch nichts über die Ausdauer britischer Exzentriker. Sechs Jahre lang saß Stephen Gough in einem schottischen Gefängnis, weil er sich weigerte, Kleidung anzuziehen. Sobald er mal wieder aus Perth Prison entlassen wurde, verhaftete ihn die Polizei erneut für „Nacktsein in der Öffentlichkeit“. Die Schotten sind in diesem Punkt prüde. Insgesamt 18 Mal wurde er einschlägig verurteilt. Seine Haft pflegte Gough in einer Einzelzelle und nackt abzusitzen. Jetzt hat die Obrigkeit eingelenkt. Gough wurde vorzeitig entlassen und spazierte im Adamskostüm auf die Straße.

Freitag, 12.10.2012, 19:10 Uhr

Nackt auf Schusters Rappen : Brite wandert im Adamskostüm durch Schottland – und immer wieder ins Gefängnis
Symbolbild Foto: dpa

Die Polizei ließ ihn gewähren. „Nur bei massiven Beschwerden“, so ein Sprecher, wolle man Gough wieder festnehmen. Der 53-jährige Ex-Marineinfanterist will nun ganz wie Gott ihn schuf zurück zu seiner Mutter in Südengland laufen. „Ich habe meine Familie jahrelang nicht gesehen“, sagte er.

Seit 2006, genau gesagt. Stephen Gough hatte damals seine zweite Tour als Nacktwanderer hinter sich. Er absolvierte die Strecke von Land‘s End am Südzipfel Englands bis nach John O’Groats im Norden Schottlands splitterfasernackt – von Hut, Schuhen und einem Rucksack abgesehen. Auf seiner Wanderung führten die Beschwerden entrüsteter Bürger immer wieder dazu, dass er verhaftet und wiederholt zu Haftstrafen verurteilt wurde. Auch auf seinen Geisteszustand wurde der zweifache Familienvater untersucht; die Psychiater konnten nichts an seiner Verfassung aussetzen. Er ist halt einfach stur.

Als Exhibitionist sieht sich Gough nicht. Als Flitzer auch nicht, immerhin legte er auf seiner Wanderung ein gemütliches Tempo vor. Der nahtlos Gebräunte sieht sein Unternehmen als eine Aktion gegen Gesetze, die in Großbritannien Nacktheit in der Öffentlichkeit unter Strafe stellen. „Alles, was ich tue“, sagte er, „ist, meinen Körper zu zeigen, wie Gott ihn schuf.“

Goughs Beharrlichkeit hat ihm eine Fangemeinde beschert, und der schottische Poet Murray Lachlan Young widmete ihm eine Ballade. Die Beschwerden, Protestbriefe und Petitionen seiner Anhänger haben wohl jetzt die Behörden überzeugt, dass es keinen Sinn hat, Gough immer wieder festzunehmen. Immerhin soll, wie die Zeitung „Daily Record“ herausfand, die Strafverfolgung und Inhaftierung von Gough die öffentliche Hand rund eine halbe Million Pfund gekostet haben. Nun sind die Schotten froh, dass sie das Problem den Nachbarn südlich der Grenze überlassen können: Nun wandert Gough wieder in England. Er will auf seiner langen Tour nach Hause – immerhin muss er noch bis Southampton wandern – belebte Straßen meiden.

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