Exportmarkt
Landwirte wegen Afrikanischer Schweinepest in großer Sorge

Münster -

„Wenn in Deutschland ein einziges Wildschwein gefunden wird, das mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert ist, bricht in Deutschland der gesamte Exportmarkt auf einen Schlag komplett zusammen“, ist Hans-Heinrich Berghorn, Pressesprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) überzeugt. „Das wäre ein Desaster für die gesamte Branche.“

Mittwoch, 20.12.2017, 06:12 Uhr

Wildschweine – vor allem aus Osteuropa – gelten als Hauptüberträger der Afrikanischen Schweinepest.
Wildschweine – vor allem aus Osteuropa – gelten als Hauptüberträger der Afrikanischen Schweinepest. Foto: dpa

Rund 40 Prozent der hierzulande erzeugten Schweine werden derzeit exportiert, sagt Berghorn . Kein Land auf der Welt würde die Tiere nach dem Auftreten der Schweinepest mehr abnehmen. In Russland, Tschechien und Polen ist die Krankheit bereits aufgetreten. In Polen wurden zuletzt Mitte November westlich von Warschau vier etwa einjährige Wildschweine tot aufgefunden. Bei allen Tieren wurde das ASP-Virus nachgewiesen. Die Zahl der Fälle beziehungsweise Ausbrüche in Osteuropa habe sich innerhalb von drei Jahren von 300 auf mehr als 3000 erhöht.

„Die Krankheit kommt Deutschland immer näher“, warnt Berghorn. Die Landwirte seien bereits in größter Sorge. Für Menschen besteht keine Gefahr, das Virus befalle ausschließlich Schweine, erklärt Berghorn. Als Überträger der Krankheit gelten in erster Linie Wildschweine.

Jäger in die Pflicht nehmen

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist außerordentlich widerstandsfähig, teilt das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. „Nicht nur frisches, sondern auch gefrorenes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch sowie Wurstwaren können für Haus- und Wildschweine über lange Zeit infektiös sein.“ Um ein Einschleppen von Tierseuchen zu verhindern, sei das Mitbringen von Fleisch, Fleischerzeugnissen und Milch aus Nicht-EU-Ländern untersagt.“ An Park- und Rastplätzen – vor allem im öst­lichen Teil Deutschlands – ­seien deshalb Warnhinweise angebracht worden, damit insbesondere Lkw-Fahrer Lebensmittelreste nur in fest verschlossenen Müllbehältern entsorgen.

„Zudem muss das Ein­wandern von infizierten Wildschweinen aus östlichen Ländern verhindert werden“, erläutert Berghorn eine weitere Maßnahme. Dafür müssten Jäger deutlich mehr als bisher in die Pflicht genommen werden. Aus Sicht des WLV müssten erheblich mehr Wildschweine geschossen werden. Seiner Ansicht nach sei es erforderlich, schon jetzt vorbeugend den Bestand um 70 bis 80 Prozent zu reduzieren. Jäger und Landwirte müssten in dieser Sache gemeinsam agieren, sagt Marlies Grüter, Sprecherin des WLV im Kreis Steinfurt.

Bund und Länder haben sich inzwischen mit Krisenübungen und Notfallplänen auf einen Ausbruch der ­Afrikanischen Schweinepest vorbereitet. Alle Staaten, die das Virus getroffen habe, ­seien den Erreger trotz Bekämpfung bisher nicht losgeworden, sagte der Leiter des Instituts für Virus­diagnostik am Friedrich- ­Loeffler-Institut (FLI), Martin Beer, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Das Virus hat sich bislang nicht totgelaufen.“ Ein Impfstoff sei nicht in Sicht.

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