Bärenausbruch
Zoo sucht nach Ursachen

Osnabrück - Erst überwand eine Bärin im Osnabrücker Zoo einen Elektrozaun, zwängte sich dann durch eine Schleuse und durchbrach schließlich den Außenzaun eines Geheges. Am Ende musste das Tier getötet werden - die Mitarbeiter im Osnabrücker Zoo sind noch geschockt.

Montag, 13.03.2017, 16:03 Uhr

Bärin Tips Zoo Osnabrück. Foto: dpa
Die Mischbärin Tips (hell) und ihr Bruder Taps am 11.06.2015 im Zoo in Osnabrück (Niedersachsen). Bärin Tips war am 11.03.2017 aus dem Gehege ausgebrochen und daraufhin erschossen worden. Foto: Friso Gentsch/dpa (Archiv-Bild)

Ein Zoo steht unter Schock: Sichtlich bewegt, teils mit den Tränen kämpfend, versucht zwei Tage nach den tödlichen Schüssen auf Mischlingsbärin Tips der Direktor des Zoos Osnabrück, Michael Böer , zu erklären, was am Samstag in dem Tierpark geschehen ist. Zehn Minuten nach dem Ausbruch des Tiers war die 2004 zur Welt gekommene Bärin erschossen worden.

Bekannt sind nur Indizien

Das wegen seines cremefarbenen Fells auch „Cappucino-Bär“ genannte Tier überwand bereits innerhalb eines gemeinsam mit Blaufüchsen genutzten Freigeheges zwei Hindernisse, bis es den Außenzaun durchbrach. „Der Bär hat das Gitterelement herausbekommen - wie er das geschafft hat, wissen wir nicht“, sagte Böer. Zusammen mit der Polizei und externen Gutachtern will der Zoo nun Ursachenforschung betreiben.

Es habe kein Weg an dem Abschuss des Tieres vorbeigeführt, sagte Böer auf kritische Nachfragen, ob das Tier nicht auch betäubt oder zumindest kampfunfähig geschossen hätte werden können. Die Bärin sei im Begriff gewesen, zwei Mitarbeiter des Zoos anzugreifen. Außerdem hätten sich in etwa 50 Metern Entfernung Zoobesucher befunden. Ein angeschossener Bär im Zoo sei lebensgefährlich. Die Bärin hätte in Minutenschnelle bis zu 70 Meter zurücklegen können, sage Böer. Es hätte bis zu 15 Minuten gedauert, bis die Betäubung zu wirken begonnen hätte. „Oberstes Gebot ist die Herstellung von Sicherheit und Ordnung. Wir mussten im Interesse unserer Zoobesucher handeln“, rechtfertigte Böer die Tötung des Tieres.

Tier durchbricht 90 Zentimeter hohen Zaun

Der Elektrozaun trennt innerhalb des gemeinsamen Geheges einen Ruhebereich für die Füchse ab. Irgendetwas hinter der Barriere müsse die Bärin gereizt und erregt haben, vermutete Böer - vielleicht eine Maus oder ein Fuchs. Jedenfalls durchbrach das Tier den 90 Zentimeter hohen Zaun, ohne sich an dem Elektroschock zu stören. Das Objekt, was sie in Aufregung versetzt habe, fand das Tier nicht, kehrte aber wegen des Elektrozauns auch nicht mehr in seinen angestammten Bereich zurück. Die vom jüngst beendeten Winterschlaf noch recht schlanke Bärin tat etwas, womit keiner im Zoo gerechnet habe, sagte Böer: Sie zwängte sich durch eine 30 mal 45 Zentimeter großen Schieber, der den Füchsen vorbehalten war. In dem anschließenden Bereich des Geheges durchbrach sie schließlich den Zaun, der eigentlich auch bärensicher hätte sein sollen. Tips habe offensichtlich einen Weg zurück in ihre vertraute Umgebung gesucht, vermutet Böer.

Nach dem Unglück

Bis geklärt ist, warum der Außenzaun versagte, muss Tips' Bruder Taps, der zweite „Cappucino-Bär“ des Osnabrücker Zoos, drinnen bleiben und darf nicht ins Freigehege. Die Schieber sollen nun auf jeden Fall verkleinert werden. Nach dem Unglück werde der Zoo nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte Geschäftsführer Andreas Busemann . „Das hat uns sehr getroffen“, betonte er.

Externer Gutachter wurde angefordert

Nun solle auch mit externen Gutachtern die Sicherheit der Bärenanlage noch einmal überprüft werden. Es solle ein „Gehegescreening“ für weitere als gefährlich eingestufte Tierarten geben. Der Kreis der an Sicherheitsübungen teilnehmenden Mitarbeitern solle ausgeweitet werden, und es solle geprüft werden, ob die Lautsprecheranlage im Zoo ausreichend war. Auch mit Kollegen aus anderen Zoos solle über den Ausbruch gesprochen werden.

Zoo zeigt sich tief betroffen

Für den Zoo ist der Tod des Tieres ein schwerer Schlag. Anfragen von Naturkundemuseen noch am Sonntag, ob sie die tote Bärin als Ausstellungsobjekt bekommen könnten, hätten ihn sehr befremdet, sagte Geschäftsführer Busemann. Vor allem die Pfleger, die das Bären-Geschwisterpaar seit ihrer Geburt kannten und täglich gefüttert hätten, seinen tief getroffen.

Die beiden Bären Tips und Taps waren die Kinder eines „Unfalls“: Der Vater war Eisbärmännchen Elvis, die Mutter Braunbärin Susi. Dass sich beide paaren würden, hatten die Experten nicht erwartet. Wegen des Klimawandels kommen solche Kreuzungen inzwischen auch in freier Wildbahn vor.Seit einigen Jahren waren Tips und Taps daher die Botschafter des Zoos für den Klimaschutz.

Der Zoo Osnabrück ist mit mehr als einer Million Gästen pro Jahr derzeit der zweitgrößte Zoo Niedersachsens, nach Hannover. Seine Anfänge reichen bis ins Jahr 1935 zurück.

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Ausgebrochene Zootiere in Deutschland

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  • Die Bärendame Tips wurde am Samstag in Osnabrück nach ihrem Ausbruch erschossen. Doch nicht immer verlaufen Ausbrüche von Zootieren so dramatisch. Einige Beispiele der letzten Jahre aus deutschen Zoos:

    Foto: dpa
  • Januar 2017: Fünf Tage lang entkommt LUCHS „Findus“ seinen Verfolgern aus dem Gelsenkirchener Zoo, bis er schließlich betäubt werden kann. Seine Flucht war möglich geworden, weil ein Wassergraben zwischen seinem Gehege und den Besuchern zugefroren war.

    Foto: dpa
  • September 2016: SCHNEELEOPARD „Irbis“ entkommt im Wuppertaler Zoo aus seinem Gehege. Die rund 1000 Besucher werden in die Tierhäuser gebeten und die Eingänge gesperrt. Nach rund 30 Minuten findet eine Tierärztin den Schneeleoparden auf dem Zoogelände und betäubt ihn.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Juli 2016: Das LÖWENPÄRCHEN „Gretchen“ und „Massai“ entdeckt eine offene Tür in seinem Gehege im Wildpark Johannismühle in Brandenburg. Zu zweit erkunden die Tiere den umzäunten Außenbereich. Der Park wird sofort geräumt. Nach zwei Stunden beendet eine Tierärztin mit einem Betäubungsgewehr den Ausflug.

    Foto: dpa
  • Mai 2016: Statt im Tierpark Wittenberg ins Gehege einer Artgenossin zu tapsen, entwischt NASENBÄR „Manni“. Am Zaun bekommt er einen Stromschlag, flieht aber trotzdem quer durch die Stadt. Die Odyssee durch Wittenberg endet schließlich im Innenhof des Amtsgerichts. Ein Tierarzt kann das Tier dort betäuben.

    Foto: dpa
  • August 2015: Für ORANG-UTAN „Nieas“ endet die Flucht aus dem Duisburger Zoo tödlich. Der Affe war aus seinem Stall entwischt und gerade dabei, über den Außenzaun zu klettern, als sein Ausbruch entdeckt wird. Dem Zoo zufolge war es da schon zu spät, um ihn noch zu betäuben - er muss erschossen werden.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • März 2014: STACHELSCHWEIN „Hartmut“ entkommt wegen eines offenen Gatters mit seiner Rotte aus dem Gehege. Seine Gefährten lassen sich einfangen, doch das Tier sucht das Weite. Es wird an einer nahen Bahnstrecke von einem Zug überfahren.

    Foto: dpa (Symbolbild)

 

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