Mode
Afrikanische Designer erobern internationale Mode-Szene

Jeans und Leopardenfell, Abendkleider und Ndebele-Perlen: Mit einer Mischung aus westlichen und afrikanischen Einflüssen erobern schwarze Designer aus Afrika die Modewelt.

Dienstag, 05.05.2015, 12:55 Uhr

Johannesburg (dpa) - Die grauen und beigefarbenen Kleider in David Tlales Mode-Atelier sehen fast europäisch aus. Aber kleine Details wie vielfarbige Säume und Tiermuster spielen auf einen Ethno-Look an, wie bei dem schwarzen Netzabendkleid mit dem Taillenband aus schwarz-weißem Kuhfell.

Mit seiner Mischung westlicher und afrikanischer Einflüsse hat sich Tlale inzwischen zu einem der Topdesigner Afrikas entwickelt. Oft wird er im selben Atemzug genannt wie der Nigerianer Duro Olowu , der für Michelle Obama arbeitet, oder der mit dem britischen Verdienstorden ausgezeichnete Ghanaer Ozwald Boateng.

Dabei hatte der Sohn einer alleinerziehenden Hausangestellten, der unter dem Apartheid-Regime in Südafrika aufwuchs, zunächst wenig mit der Modewelt zu tun. «Ich hatte einen Onkel, der Techniker war und jeden Tag einen Dreiteiler trug. Der hat mich beeindruckt», sagt der 40-jährige Tlale in seinem weiß getünchten Studio im Johannesburger Szene-Viertel Maboneng. Schon als Zehnjähriger liebte er schrille Outfits und nähte Kleider für die Barbie-Puppe seiner Schwester. Später studierte er Design. Tlales Firma hat heute 25 Mitarbeiter und zwei Boutiquen in schicken Vierteln von Johannesburg und Kapstadt. Sie beliefert zudem zwei weitere Boutiquen in Südafrika.

«Die globale Modewelt hat Lust auf etwas Neues, und ich glaube fest daran, dass es aus Afrika kommen wird», sagt der Designer. Bei der jüngsten Fashion Week in Johannesburg bekam das Publikum einen kleinen Vorgeschmack: Neben schlicht geschnittenen schwarzen Mänteln gab es etwa großzügig geblümte Kleider, Leopardenfelldrucke oder von «Star Wars» inspirierte Kreationen.

Unter dem Apartheid-Regime, als schwarze Südafrikaner mit dem Kampf um die Gleichberechtigung beschäftigt waren, galt Mode als Luxus. Fast alle Designer seien weiß gewesen, erinnert sich Tlale. Nach dem Ende der Apartheid 1994 wurde auch die Kreativität der Schwarzafrikaner befreit. Schwarze Designer kleideten sogar weiße Kunden in afrikanisch beeinflusste Abendgarderobe, erklärt Tlale. «Jahrelang wurde Südafrika mit Ndebele-Perlen und Tiermustern angepriesen», sagt der Designer. Aber die Ethno-Phase sei nun vorbei. Es sei an der Zeit, global zu denken. Afrikanische Einflüsse äußerten sich auch in «Farben, Silhouetten und guter Qualität».

Das tansanische Topmodel Millen Magese sieht das genauso. Auch amerikanische und europäische Designer arbeiteten inzwischen mit afrikanischen Stoffen. «Alle wollen zu einer großen Modegeneration zusammenwachsen», sagt die 34-jährige ehemalige Miss Tansania. Von dieser «Demokratisierung» der Modewelt profitierten auch schwarze Models wie Iman oder Alek Wek, weil sich das Schönheitsideal in den letzten Jahren verändert habe. Das Motto heißt nun: «Black is beautiful.»

Die Designrevolution wirkt sich bislang jedoch kaum auf den Arbeitsmarkt aus, erklärt Etienne Vlok von der südafrikanischen Textilarbeiter-Gewerkschaft SACTWU. Zwar beschäftigt die Bekleidungsindustrie in Südafrika fast 100 000 Menschen bei einem Jahresumsatz von umgerechnet mehr als 2,8 Milliarden Euro, aber auch sie leidet unter billigen Importen aus Asien.

Chinesische Textilimporte nach Südostafrika sind nach Angaben des Carnegie-Tsinghua-Forschungsinstituts für Globalpolitik zwischen 2007 und 2011 um 62 Prozent gestiegen. Laut SACTWU haben Billigimporte in Afrika viele Arbeitsplätze gekostet. Afrikanische Exporte in die USA und die Europäische Union steigen zwar, aber sehr langsam.

Nur ein Prozent aller Bekleidungsimporte in die USA - im Wert von rund einer Milliarde Dollar (900 Millionen Euro) - stammt aus den Subsahara-Ländern Afrikas. Für die EU ist es nach offiziellen Angaben sogar weniger als ein Prozent - ein Wert von 830 Millionen Euro. Insgesamt exportiert Südafrika weniger als fünf Prozent seiner Textil- und Bekleidungsproduktion. «Es gibt in der Modebranche aber noch Luft für neue Arbeitsplätze», meint Vlok.

Tlale trägt seinen Teil dazu bei. «Frauen auf der ganzen Welt wollen gut aussehen», sagt er. Dabei sei es ihnen egal, von welcher Kultur ihre Kleidung beeinflusst sei.

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