Berliner Fashion Week
Jung, bunt und anders

Berlin -

Umbruch in Berlin: Seitdem Mercedes Benz vor wenigen Tagen erklärt hat, sich nach zehn Jahren als millionenschwerer Hauptsponsor von der Fashion Week zurückzuziehen, herrscht Trotz in der Stadt.

Donnerstag, 06.07.2017, 08:07 Uhr

Oben brav  und zugeknöpft, unten nur ein angedeutetes Röckchen: Das Label „Riani“ liebt es kontrastreich.
Oben brav  und zugeknöpft, unten nur ein angedeutetes Röckchen: Das Label „Riani“ liebt es kontrastreich. Foto: dpa

Eben noch hat Iris Berben ihr Lächeln gelächelt, das eine in knappe weiße Spitze gekleidete Zuschauerin als „umwerfend alterslos“ bezeichnet. Eine Frage jedoch reicht, um die Schauspielerin sorgenvoll aussehen zu lassen. „Berlin steht vor einem Umbruch“, sagt sie im Vorfeld einer der meistbeachteten Shows in der Hauptstadt, der Modenschau von Marc Cain. Und weil die Frau, die eigentlich nur wissen wollte, weshalb Iris Berben eine Show besucht, reichlich ahnungslos wirkt, wird die Münchnerin konkreter. „Der Hauptsponsor zieht sich zurück. Da heißt es, sich für Berlin einzusetzen.“

Seitdem Mercedes Benz vor wenigen Tagen erklärt hat, sich nach zehn Jahren als millionenschwerer Hauptsponsor von der Berliner Fashion Week zurückzuziehen, herrscht Trotz in der Stadt. Der Konzern, sagen viele, habe das ganz eigene Wesen der Modewoche offenbar immer noch nicht verstanden. Mode in Berlin – das ist jung, bunt und anders. Und das verfolgt schon lange nicht mehr den Ehrgeiz, auf einer Klaviatur mit Paris und Mailand zu spielen.

Und überhaupt: Mercedes Benz ziehe sich ja gar nicht komplett zurück. Die Ankündigung des Konzerns, künftig gezielt junge Talente – wenn auch finanziell deutlich zurückhaltender – zu fördern: Das seit doch auch schon was. Von wegen, Berlin habe als Modestandort ausgesorgt – wer behauptet denn so was?

Berlin ohne die Fashion Week : Das wäre tatsächlich so, als würde man Jenny Elvers nötigen, sich auf der Stelle von ihrem Kleiderschrank zu trennen. Zweimal im Jahr bringen 200 000 zumeist auffällig gekleidete Fachbesucher Glamour in eine Stadt, in der sich der Alltagsschick normalerweise auf praktische Jeans-T-Shirt-Outfits beschränkt. Knapp 24 000 Menschen arbeiten in der Hauptstadt mit und für die Mode.

Fashion Week: Die Modepräsentationen der großen Labels auf der Fashion Week in Berlin

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  • Rebekka Ruetz

    Österreichische Designerin Rebekka Ruetz bei der Präsentation ihres Labels

  • "Rebekka Ruetz"

    Modepräsentation des Labels "Rebekka Ruetz"

  • Sophie Oemus

    Designerin Sophie Oemus bei der Präsentation ihres Labels "Maisonnoée"

  • "Maisonnoée"

    Modepräsentation des Labels "Maisonnoee"

  • "Edda Gimnes"

    Modepräsentation der Designerin Edda Gimnes bei der Show "Designer for Tomorrow"

  • Vanessa Schindler

    Modedesignerin Vanessa Schindler (vorne) mit den Models, die ihr Label präsentieren

  • "Vanessa Schindler"

    Das gute Wetter spielt Vanessa Schindler bei der Präsentation ihre Labels in die Hände

  • Atelier About

    Italienische Designer Gianpaolo Tucci (l.) und Gulio D'Alessio (r.)

  • "Atelier About"

    Modepräsentation des Labels "Atelier About"

  • "Marcel Ostertag"

    Ein Model präsentiert ein Outfit des Designers Marcel Ostertag

  • "Sadak"

    Die Modepräsentation des Labels "Sadak"

  • Motsi

    Zur Beginn der Modenschau tanzte Motsi Mabuse mit ihrem Ehemann

  • Ivan Mandzukic

    Modedesigner Ivan Mandzukic bei der Präsentation seines Labels "Ivanman"

  • "Ivanman"

    Models präsentieren das Label "Ivanman"

  • "Riani"

    Modepräsentation des Labels "Riani"

  • "Mike Galeli"

    Models präsentieren das Label des Designers Mike Galeli

  • "Philipp Brunner"

    Modepräsentation des Labels des Designers Philipp Brunner

  • Ewa Herzog

    Designerin Ewa Herzog bei der Präsentation ihres Labels

  • "Ewa Herzog"

    Modepräsentation des Labels "Ewa Herzog"

  • 'Anja Gockel

    Designerin Anja Gockel (r.) mit einem Model bei der Präsentation ihres Labels

  • "Anja Gockel"

    Modepräsentation des Labels "Anja Gockel"

  • Lena Hoschek

    Designerin Lena Hoschek konnte nicht selbst erscheinen, da sie schwanger ist. Das zeigte ein Model mit einem Plakat.

  • "Lena Hoschek"

    Modepräsentation des Labels "Lena Hoschek"

  • Promis

    Auch viele Prominente sind zur Fashion Week gekommen

  • Ionana Ciolacu Miron

    Designerin Ioana Ciolacu Miron bei der Modepräsentation ihres Labels

  • "Ioana Ciolacu

    Models präsentieren das Modelabel "Ioana Ciolacu"

  • Danny Reinke

    Modedesigner Danny Reinke bei der Präsentation seines Labels

  • "Danny Reinke"

    Modepräsentation des Labels "Danny Reinke"

  • "Sportalm"

    Tänzerinnen präsentieren Kreationen des Labels "Sportalm"

  • Sportalm

    Tochter von Topmodel Nadja Auermann, Cosima Auermann (l.), und Chefdesignerin Ulli Ehrlich (r.) von Sportalm

  • "Antonia Goy"

    Die Modepräsentation des Labels Antonia Goy

  •  Malaika Raiss

    Die Designerin Malaika Raiss bei der Präsentation ihres Labels

  • "Malaikaraiss"

    Die Modepräsentation des Labels "Malaikaraiss"

  • Cover

    Vom 4. bis 7. Juli 2017 findet die Fashion Week in Berlin statt. Die Modeszene richtet ihre Blicke auf die Hauptstadt.

Designlabels wie Ivanman sind erst durch die Fashion Week zumindest Teilen der Nation ein Begriff geworden. Und längst eta­blierte Modemacher wie Marc Cain, Dorothee Schumacher, Guido Maria Kretschmer und Anja Gockel versäumen kaum eine Auflage der Fashion Week, um in Berlin zu zeigen, dass Mode aus Deutschland jung, lässig und innovativ ist. Die Showstandorte, die der Hauptveranstalter IMG wählt, finden allerdings nicht immer ihren Beifall.

Anja Gockel hat das frühere Kaufhaus Jandorf besucht, das mit seinem blätternden Putz und kratergezeichneten Decken in hippen Kreisen als Inbegriff von „Verfall trifft Glamour“ gilt. Ein kurzer Blick reichte, um schleunigst wieder dem elegant-gediegenen Hotel Adlon den Vorzug zu geben. Wer, wie sie sagt, „alle Teile in die Luft geworfen hat, um sie am Boden neu zu sortieren“, der braucht einen anderen Rahmen als ein „Immerhin-steht-es-noch-Gebäude“.

Traurig wäre auch der Mann, der seit zehn Jahren zweimal in Jahr nach Berlin reist, um sich am Anblick der Schauspielerinnen und Models zu erfreuen. „Er liebt das einfach auf eine harmlose Weise“, erklärt seine Nichte mit einem Seitenblick auf ihren lächelnden Onkel. „Wenn es keine Fashion Week mehr gäbe – das wäre schrecklich für ihn.“

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