Das Problem mit den Einwegbechern
Aus “To Go” wird “No Go”

Praktisch, bequem - trotzdem umstritten. Coffee-to-go-Becher sind beliebte Alltagsbegleiter - aber für Umweltschützer ein Desaster. 320.000 Einwegbecher werden in Deutschland stündlich weggeschmissen. In Münster sind es rund 28.000 Becher am Tag und eine Menge Müll. Hier der Faktencheck:

Dienstag, 29.11.2016, 11:42 Uhr aktualisiert: 29.11.2016, 16:16 Uhr
Das Problem mit den Einwegbechern : Aus “To Go” wird “No Go”
Foto: dpa

Der Gebrauch von Einwegbechern birgt viele Probleme:

Lösungsvorschläge?

Die Stadt Freiburg sagt „Goodbye Pappbecher!“ und führte kürzlich ein Mehrwegbechersystem ein. Kaffeefans zahlen einen Euro für den „FreiburgCup“ und geben ihn nach Benutzung in den teilnehmenden Filialen wieder ab. Einziges Manko: der Deckel bleibt aus Hygienegründen ein Wegwerfartikel. 15 Café-Betreiber sind bei dem Pilotprojekt bis jetzt dabei, viele übernehmen sogar die Reinigung der Becher .

Weitere Projekte

Das Projekt ist nicht das erste seiner Art in Deutschland. In Rosenheim gibt es „recup“ , in einigen Stadtteilen Berlins einen Testlauf mit „justswapit“ einem sogenannten Mehrwegbecher-Poolystem. In Hamburg gibt es das Projekt „Refill it!“ , bei dem Kunden 20 Cent Rabatt bekommen, wenn sie zum Pfandbecher greifen.

...

Bundesweite Vorgaben gibt es nicht. Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist eine bundesweite Regelung überflüssig - «das geht auf lokaler und freiwilliger Basis», sagte die SPD-Politikerin in einem Interview .

Die Stadt Münster hat noch keinen konkreten Plan. Für 2017 sind im Haushalt immerhin schon 1000 Euro für einen runden Tisch vorgesehen, der sich mit Müllvermeidung beschäftigt. Grünen-Ratsfrau Dr. Didem Ozan hält einen „Münster-Becher“ nach Freiburger Vorbild für eine gute Idee. Als Testlauf hierfür sei der Katholikentag 2018 geeignet.

161125-01
Foto: Gunnar A. Pier

Es gibt Alternativen

Die Aktion „Coffee to go again“ sagt den Wegwerfbechern den Kampf an. Julia Post, Studentin und Umweltaktivistin aus München, hat das Projekt im Sommer 2015 ins Leben gerufen, das mittlerweile auch in Münster angekommen ist. „Bei Coffee to go again geht’s vor allem um das Logo, um den Aufkleber.“, so die Initiatorin. Die teilnehmenden Cafés zeigen damit, dass sie selbstmitgebrachte Becher der Gäste akzeptieren.

Alle teilnehmenden Cafés sind hier aufgelistet:

Einige Studierende der Uni Münster engagierten sich in der Non-Profit-Organisation Enactus beim Projekt „Cup2Grow“ und verbreiteten im letzten Jahr einen Alternativ-Becher. Komplett recyclebar: Dessen innere Beschichtung besteht aus einem Bio-Kunststoff aus Polymilchsäure. Leider setzte sich diese Bechervariante nicht durch.

„Wir mussten feststellen, dass sich die Einführung von unseren speziellen Kaffeebechern nur lohnt, wenn wir diese extra, also nicht im normalen Restmüll, entsorgen.“ erklärt Anna Hennig, Teamleiterin von Enactus Münster. Die Verbrennung der Becher mit dem Restmüll würde zu ähnlich hohen Umweltbelastungen wie bei normalen Bechern führen.

Die einfachste Lösung: ein eigener Mehrwegbecher. Viele Cafés befüllen die Becher auf Nachfrage. Bei Münster Souvenirs gibt’s das passende Modell für Münster-Fans .

Müllvermeidung in Münster

Die Aktion „Pastiktütenfrei“ von Greenpeace Münster versucht, Läden in Münster zu überzeugen, die Tüten von der Theke zu verbannen. Einkaufen komplett ohne Plastikmüll geht in den Geschäften „Natürlich unverpackt“ und „Einzelhandel - Zum Wohlfüllen“ .

...

Was bieten die großen Ketten an?

Anders als vielleicht erwartet, bieten auch Ketten wie Starbucks, McDonalds und Kamps an, mitgebrachte Privatbecher zu füllen. Häufig gibt es dort auch Mehrwegbecher mit Firmenlogo zu kaufen. Wer seinen Becher mitbringt, bekommt einen kleinen Rabatt auf den Kaffeepreis. Bei McDonalds sind es 10 Cent, bei Starbucks 30 Cent.

Mehr zum Thema

Hygiene wird in Frage gestellt

Der Deutsche Kaffeeverband hat Bedenken: Tresenbereiche seien ein hygienisch sensibler Bereich. Durch mitgebrachte Becher drohe die Verkeimung der Schankanlagen und Kaffeemaschinen. „Es gibt Cafés, die das als unhygienisch ablehnen“, hat Harald Nölle vom Umweltforum in Münster beobachtet. „Die Lebensmittelhygieneverordnung verbietet es nicht, mitgebrachte Mehrwegbecher zu befüllen“, erklärt hingegen Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4466825?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F202%2F4840888%2F4840890%2F
Transparent am Dom
Ein riesiges Transparent hatten Unbekannte passend zum Wochenmarkt am Dom-Gerüst befestigt.
Nachrichten-Ticker