Ein Stück vom Glück
Der Talisman gibt in schwierigen Situationen Halt

Er baumelt am Schlüsselbund, klimpert in unserem Portemonnaie, oder hängt an einer Kette um den Hals – unser tagtäglicher Begleiter und Beschützer, der uns nebenbei auch noch etwas Glück bringen soll. „Glücksbringer sind wie ein Geländer an einer Hängebrücke: Es geht auch ohne, aber mit ist es viel einfacher“, sagt Patricia Dill aus Everswinkel. Sie ist Psychotherapeutin und spezialisiert auf die sogenannte „positive Psychologie“. Dill beschäftigt sich also damit, was Menschen gesund und glücklich macht.

Sonntag, 01.04.2018, 11:04 Uhr

Glücks-Expertin:Psychologin Patricia Dill privat
Liebe Gewohnheiten, Schokolade, unser Umfeld:Vieles kann dazu beitragen, dass wir glücklich sind. Halt wie das Geländer einer Hängebrücke können Glücksbringer geben. Foto: Stefanie Meier

Vieles kann dazu beitragen, dass wir glücklich sind: Schokolade, die Menschen in unserem Umfeld und unsere geliebten Gewohnheiten und Rituale. Und auch unsere Glücksbringer. Klassische Glückssymbole sind der Marienkäfer, vierblättrige Kleeblätter, Hufeisen, Glücksschweinchen, Fliegenpilze und Schornsteinfeger. Es können aber auch Alltagsgegenstände sein wie Schlüsselanhänger, Schmuckstücke oder Kuscheltiere.

„Glücksbringer haben den Effekt, dass sie uns in stressigen Situationen beruhigen. Sie erinnern uns an gemeisterte ­Situationen, an unsere Fähigkeiten und daran, dass wir die Hürde meistern können“, erklärt Dill . Glücksbringer stabilisieren uns, geben Hoffnung und versetzen uns in einen positiven inneren Zustand, weil sie schon einige schwierige Situationen mit dem Besitzer durchgestanden und ausgehalten haben.

Positive Bilder

Wir rufen uns das Gefühl zurück ins ­Gedächtnis, wie es war und wie es sich angefühlt hat, wenn alles gut geht. „Damit entwickeln wir ein positives Bild in unserem Kopf, und dies wiederum erhöht die Chancen darauf, dass sich tatsächlich alles zum Besten entwickelt“, meint die Glücksexpertin.

Patricia Dill, P

Glücks-Expertin: Psychologin Patricia Dill Foto: privat

Kleinen Kindern gebe man klassisch einen Schnuller, ein Schmuse­tuch oder ein Kuscheltier zur Beruhigung. Psychologen nennen dies Übergangsobjekte, weil sie davon ausgehen, dass das Kind irgendwann so viel Vertrauen in seine Fähigkeiten hat, dass es diese Hilfsmittel nicht mehr braucht. Diese Übergangsobjekte haben den selben Effekt wie ein Glücksbringer.

Gegen Hilflosigkeit

Zu besonderen Anlässen wie der Abiturprüfung, zum Einzug oder zur Hochzeit sind Talismane beliebte Geschenke. Sie erinnern uns stets an diesen Menschen, der ihn uns geschenkt hat. „Wir nehmen ihn mit, stellen ihn auf und schauen immer wieder darauf und fühlen uns besser, sicherer und zuversichtlicher“, so Dill.

Glücksbringer sind wie ein Geländer an einer Hängebrücke.

Patricia Dill, Psychotherapeutin

Durch diesen Begleiter haben Menschen das Gefühl, Situationen positiv beeinflussen zu können. Das vermittelt ein Gefühl von Handhabbarkeit und trägt zum Glücklichsein bei. Laut Dill gibt es nichts Schlimmeres für Menschen als das Gefühl von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. „Ich trage immer Haargummis um mein Hand­gelenk, damit ich mir die Haare zusammenbinden kann, wenn es nötig ist. Das ver­mittelt mir dieses Gefühl von Handhabbarkeit. Ob es Glück bringt, weiß ich nicht“, gibt die Psychotherapeutin zu.

Gewohnheiten

Also sind es zum Teil auch Gewohnheiten, die zu un­serem Wohlbefinden bei­tragen: Wie zum Beispiel das Ritual, morgens immer mit dem rechten Fuß aufstehen. Oder stets zu ­Prüfungen die geringelten Glückssocken tragen.

Der englische Forscher Richard Wiseman hat jedoch herausgefunden, dass Menschen mehr Glück haben, wenn sie ihre Gewohnheiten durchbrechen und Dinge tun, die sie sonst nicht tun. Zum Beispiel einen anderen Heimweg nehmen, die Zähne mit der linken anstatt mit der rechten Hand putzen oder auch mal woanders essen gehen als beim Lieblingsitaliener. „Dies öffnet unsere Wahrnehmung. Das Glück kann schließlich hinter jeder Ecke lauern“, erklärt Patricia Dill.

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