Zoo Osnabrück
So entkam Bärin Tips aus ihrem Gehege

Osnabrück -

Seit Samstagnachmittag rätselte der Zoo Osnabrück, wie die Cappuccino-Bärin Tips aus ihrem Gehege ausbrechen konnte. Die Antwort: Das Tier überwand gleich drei Hindernisse nacheinander.

Montag, 13.03.2017, 13:44 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.03.2017, 13:07 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 13.03.2017, 13:44 Uhr
Zoo Osnabrück : So entkam Bärin Tips aus ihrem Gehege
Besucher hatten im Osnabrücker Zoo die umherlaufende Bärin Tips am Samstag gesehen und Alarm geschlagen. Foto: dpa

Der Schrecken im Zoo Osnabrück dauert zehn Minuten: Besucher sehen am Samstag einen Cappuccino-Bären außerhalb des Geheges herumlaufen, alarmieren schnell die Mitarbeiter. Bärin Tips ist eine der Attraktionen des Zoos. Sie ist ein Mischling - Kind eines Eisbären und einer Braunbärin. Die Besucher werden in Tierhäusern in Sicherheit gebracht. Als Tips einen Mitarbeiter bedroht habe, habe sie erschossen werden müssen, sagt Zoodirektor Michael Böer. Der Schrecken hat ein Ende - aber es bleiben viele Fragen. Vor allem: Wie konnte das Tier aus seinem Gehege entkommen?

Verkettung unglücklicher Umstände

Die Antwort liefert der Zoo am Montag. Die Bärin überwand gleich drei Hindernisse, die als unüberwindbar galten. Zuerst stieg Bärin Tips über einen Elektrozaun, zwängte sich dann durch eine enge Schleuse und durchbrach schließlich den Außenzaun eines Geheges. Eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Das erste Hindernis war ein 90 Zentimeter hoher Elektrozaun: „Wir vermuten, dass irgendetwas die Bärin so sehr erregt hat, dass sie durch den Elektrozaun ging, ohne sich an dem Strom zu stören“, sagte Zoodirektor Michael Böer am Montag.

Danach habe sich die Bärin durch eine 35 mal 40 Zentimeter große Schleuse zur Anlage der Füchse gezwängt. Der Zoo hielt es bisher für unmöglich, dass Bären durch diese Öffnung passen. Zuletzt durchbrach das Tier ein Gitterelement des Außenzaunes, das nach Einschätzung des Zoos eigentlich einem Bären hätte standhalten müssen.

Ausgebrochene Zootiere in Deutschland

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  • Die Bärendame Tips wurde am Samstag in Osnabrück nach ihrem Ausbruch erschossen. Doch nicht immer verlaufen Ausbrüche von Zootieren so dramatisch. Einige Beispiele der letzten Jahre aus deutschen Zoos:

    Foto: dpa
  • Januar 2017: Fünf Tage lang entkommt LUCHS „Findus“ seinen Verfolgern aus dem Gelsenkirchener Zoo, bis er schließlich betäubt werden kann. Seine Flucht war möglich geworden, weil ein Wassergraben zwischen seinem Gehege und den Besuchern zugefroren war.

    Foto: dpa
  • September 2016: SCHNEELEOPARD „Irbis“ entkommt im Wuppertaler Zoo aus seinem Gehege. Die rund 1000 Besucher werden in die Tierhäuser gebeten und die Eingänge gesperrt. Nach rund 30 Minuten findet eine Tierärztin den Schneeleoparden auf dem Zoogelände und betäubt ihn.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Juli 2016: Das LÖWENPÄRCHEN „Gretchen“ und „Massai“ entdeckt eine offene Tür in seinem Gehege im Wildpark Johannismühle in Brandenburg. Zu zweit erkunden die Tiere den umzäunten Außenbereich. Der Park wird sofort geräumt. Nach zwei Stunden beendet eine Tierärztin mit einem Betäubungsgewehr den Ausflug.

    Foto: dpa
  • Mai 2016: Statt im Tierpark Wittenberg ins Gehege einer Artgenossin zu tapsen, entwischt NASENBÄR „Manni“. Am Zaun bekommt er einen Stromschlag, flieht aber trotzdem quer durch die Stadt. Die Odyssee durch Wittenberg endet schließlich im Innenhof des Amtsgerichts. Ein Tierarzt kann das Tier dort betäuben.

    Foto: dpa
  • August 2015: Für ORANG-UTAN „Nieas“ endet die Flucht aus dem Duisburger Zoo tödlich. Der Affe war aus seinem Stall entwischt und gerade dabei, über den Außenzaun zu klettern, als sein Ausbruch entdeckt wird. Dem Zoo zufolge war es da schon zu spät, um ihn noch zu betäuben - er muss erschossen werden.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • März 2014: STACHELSCHWEIN „Hartmut“ entkommt wegen eines offenen Gatters mit seiner Rotte aus dem Gehege. Seine Gefährten lassen sich einfangen, doch das Tier sucht das Weite. Es wird an einer nahen Bahnstrecke von einem Zug überfahren.

    Foto: dpa (Symbolbild)

Tödlicher Schuss wegen Angriffsgebärden

Das Tier legte eine Strecke von rund hundert Metern über das Löwenrondell bis zur Klammeraffenanlage zurück. Auf dem Weg brachte sie eine Zoomitarbeiterin zu Fall. Bei dem Sturz habe die Frau sich aber nur leichte Schürfwunden zugezogen.

Als Tips danach eindeutige Angriffsgebärden gegen einen Mitarbeiter gemacht habe, habe sie getötet werden müssen. „Sie drohte nicht, sondern bereitete sich auf einen Angriff vor“, sagt Böer. In dieser Situation hätten die Mitarbeiter keine Wahl gehabt. Die Wirkung einer Betäubung aus einem Narkosegewehr hätte erst nach 10 bis 20 Minuten eingesetzt. In dieser Zeit hätte die Bärin viel Schaden anrichten können, erklärt Böer den Schuss auf das Tier.

Cappuccino-Bären

Tips war zusammen mit ihrem Bruder ein Besucherliebling. Vor mehr als zehn Jahren waren verschiedene Bärenarten in einem Gehege gehalten worden. Dass ein Eisbär mit einer Braunbärin Nachkommen zeugen würde, hätten die Tierpfleger damals nicht für möglich gehalten. Nach der Geburt der Geschwister Tips und Taps 2004 wurden die Arten sofort getrennt. Der Zoo Osnabrück nutzte die sogenannten Hybrid-Bären, um bei Führungen und in einer Ausstellung auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Denn auch in Regionen nahe der Arktis, etwa in Kanada, wurden schon Bären geschossen, die sich per DNA-Nachweis als Mischlinge entpuppten. Ihr Auftauchen hat vermutlich damit zu tun, dass sich die Lebensräume von Polarbären und Grizzlys - der amerikanischen Variante des Braunbären - aufgrund der Erderwärmung zunehmend überschneiden.

...

Nicht nur die Mitarbeiter, auch die Besucher seien in Gefahr gewesen. Das Tier war in der Nähe des Zooeingangs, vor dem sich viele Menschen befanden. Zu dem Zeitpunkt waren rund 4000 Besucher im Tierpark. Fast alle blieben ruhig, wie Böer erklärte.

Da zunächst unklar war, was mit dem zweiten Bären war, umstellten die alarmierten Polizeibeamten das Gehege der Cappuccino-Bären. Der Bruder von Tips mit dem Namen Taps befand sich noch in der Anlage und wurde von Tierpflegern in den Stall gebracht.

Auch andere Gehege werden überprüft

Nun soll der Vorfall von externen Fachleuten begutachtet werden. Außerdem sollen die Gehege anderer als gefährlich eingestufter Tierarten wie Schimpansen, Orang-Utans, Löwen oder Tiger überprüft werden.

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