Heiliger, Kinderliebling und Wohltäter
Der Nikolaus ist der bessere Weihnachtsmann

Münster -

An Nikolaus finden Millionen Kinder in Deutschland Süßigkeiten und andere kleine Geschenke in ihren Stiefeln und Strümpfen. Der Brauch geht auf einen der am meisten verehrten Heiligen der Christenheit zurück. Socke, Stiefel oder Teller - was wird eigentlich zur Niklolaus-Nacht am häufigsten vor die Tür gestellt?

Montag, 05.12.2016, 12:12 Uhr

Heiliger, Kinderliebling und Wohltäter : Der Nikolaus ist der bessere Weihnachtsmann
Die Niederländerin Mareike van der Meer schnitzt am in Mainz an ihrer überlebensgroßen Skulptur des St. Niklolaus, die Teil der Eisskulpturenschau "Eiswelt" (bis zum 15.01 2017) ist. Foto: dpa

Von der historischen Person gilt nur als sicher, dass Nikolaus im vierten Jahrhundert Bischof von Myra an der heutigen türkischen Mittelmeerküste war. 

Der Überlieferung nach war er großzügig und kümmerte sich um arme Leute - wohl besonders um Kinder. Deshalb wird er von gläubigen Christen als Heiliger verehrt. In der katholischen Kirche wird er häufig als „Nothelfer“ angerufen, die orthodoxen Christen bezeichnen ihn als „Wundertäter“. Heute erinnern Süßigkeiten und kleine Geschenke in den Schuhen der Kinder am Nikolausmorgen an die Spendenfreudigkeit des Heiligen, der an einem 6. Dezember gestorben sein soll.

Schutzpatron für Schüler und Seefahrer

Schon die in Myra früh einsetzende Verehrung des Nikolaus galt seiner Güte. Um den Heiligen ranken sich zahlreiche Legenden, deren historische Ursprünge aber bei anderen Heiligen gleichen Namens liegen. Nach einer Erzählung erweckte Nikolaus drei ermordete Schüler wieder zum Leben. Er ist deswegen auch Patron der Schüler. Seefahrern galt er ebenfalls als Patron und Helfer bei Gefahren. Die Russen betrachten ihn als Schutzheiligen.

Der Legende nach soll er mit dem großen Vermögen, das ihm seine Eltern hinterlassen hätten, Bedürftige unterstützt haben. Nikolaus soll außerdem unschuldig Verurteilte gerettet und eine Hungersnot abgewendet haben. Ein Traum habe die Bischöfe der Provinz bewogen, den angesehenen und beliebten Nikolaus zum Oberhirten der Provinzhauptstadt Myra zu wählen.

Ein als Bischof Nikolaus verkleideter Mann beschenkt Kinder in Horstmar-Leer.

Ein als Bischof Nikolaus verkleideter Mann beschenkt Kinder in Horstmar-Leer. Foto: Franz Neugebauer

Einer anderen Legende nach schenkte er drei Mädchen heimlich Gold für die Aussteuer, um sie vor der Prostitution zu retten. Ihr Vater war zu arm, um ihnen eine Mitgift für die Heirat bereitzustellen. In drei aufeinanderfolgenden Nächten warf der Bischof Nikolaus den Töchtern Goldklumpen durch das Fenster.

Der "Einlegebrauch"

Auf diese Geschichte geht wohl der „Einlegebrauch“ zurück, wonach die Kinder in Deutschland am Vorabend des Nikolaustages ihre Stiefel vor die Tür stellen. In manchen Familien wird diese Tradition recht streng gehandhabt und nur gut geputzte Winterstiefel werden vom Nikolaus bestückt, in machen werden aber auch Pantoffeln oder ähnliches mit Geschenken und Süßigkeiten gefüllt.

Aus den Legenden schälte sich das Bild eines ungewöhnlich menschenfreundlichen Kirchenmannes heraus, volksnah und voller Güte, Mut und Zivilcourage. Bildungswerke und Kirchengemeinden rücken darum auch heute den Nikolaus als Symbol für die Güte Gottes in den Vordergrund.

Nikolaus hat Vor- und Nachnamen geprägt

Wie beliebt der Bischof von Myra war, zeigt sich auch darin, dass Tausende Kirchen nach ihm benannt wurden. Zugleich entwickelte sich der Vorname „Nikolaus“ zu einem der häufigsten männlichen Rufnamen des Mittelalters. Rund 1000 unterschiedliche Familiennamen lassen sich zudem auf Nikolaus zurückführen. Darunter sind Nickel, Ni(e)tzsche, Klaus, Klaas oder Klose.

Abgrenzung zum Weihnachtsmann

Mit Mitra, Bischofsstab und Evangelium in der Hand abgebildet ist der Schoko-Nikolaus.

Mit Mitra, Bischofsstab und Evangelium in der Hand abgebildet ist der Schoko-Nikolaus. Foto: Dieter Huge sive Huwe

In den vergangenen Jahren haben kirchliche Organisationen Initiativen gestartet, um das Andenken des Heiligen zu fördern und vom Weihnachtsmann der Werbung abzugrenzen. Verkauft werden dabei auch Schoko-Nikoläuse mit Mitra und Bischofsstab als Alternative zu den Weihnachtsmännern mit Mütze und Beutel. Aus kirchlicher Sicht hat der am Konsum orientierte Weihnachtsmann der Geschenke-Industrie nichts mit dem Bischof Nikolaus zu tun, der selbstlos Menschen in Not geholfen habe.

Sein strafender Begleiter - im Rheinland ist es der finstere Knecht Ruprecht mit Rute und rasselnden Ketten - hat eine eindeutige Rolle: Während Nikolaus das Gute verkörpert, ist er als Kinderschreck für das Böse zuständig.

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