„Laudato si“
Papst-Enzyklika erkennt Umweltzerstörung als wichtige Ursache für Armut

"Laudato si“ kennen die meisten noch von dem Kirchenpopklassiker „Laudato si, o mio signore“. Doch mit dem fröhlichen Mitklatsch-Song hat die Papst-Enzyklika „Laudato si“ nichts gemeinsam. Als „visionär, kühn, kompromisslos und radial“ bezeichnet sie etwa der ehemalige Umweltminister und Chef des UN-Umweltprogramms, Professor Klaus Töpfer.

Donnerstag, 29.10.2015, 16:10 Uhr

„Laudato si“ : Papst-Enzyklika erkennt Umweltzerstörung als wichtige Ursache für Armut
Papast Franziskus wirbt in seiner Enzyklika "Laudato Si" für einen besseren Schutz der Umwelt. Foto: dpa/Colourbox, Montage: gap
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Von allen Seiten wird der Papst für sein Papier gelobt, das auch als ein Beitrag der Kirche zur bevorstehenden UN-Umweltkonferenz gilt. Politiker, Wissenschaftler, Protestanten – selten hat eine Enzyklika so viel Zustimmung geerntet – obwohl (oder gerade weil) er die Zerstörung der Umwelt und den Gleichmut gegenüber dem Klimawandel kritisiert, Politik und Wirtschaft Vorwürfe macht. Denn: Franziskus‘ Umwelt-Enzyklika ist auch eine Enzyklika zum Thema Armut und Reichtum, zum Thema Armut durch Umweltverschmutzung.

In einer beispiellosen Deutlichkeit kritisiert Papst Franziskus die „Idee eines unendlichen und grenzenlosen Wachstums, das die Ökonomen, Finanzexperten und Technologen so sehr begeisterte“. Nicht gesagt hätten sie, dass „dieses Wachstum aber die Lüge bezüglich der unbegrenzten Verfügbarkeit der Güter des Planeten voraussetzt, die dazu führt, ihn bis zur Grenze und darüber hinaus ,auszupressen‘“. Die Annahme, „dass man über eine unbegrenzte Menge von Energie und Ressourcen verfügen könne, dass diese sofort erneuerbar und dass die negativen Auswirkungen der Manipulationen der natürlichen Ordnung problemlos zu beheben seien“, ist in den Augen des Papstes „irrig“.

Hart ins Gericht geht er auch mit „einer mit dem Finanzwesen verknüpften Technologie“, die von sich behauptet, „die einzige Lösung der Probleme zu sein“, tatsächlich nicht fähig sei, „das Geheimnis der vielfältigen Beziehungen zu sehen, die zwischen den Dingen bestehen“. Deshalb würde sie manchmal ein Problem nur lösen, indem sie andere schaffe. Als Klaus Töpfer das gelesen hat, hat er gedacht: „Du bist im falschen Film. Das kann kein Ernst sein. Das muss irgendwie von Greenpeace kommen.“

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Ein Junge sucht in den Abfällen zwischen Gleisen an einem Bahnhof im indischen Mumbai nach etwas Brauchbarem. Laut Papst Franziskus hängen Armut und Umweltverschmutzung eng zusammen Foto: dpa

"Lektionen der weltweiten Finanzkrise nicht gelernt"

Der Papst beschränkt sich nicht auf Umweltfragen, sondern zieht eine enge Beziehung zu den sozialen Auswirkungen von Umweltzerstörung : „Man hat die Lektionen der weltweiten Finanzkrise nicht gelernt, und nur sehr langsam lernt man die Lektionen der Umweltschädigung.“ In manchen Kreisen meine man, dass die jetzige Wirtschaft und die Technologie alle Umweltprobleme lösen würden, ebenso wie man in „nicht akademischer Ausdrucksweise behauptet, dass die Probleme des Hungers und das Elend in der Welt sich einfach mit dem Wachstum des Marktes lösen werden.“ Oder: „Wir verzeichnen „eine Art verschwenderische und konsumorientierte Überentwicklung, die in unannehmbarem Kontrast zu anhaltenden Situationen entmenschlichenden Elends steht“ und „es werden nicht schnell genug wirtschaftliche Einrichtungen und soziale Programme erarbeitet, die den Ärmsten einen regulären Zugang zu den Grundressourcen ermöglichen.

Wortlaut

Die Enzyklika gibt es bei der Deutschen Bischofskoferenz als PDF-Download .

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Wie sehr hören mächtige Männer der Wirtschaft darauf? Alan Greenspan etwa, Ex-Chef der US-Notenbank, der 2007 behauptete: „Wir haben das Glück, dass die politischen Beschlüsse in den USA dank der Globalisierung größtenteils durch die weltweite Marktwirtschaft ersetzt wurden. Mit Ausnahme des Themas der nationalen Sicherheit spielt es kaum eine Rolle, wer der nächste Präsident wird. Die Welt wird durch Marktkräfte regiert.“

Wenn Klaus Töpfer solche Sätze liest, dann ist es nach seinen Worten, höchte Zeit zu widersprechen. Papst Franziskus hat das mit seiner Enzyklika getan.

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