Unwetter-Schäden
Was Betroffene beachten müssen

Nach der Flutkatastrophe kommt das Aufräumen. „Das Wasser steht in den Räumen, wie gehe ich jetzt vor?“, diese Frage stellen sich viele Geschädigte. Vor dem Anpacken ist jedoch zunächst etwas Geduld notwendig.

Freitag, 03.06.2016, 14:06 Uhr

Unwetter-Schäden : Was Betroffene beachten müssen
Angesichts des überfluteten Kellers müssen die Betroffenen einige Regeln beachten, bevor sie aufräumen. Foto: dpa

So darf bei hohen Pegelständen erst mit dem Abpumpen des Wassers begonnen werden, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. Sonst könne die Bodenwanne des Hauses beschädigt werden, betont das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Außerdem sollte man erst Fotos zur Dokumentation machen, die Versicherung verständigen und das Aufräumen mit ihr besprechen, rät der Bund der Versicherten . Eine Schadensliste muss erstellt werden. Es kann sein, dass ein Gutachter die Räume ansehen muss, bevor man aktiv werden darf. Wer zu hektisch handelt, verliert unter Umständen Versicherungsansprüche.

„Aber wartet man zu lange, verschlimmern sich doch die Schäden“, lautet eine häufige Sorge der Flut-Opfer. In der Tat müssen Versicherte dafür sorgen, dass keine weiteren Schäden entstehen. Alles, was in der feuchten Umgebung des Kellers Schaden nehmen kann wie Elektrogeräte und Möbel , muss raus und trocknen. Die gefluteten Räume dürfen trocknen, etwa mit entsprechenden Geräten. Das muss schnell geschehen, damit sich kein Schimmel bildet.

Nichts darf ohne Absprache weggeworfen werden. Beim Aufräumen sind flüssigkeitsdichte Gummihandschuhe und darüber Bauhandschuhe sinnvoll. Denn der Schlamm kann Fäkalien, Heizöl und andere Giftstoffe enthalten. Der Hautkontakt müsse vermieden werden, erklärt der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure. Nasse Geräte, Steckdosen oder Schalter sollten nicht benutzt werden.

Sofern keine behördliche Anordnung vorliegt, kein Trinkwasser zu nutzen oder dieses abzukochen, kann das Wasser aus dem Hahn genutzt werden. Und das laut Bayerischem Umweltministerium auch, wenn Wasserzähler und -leitungen im überfluteten Keller liegen.

Nach hohen Pegelständen kann die Statik in Gefahr sein, dann ist die Hilfe von Profis nötig. Deren Rat braucht man auch, wenn es Trockenbauwände mit Gipskarton oder einen Estrich mit Dämmung gibt. Elek­trik und Heizöltanks sollte man laut BBK vom Fachmann überprüfen lassen.

Ist eine Mietwohnung oder das gemietete Haus nicht mehr bewohnbar, müsse der Mieter keine Miete zahlen, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. Mieter können kündigen oder die Miete reduzieren. Notunterkünfte vermitteln die Kommunen, die Feuerwehr oder der Katastrophenschutz.

Verzögert der Vermieter schuldhaft die Wiederherstellung der Bewohnbarkeit, kann der Mieter unter Umständen Schadenersatzforderungen an ihn stellen.

 

Das müssen Flutopfer beachten

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  • Nerven bewahren

    Man will schnell retten, was zu retten ist. Aber: Läuft Starkregen bei einem Gewitter in den Keller, müssen Betroffene ihre Nerven im Zaun halten. Wer geflutete Räume betritt, riskiert einen tödlichen Stromschlag. So geht man Schritt für Schritt vor.

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Erst die Wassermassen, dann der Schutthaufen

    Wenn Starkregen Keller überflutet, zerstören die Wassermassen alles, was man darin lagerte. Und noch mehr: Viele Wände und Böden - und das darunter liegende Dämmmaterial - saugen sich voll.

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  • Kanalisation

    Und selbst viele Hausbesitzer, bei denen das Wasser nicht durch Schächte und Fenster eindringen kann, sind betroffen: Ist die Kanalisation überfordert, drückt das Wasser oft durch die Kanalisation und Abflussrohre nach oben ins Gebäude.

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  • Tipps

    Und nun? Tipps zum Vorgehen für Betroffene und jene, denen solche Schäden in den kommenden Tagen noch drohen:

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  • Der Keller läuft voll

    Die erste Tat ist nicht der Griff zum Putzeimer oder der Anruf bei der Feuerwehr: „Noch bevor man irgendwo hintritt, muss der Strom abgestellt“, betont Werner Weigl, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Denn es droht ein Kurzschluss - und im Wasser dann ein tödlicher Stromschlag. „Bei einer ordentlichen Stromversorgung ist das eigentlich kein Problem“, schränkt der Fachmann zwar ein. Dennoch sollte man nichts riskieren.

    Foto: dpa
  • Und das gilt vor allem, wenn der Stromkasten im Keller liegt: Dann diesen nicht betreten und die Feuerwehr informieren. Dazu rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auch, wenn im Keller Heizöl oder andere gefährliche Substanzen freigesetzt werden. Außerdem: Noch vor dem Abpumpen des Wassers sollte man dann erste Fotos für die Versicherung machen.

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  • Das Wasser ist raus

    Auch wenn man sich überfordert fühlt, jetzt ist Geduld wichtig. Denn: Erst sollte man erneut Fotos zur Dokumentation machen, die Versicherung umgehend verständigen und das Aufräumen mit dieser besprechen, betont der Bund der Versicherten (BdV). Auch eine Schadensliste muss erstellt werden. Es kann sogar sein, dass erst ein Gutachter die Räume ansehen muss, bevor man komplett aktiv werden darf.

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  • Allerdings müssen Versicherte zugleich dafür sorgen, dass keine weiteren Schäden entstehen. Das bedeutet etwa: Alles, was in der nun feuchten Umgebung des Kellers Schaden nehmen kann wie Elektrogeräte und Möbel, muss raus und trocknen können, erklärt Weigl. Auch dürfen die gefluteten Räume trocknen, etwa mit Leihgeräte aus dem Baumarkt. Denn das muss schnell geschehen, damit sich kein Schimmel bildet und damit noch mehr Schaden entsteht.

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  • Das Aufräumen kann beginnen

    Nasse und kaputte Möbel dürfen genauso wie verdorbene Lebensmittel nicht in den Hausmüll kommen. Sie werden extra entsorgt. Elektrogeräte dürfen erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass sie nicht durch Feuchtigkeit Schaden genommen haben. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät sogar dazu, sie vom Fachmann überprüfen zu lassen. Aber damit noch nicht genug: „Alles, was feucht geworden ist, muss raus“, betont Weigl. Dazu können etwa auch Gipskartonplatten, Tapeten oder Fußböden gehören.

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  • Räume müssen trocknen

    Hier kommt es darauf an, wozu der Keller genutzt wurde und welche Baumaterialien es gibt: „Hat er keine besondere Nutzung und keine Dämmung - es gibt also auch keine Sauna und keinen Hobbyraum - reicht es in der Regel aus, rauszuwischen, sauberzumachen und ein Trockengerät aus dem Baumarkt aufzustellen“, erklärt Weigl. Trocken sei der Raum wieder, wenn ein Hygrometer eine Luftfeuchtigkeit im Raum von etwa 60 Prozent anzeigt.

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  • Schwieriger ist es, wenn Gipskarton etwa für Trockenbauwände verbaut wurde. Dieser saugt sich vergleichsweise schnell voll und muss entweder mit einem Luftentfeuchter getrocknet oder sogar ersetzt werden. Und auch wer einen Estrich am Boden mit darunterliegender Dämmung hat, sollte einen Fachmann zum Trocknen und Begutachten rufen, rät Weigl. „Die Dämmung hat sich in aller Regel vollgesaugt.“ Hier kann es zum Beispiel sein, dass der Boden zum Austrocknen angebohrt werden muss.

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  • Vorbereitung bis Aufräumen

    Wenn die Fluten ins Haus eindringen, sind nicht unbedingt Eile, sondern Geduld und bedachtes Vorgehen wichtig. Denn wer zu schnell handelt, schadet unter Umständen dem Gebäude und verliert Versicherungsansprüche. Was (künftige) Flutopfer wissen müssen.

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  • Deutschlandweit fluten starke Regenfälle und rasend schnell steigende Flusspegel Keller und Wohnräume. Die Bilder, wie aus Bächen reißende Flüsse werden, machen Angst. Und so schwer es fällt: Auch wenn man sich im Fall der Fälle überfordert fühlt, ist Geduld und planvolles Handeln wichtig. Was Flutopfer und jene, die sich gefährdet fühlen, tun können:Hochwasser droht, worum kümmere ich mich jetzt?

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  • Neben dem vorsorglichen Schutz der Besitztümer in gefährdeten Räumen und natürlich dem Schutz des Gebäudes vor den Fluten sollte man vor allem an den Schutz der Bewohner denken. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Bundesumweltministerium raten:

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  • Den Strom abstellen, damit es im Wasser nicht zu Kurzschlüssen und damit zu einer tödlichen Gefahr für die Bewohner kommt. Insbesondere gefährliche Stoffe oder Chemikalien darf das Wasser nicht erreichen. Dafür muss zum Beispiel notfalls auch der Heizöltank an der Wand verankert oder mit Ballast beschwert werden. Wer noch Zeit hat, sollte Campingkocher, netzunabhängiges Radio und Taschenlampen mit Reservebatterien besorgen oder herrichten.

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  • Das Wasser kommt, wie reagiere ich jetzt richtig?

    Der erste Griff gilt nicht dem Putzeimer. Als erstes muss überprüft werden, ob der Strom abgestellt ist. „Bei einer ordentlichen Stromversorgung ist das eigentlich kein Problem“, sagt Werner Weigl von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Dennoch sollte man nichts riskieren. Liegt der Stromkasten dort, wo das Wasser ist, besser die Feuerwehr oder den Energieversorger anrufen.

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  • Dazu rät das BBK auch, wenn im Keller Heizöl oder andere gefährliche Substanzen freigesetzt wurden. Im Auge muss man auch behalten, dass dann noch ein elektrischer Schlag durch die Solaranlage auf dem Dach droht, betont der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Denn im überfluteten Keller stehen Wechselrichter und Anschlusskasten der Anlage unter Spannung.

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  • Das Wasser steht in den Räumen, wie gehe ich vor?

    Jetzt ist etwas Geduld notwendig. Man darf nicht in jedem Fall sofort handeln. So darf etwa bei wirklich hohen Pegelständen erst mit dem Abpumpen des Wassers begonnen werden, wenn auch der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. Sonst kann das die Bodenwanne des Hauses beschädigen, betont das BBK.

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  • Außerdem sollte man erst Fotos zur Dokumentation machen, die Versicherung umgehend verständigen und das Aufräumen mit dieser besprechen, rät der Bund der Versicherten. Und eine Schadensliste muss erstellt werden. Es kann sogar sein, dass erst ein Gutachter die Räume ansehen muss, bevor man richtig aktiv werden darf. Wer zu hektisch handelt, verliert unter Umstände also Versicherungsansprüche.

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  • Aber wartet man zu lange, verschlimmern sich doch die Schäden?

    Daher müssen Versicherte zugleich dafür sorgen, dass keine weiteren Schäden entstehen. Das bedeutet etwa: Alles, was in der nun feuchten Umgebung des Kellers Schaden nehmen kann wie Elektrogeräte und Möbel, muss raus und trocknen. Daneben dürfen die gefluteten Räume trocknen, etwa mit Leihgeräten aus dem Baumarkt. Denn das muss schnell geschehen, damit sich kein Schimmel bildet und damit noch mehr Schaden entsteht. Aber nichts wegwerfen ohne Absprache.

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  • Was muss ich sonst im Haus beachten, wenn noch Wasser drin ist?

    Ohne eine Anordnung der Behörden wie ein Verbot, Trinkwasser zu nutzen oder dieses abzukochen, kann man das Wasser aus dem Hahn nutzen. Und das laut Bayerischem Umweltministerium auch, wenn Wasserzähler und Trinkwasserleitungen im überfluteten Keller liegen.

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  • Das Wasser ist weg, was muss ich zum Aufräumen wissen?

    Flüssigkeitsdichte Gummihandschuhe und unter Umständen zusätzlich darüber schützende Bauhandschuhe sind sinnvoll. Denn der Schlamm kann Fäkalien, Heizöl und andere Giftstoffe enthalten. Hautkontakt muss vermieden werden, wie der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure erklärt. Und nasse Geräte, Steckdosen oder Schalter nicht nutzen.

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  • Wann brauche ich Hilfe von Profis beim Trocknen und Renovieren?

    Das hängt natürlich von der Stärke der Überschwemmung ab, aber auch von den Baumaterialien des Hauses. Nach wirklich hohen Pegelständen kann auch die Statik in Gefahr sein. Grob lässt sich aber sagen: Hielt sich die Überschwemmung in Grenzen, ist der Keller dazu vornehmlich Lagerraum und es gibt keine Wohn- und Hobbyräume oder eine Sauna, reicht es in der Regel aus, sauberzumachen und ein Leihgerät zum Trocknen aus dem Baumarkt aufzustellen, erklärt Weigl. Trocken sei der Raum wieder, wenn ein Hygrometer eine Luftfeuchtigkeit im Raum von etwa 60 Prozent anzeigt. Profi-Rat und -hilfe braucht man, wenn es zum Beispiel Trockenbauwände mit Gipskarton oder einen Estrich mit darunterliegender Dämmung gibt. Betroffene Elektrik und Heizöltanks sollte man laut BBK auch vom Fachmann überprüfen lassen.

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Wann zahlen die Versicherungen?

Unwetterschäden an Häusern oder Wohnungen übernehmen Gebäudeversicherungen oft nur teilweise. Wohngebäudeversicherungen decken in der Regel Sturm- und Hagelschäden sowie Blitzeinschläge ab. Schäden durch Überschwemmungen tragen sie nur, wenn eine Elementarschadenversicherung vereinbart wurde. Die Hausratsversicherung muss ebenfalls eine Elementarschadensabdeckung enthalten, um für Schäden der Wohnungseinrichtung durch Überflutungen aufzukommen.

Bei Schäden an stehenden Autos greift die Teilkaskoversicherung. Das gilt etwa für Beulen, die durch umstürzende Bäume oder Hagelschlag entstehen. Auch bei Überschwemmungen in Tiefgaragen übernimmt sie die Schäden. Stürzen Gegenstände vor das Fahrzeug auf die Straße, greift die Teilkaskoversicherung. Lagen Hindernisse länger auf der Straße, hilft nach Angaben des ADAC nur eine Vollkaskoversicherung. Nicht übernommen werden Schäden, wenn der Fahrer sich in Gefahr begibt, wie beim Fahren auf überschwemmten Straßen. 

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