Hamsterkäufe
Zivilschutzkonzept verunsichert Bürger

Ein "Notfallplan zum Selbstschutz" macht seit Sonntag die Runde. Die Bundesregierung empfiehlt, sich zu bevorraten. Doch wieso eigentlich? Handelt es sich - so wie die Opposition es sieht - um reine Panikmache?

Montag, 22.08.2016, 16:08 Uhr

Hamsterkäufe : Zivilschutzkonzept verunsichert Bürger
Die Kommunikation über das neue Zivilschutzkonzept verunsichert. Sollen sich Bürger nun bevorraten? Sollten sie das nicht ohnehin schon seit Jahren? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt die Lebensmittelbevorratung bereits seit Jahrzehnten heraus und freut sich, dass die Diskussion darüber und die Nachricht endlich beim Bürger angekommen ist. Foto: Oliver Berg/dpa

Das Social Media-Team des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat aktuell viel zu tun - und viel zu erklären. Dabei kritisieren sie auch den Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) , den sie als "etwas missverständlich" deklarieren. So steht in einem Tweet beispielsweise:

"Der Artikel ist etwas missverständlich, denn die Empfehlung geben wir seit Jahrzehnten [...]," einen Tweet weiter heißt es, dass sie sich allerdings über die aktuelle Diskussion freuen, denn "je mehr Menschen bevorraten, umso besser [...]".

Twitter

Reaktionen zum Thema finden Sie auch auf Twitter unter #Zivilschutzkonzept

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Viele User fragen: Wieso? Wieso ist es in der heutigen Zeit wichtig, sich einen Vorrat für zehn Tage anzulegen. Auch darauf geht @BBK_Bund ein: "Ein Stromausfall über einen längeren Zeitraum ist das momentan Wahrscheinlichste [...]."

Was für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe also ein alltägliches Anliegen ist, das sie seit Jahren versuchen, an die Öffentlichkeit zu bringen, scheint also erst jetzt wirklich beim Bürger angekommen zu sein. Der Grund dafür liegt nahe: Viele bringen die aktuelle Nachrichtenlage mit dem in ihren Augen neuen Konzept, an dem in Wirklichkeit bereits seit vielen Jahren gearbeitet wird, in einen Zusammenhang. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte am Montag, bei dem "neuen" Konzept handele es sich keineswegs um eine Reaktion auf eine Bedrohungsanalyse der vergangenen Tage (siehe Text unten).


Innenressort weist Kritik an neuem Zivilschutzkonzept zurück

von dpa

Die Bundesregierung hat Kritik aus der Opposition an ihrem neuen Konzept zur Zivilverteidigung zurückgewiesen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Montag in Berlin , das Konzept für das Vorgehen in Katastrophenfällen sei zuletzt 1995 aktualisiert worden. Angesichts einer veränderten sicherheitspolitischen Lage sei seit langem geplant gewesen, dies neu zu überarbeiten. „Dieser Prozess ist ein langwieriger, ja ein langjähriger gewesen.“ Es handele sich keineswegs um eine Reaktion auf eine Bedrohungsanalyse der vergangenen Tage.

In dem 70-seitigen Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, werden die Bürger unter anderem aufgerufen, „einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln für einen Zeitraum von zehn Tagen“ anzulegen. Die Linke hatte dies als Angstmache gewertet und der Regierung vorgeworfen, die Bürger mit immer neuen Vorstößen zu verunsichern.

Vieles, was nun diskutiert werde, sei nicht neu, betonte der Ministeriumssprecher. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zum Beispiel biete schon seit langem Hilfestellungen und Tipps, wie sich private Haushalte auf Krisenlagen vorbereiten könnten. „Das hat mit Panikschüren überhaupt nichts zu tun.“Die Bundesregierung soll das neue Konzept am Mittwoch im Kabinett beraten, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) will die Pläne danach der Öffentlichkeit vorstellen. Der Sprecher sagte, er könne sich vorab nicht zu den Inhalten äußern.



So reagiert das Netz

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