1500 Räder beschlagnahmt
Polizei gelingt Schlag gegen Fahrrad-Mafia

Hamburg -

Von geklauten Fahrrädern kann die Polizei in Münster ein Liedchen singen. Doch wo bleiben die nur alle? Eine Razzia der Hamburger Polizei könnte Aufschlüsse liefern. Ihr ist am Dienstag ein „großer Schlag″ gegen die organisierte Fahrradkriminalität gelungen.

Mittwoch, 26.04.2017, 08:04 Uhr

1500 Räder beschlagnahmt : Polizei gelingt Schlag gegen Fahrrad-Mafia
Die Polizei hat in Hamburg rund 1500 möglicherweise gestohlene Fahrräder sichergestellt. Foto: dpa

Riesenerfolg für die Ermittlungsgruppe Fahrrad der Hamburger Polizei: Mit Hilfe von 180 Beamten hat sie am Dienstag rund 1500 Fahrräder sichergestellt. „Wir gehen davon aus, dass es sich mutmaßlich um gestohlene Fahrräder handelt″, sagt Polizeisprecher Timo Zill . Vom Mountainbike über das Damenfahrrad bis zum Kinderrad ist alles dabei. Zum Abtransport des Diebesguts ist das Technische Hilfswerk mit 15 Lastwagen und einem Gabelstapler gekommen.

Auf der Spur der Fahrrad-Mafia

Zeitgleich mit der Aktion in vier Lagerhallen haben Beamte zwei Wohnungen durchsucht, eine in Hamburg, die andere in Essen (NRW). Die Polizei ermittele gegen drei Männer im Alter von 42 bis 44 Jahren. Ob es weitere Verdächtige gibt, wollte der Polizeisprecher nicht sagen. „Wir haben Beweismaterial sichergestellt, das nun ausgewertet wird.″

Was machen Diebe oder Hehler mit so einer gewaltigen Menge an gestohlenen Fahrrädern? Die Lagerhallen inmitten eines Gewerbegebietes waren laut Polizei offensichtlich der Sammelpunkt für Hamburg und Norddeutschland. Von dort seien die Räder mit Kleintransportern nach Osteuropa gebracht worden.

Die Ermittler der „Soko Fahrradklau″ wollen in die Strukturen der Täter eindringen. „Wir gehen davon aus, dass einige wenige für eine Vielzahl von Taten verantwortlich sind″, sagt Zill. „Insofern freuen wir uns sehr, dass wir in dieses Wespennest hineingestochen haben.″

Schlag gegen die Fahrrad-Mafia

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  • Erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität:

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  • Die Hamburger Polizei hat rund 1500 möglicherweise gestohlene Fahrräder sichergestellt.

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  • 180 Beamte waren bei der Aktion im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort im Einsatz.

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  • In einem Gewerbegebiet wurden vier Lagerhallen durchsucht.

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  • Nun sollen die Fahrräder katalogisiert werden, um sie möglichst bald ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben.

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  • Das könne angesichts der ungeheuren Menge an Rädern allerdings mehrere Wochen dauern, meint die Polizei.

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  • Mit 15 Lastwagen wurde das mutmaßliche Diebesgut abtransportiert.

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Schwierige Zuordnung

Nun stehen die Beamten allerdings vor einer „Sisyphusarbeit”. Zill vermutet, dass allein der Abtransport der Fahrräder in eine Lagerhalle der Polizei bis zu zwei Tagen dauern wird. Dann müssten die Räder gesichtet, untersucht und katalogisiert werden. Das könne mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die Polizei müsse sich noch überlegen, wie sie die Fahrräder der Öffentlichkeit zur Schau stelle. Denn die rechtmäßigen Besitzer sollen ihr Eigentum möglichst bald zurückbekommen.

Münster ist die Stadt der Fahrraddiebe

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub lobt die Ermittler: „Das ist ein spektakulärer Erfolg für die Hamburger Polizei″, sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau. Mit einem Aufruf an seine Mitglieder will der Club bei der Zuordnung der Räder helfen. Dass die Diebstahlquote in Hamburg relativ hoch ist, sei jedem Clubmitglied bekannt. Alle Aktiven seien leidgeprüft. Wer täglich mit dem Fahrrad unterwegs sei, wisse, dass er sein Gefährt besonders gut sichern müsse.

Fünf Tipps gegen Fahrraddiebstahl

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  • Im Jahr 2015 hat die Polizei deutschlandweit mehr als 335.000 Fälle gezählt. Spitzenreiter - bei der Pro-Kopf-Quote - ist Münster mit 1719 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner.

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  • Die Aufklärungsquote ist gering - der Ärger bei den Betroffenen sowie der Aufwand für den Kauf eines neuen Rades und den Schriftwechsel mit der Versicherung hingegen sind oft groß. Mit den richtigen Maßnahmen können Fahrradbesitzer Dieben die Straftat erschweren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Schlosshersteller Abus und Trelock geben diese Tipps zur Vorbeugung:

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  • Abschreckung: Schon der Anblick massiver, schwerer Schlösser kann Diebe abschrecken. Denn diese wollen schnell zum Erfolg kommen, leicht knackbare Modelle ziehen sie an. Ein dünnes Spiralkabelschloss dagegen leistet nur wenig Widerstand: Es ist schnell durchgetrennt, je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug.

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  • Qualität: Rund zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man für das Schloss ausgeben. In Städten mit vielen Fahrraddiebstählen kann es sinnvoll sein, auch günstige Räder mit eher teuren Schlössern zu sichern.

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  • Flexibilität: Panzerkabel-, Ketten- und Faltschlösser sind nicht nur massiv, sondern auch flexibel. Beim Anschließen des Rades lassen sie sich auch um etwas voluminösere Gegenstände wickeln. Das geht bei Bügelschlössern oft nur bedingt. Diese starren Schlösser in U-Form gelten dafür im Allgemeinen als widerstandsfähigster Schutz.

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  • Transport: Ein Schloss hilft Radlern nur dann, wenn man es stets dabei hat. Beim Kauf von Bügelschlössern sollte man das Rad mitnehmen, um zu sehen, welche Halterung passt. Denn sehr schwere Schlösser immer im Rucksack zu transportieren, kann mühsam sein.

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  • Technik: Diebe dürfen das Rad nicht wegtragen können - denn an sicheren Orten knacken sie auch sehr robuste Schlösser. Idealerweise wird das Schloss um das Oberrohr des Fahrrads und zugleich um einen verankerten Gegenstand wie einen Fahrradständer oder Laternenpfahl gewickelt. Liegt das Schloss dagegen auf dem Boden, bietet das Dieben manchmal einen besseren Hebel: Sie können zum Beispiel einen Bolzenschneider auf der einen Seite ablegen und mit beiden Händen den anderen Griff umfassen. In geschlossenen Räumen wie Kellern und Garagen sind Räder besonders sicher. Auch dort schließt man sie aber besser an, falls es Dieben gelingt, sich Zugang zu verschaffen.

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Laut ADFC haben Deutschlands Stadtstaaten im Vergleich der Bundesländer die höchsten Diebstahlquoten: Hamburg und Berlin liegen ganz vorn mit je über 800 Fahrraddiebstählen je 100.000 Einwohner.

Beim Städte-Ranking liegt hingegen Münster deutlich vorne: Mit 1719 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohnern im Jahr 2015 erreicht die „Fahrradhauptstadt″ einen unrühmlichen Spitzenplatz. Und die Zahl der Fahrrad-Diebstähle ist 2016 sogar noch gestiegen.

Kriminalität Münster 2016

Die Zahl der Einbrüche und Fahrraddiebstähle ist in Münster im vergangenen Jahr gestiegen. Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

„Jeder dritte Diebstahl und jede sechste Straftat betrifft in Münster das Fahrrad″, sagte Polizeipräsident Hajo Kuhlisch bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik im März . Die Aufklärungsquote liegt bei mageren sieben Prozent. Gut möglich, dass sie durch den Fund in Hamburg etwas aufpoliert wird.

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