Mobilität in Metropolen
So radelt die Welt

In Deutschland schwingen sich immer mehr Städter aufs Rad. Großen Städten kommt das gerade recht. Viele Metropolen wollen zwar fahrradfreundlicher werden, haben dabei aber Probleme, die sich häufig ähneln: Zu wenige Extra-Spuren, gefährlicher Straßenverkehr, rücksichtslose Autofahrer. Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Wie radelt es sich in Johannesburg, Mexiko-City, Rom, Moskau und Rio de Janeiro?

Montag, 14.09.2015, 20:09 Uhr

Zwei Radfahrer vor der Kulisse des Zuckerhutes in Rio de Janeiro. Foto: Georg Ismar
Zwei Radfahrer vor der Kulisse des Zuckerhutes in Rio de Janeiro. Foto: Georg Ismar

Chaos und Kopfsteinpflaster

In Rom versucht Bürgermeister Ignazio Marino , selbst passionierter Radler, seit seinem Amtsantritt, Italiens Hauptstadt fahrradfreundlicher zu machen. Mit dem Rad kommt man meist schneller durch das Chaos auf den Straßen als per Auto oder Bus.

Viele Römer halten Radfahren aber immer noch für einen Sport für Lebensmüde. Fahrradwege gibt es kaum, öffentliches ­Bike-Sharing scheiterte. Durch den Verkehr muss man sich mit viel Fantasie schlängeln. Und das römische Kopfsteinpflaster ist für empfindliche Hinterteile äußerst gewöhnungsbedürftig.

Mit dem Ecobici zur Arbeit

Gerade zu Stoßzeiten ist der Verkehr in der Millionen-Metropole Mexiko-Stadt chaotisch. Mit dem System Ecobici will die Stadtverwaltung den Pendlern das Fahrrad als schnelles und umweltfreundliches Verkehrsmittel schmackhaft machen. Registrierte Nutzer können gegen eine Gebühr an mehr als 440 Stationen in der Innenstadt ein Fahrrad ausleihen und es in der Nähe ihres Ziels wieder abgeben.

Seit der Einführung vor fünf Jahren wurden über 25 Millionen Fahrten gezählt. Mehr als 175 000 Hauptstädter haben sich bei Ecobici angemeldet. Fast die Hälfte der Nutzer fahren mit den rot-weißen Rädern zur Arbeit. Auch in der Freizeit gewinnt das Fahrrad in Mexiko an Bedeutung: Jeden Sonntag wird die Prachtmeile Paseo de la Reforma für den Autoverkehr gesperrt, und Tausende Radler strampeln entspannt durch die Hauptstadt.

Gefährliches Unterfangen

Mit dem Rad die täglichen Wege zurücklegen – das ist in Südafrikas Wirtschaftsmetropole nur etwas für Abenteurer. Im Zentrum von Johannesburg hat die Stadtverwaltung inzwischen zwar einige kleine Radwege ausgewiesen, doch wild parkende Autos blockieren die oft.

Der Bürgermeister will Radfahren fördern, doch die Kriminalität und die Gleichgültigkeit vieler Autofahrer lassen sich nicht allein mit politischem Willen ändern. Am letzten Freitag im Monat wagen sich Hunderte Radfahrer auch ins Stadtzentrum – in der Gruppe fühlt man sich sicher.

Radwege für besseres Image

Kaum ein urbaner Trend prägt das Moskauer Stadtbild diesen Sommer mehr als das Radfahren. Vor allem junge Leute radeln in den warmen Monaten zur Arbeit, auch Rentner schwingen sich immer öfter für eine Spritztour aufs Rad. Bürgermeister Sergej Sobjanin hat als Teil einer Imageoffensive seit seiner Wahl 2010 etwa 280 Kilometer Radewege bauen lassen.

Dennoch ist Radfahren in Moskau weiter nur etwas für mutige Menschen: Die meisten der mehrspurigen Straßen haben noch keine eigene Spur für Räder, die Autofahrer sind oft rücksichtslos.

Ohne Stau zur Copacabana

Vielerorts ist Südamerika für Radfahrer ein Albtraum und Radwege werden als Platzverschwendung empfunden. Aber in der Olympia-Stadt 2016, Rio de Janeiro, vollzieht sich eine kleine Revolution – auch um weniger Zeit in Staus zu verlieren.

Es gibt inzwischen rund 400 Kilometer Radwege, gerade in Strandvierteln wie Copacabana. Sonntags ist ein Teil der Küstenstraße für Autos gesperrt. Etwa 700 000 Menschen fahren Rad. Ein Leihsystem mit 260 Stationen ist ein Renner, auch bei Touristen: Etwa 6,2 Millionen Fahrten sind schon registriert worden. Das Problem: Viele Auto- und Busfahrer nehmen wenig Rücksicht.

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