Drogenverdacht: Zoodirektor Adler spricht von zwei Diazepam-Fällen
Pillen nur im Ausnahmefall

Münster -

Im Allwetterzoo werden Beruhigungspillen an die Tiere nur in selten Ausnahmefällen verabreicht. Das betonte Direktor Jörg Adler angesichts eines Medienberichts, wonach Tiere in Deutschlands Zoo regelmäßig unter Drogen stehen. In Adlers langer Amtszeit habe es höchstens eine Handvoll Einsätze von Psychopharmaka gegeben.

Freitag, 23.10.2015, 11:13 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 22.10.2015, 21:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 23.10.2015, 11:13 Uhr
Allwetterzoo Münster Friso Getsch/dpa (Symbolfoto)
Jörg Adler Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist nicht das erste Mal, dass Zoodirektor Jörg Adler eine regelmäßige Verabreichung von Psychopharmaka an Tiere auf der Sentruper Höhe deutlich dementiert. Aktueller Anlass ist der Bericht eines Wochenmagazins, in dem es heißt, dass Tiere in Deutschlands Zoos regelmäßig unter Drogen stehen. Interne Listen würden belegen, dass immer wieder in die Psycho-Apotheke gegriffen werde, um Tiere ruhigzustellen, die mit den Haltungsbedingungen nicht klarkämen.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ließ den Psychopharmaka-Einsatz in den elf öffentlichen Zoos des Landes überprüfen. „Selbstverständlich haben wir dazu Angaben gemacht. Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Adler.

So weiß nun auch der Minister, dass ein Orang-Utan-Weibchen vor gut zwei Jahren zur Appetitanregung Diazepam bekam. Auch aus einem längeren zurückliegenden Fall hatte Adler schon früher kein Geheimnis gemacht. Damals sollte ein Weibchen in eine Gruppe integriert werden, was einen Macho-Gorilla ordentlich in Wallung versetzte. „Da haben wir es mit Diazepam versucht“, räumte Adler schon vor gut einem Jahr den Einsatz des Valium-Präparates ein.

Bereits im Mai 2014 wies Adler für den Allwetterzoo einen Medienbericht weit von sich, wonach in Zoos systematisch Psychopharmaka eingesetzt würden und Tiere unter Drogen stünden. Die Linke verlangte damals Aufklärung im Bundestag. Die Bundesregierung verwies auf die Länder, die Kontrolle der öffentlichen Tierparks ist deren Sache.

Adler betont, nicht für alle Zoos sprechen zu können, ist aber fest davon überzeugt, dass die Tierparks verantwortungsvoll mit den Präparaten umgehen. „Bei uns lagern sie verschlossen in der Zoo-Apotheke.“

In seiner über 20-jährigen Amtszeit habe es höchstens eine Handvoll Einsätze von Psychopharmaka gegeben. „An die beiden genannten Fälle kann ich mich erinnern. Das meiste Diazepam habe ich selbst genommen“, sagt Adler. Bei Flugreisen. „Es ist doch erstaunlich, dass eine solche Geschichte über mehrere Seiten veröffentlicht wird, aber ohne einen Satz, dass Diazepam beim Menschen ein durchaus probates Mittel ist“, findet Adler.

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