Kapitän in Gewahrsam
Festnahmen nach Fährunglück in Tansania

Über 200 Menschen sterben bei einem Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania. Nach der Katastrophe stellt sich heraus: Der Kapitän war nicht an Bord und hatte das Ruder einem Laien überlassen.

Samstag, 22.09.2018, 16:42 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 22.09.2018, 16:39 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 22.09.2018, 16:42 Uhr
Das brechend volle Schiff «MV Nyerere» war auf dem größten See Afrikas von Bugolora auf der Insel Ukerewe zur Nachbarinsel Ukara unterwegs.
Das brechend volle Schiff «MV Nyerere» war auf dem größten See Afrikas von Bugolora auf der Insel Ukerewe zur Nachbarinsel Ukara unterwegs. Foto: Mteule Gosberth Kahangile

Daressalam (dpa) - Nach dem verheerenden Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania mit mehr als 200 Toten hat Präsident John Magufuli die Festnahme der Verantwortlichen angeordnet.

Als erster wurde nach einem Bericht der Zeitung «The Citizen» der Kapitän der Unglücksfähre in Gewahrsam genommen, der sich nach Angaben des Staatschefs zum Zeitpunkt des Kenterns nicht an Bord befunden hatte.

Der Kapitän habe das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe. Als Hauptgrund für das Unglück nannte Magufuli die Überladung der Fähre.

Das brechend volle Schiff «MV Nyerere» war am Donnerstag auf dem größten See Afrikas von Bugolora auf der Insel Ukerewe zur Nachbarinsel Ukara unterwegs. Die Fähre sei nur wenige Meter von der Anlegestelle entfernt gekentert, hieß es von der Behörde, die für die Fähren in Tansania zuständig ist.

Zwei Tage nach dem Unglück wurde ein Überlebender gefunden, sagte Verkehrsminister Isack Kamwelwe der Deutschen Presse-Agentur. Es handele sich um einen Ingenieur der Fähre, er sei in kritischem Zustand. Bis Samstagnachmittag konnten 209 Todesopfer geborgen werden, wie Kamwelwe mitteilte. Die Behörden gingen davon aus, dass sich im Rumpf noch Leichen befinden. Nach ersten Schätzungen waren mehr als 300 Menschen an Bord, die exakte Zahl war aber zunächst nicht bekannt. Rund 100 Menschen wurden am Donnerstag gerettet.

Um der Opfer zu gedenken, ordnete Magufuli eine dreitägige Staatstrauer an. Die Regierung Tansanias bot den Familien der Opfer 500 000 Tansania-Schilling (etwa 186 Euro) als Kompensation an, wie Regierungssprecherin Jenista Mhagama dem lokalen Sender sagte.

Die Rettungsarbeiten an der Fähre, die kieloben vor dem Ufer trieb, wurden von professionellen Tauchern unterstützt. Sie waren am Vormittag aus der Hafenstadt Daressalam sowie der Nachbarregion Mara am Victoriasee eingetroffen, wie John Mongella, der Regierungsvertreter in der Region Mwanza, sagte.

Die Fähre war 2014 in Auftrag gegeben und erst vor zwei Monaten renoviert worden, wie Regierungssprecher Hassan Abbas sagte. Unter anderem seien zwei neue Motoren eingebaut worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb an Magufuli: «Ich möchte Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern Tansanias meine aufrichtige Anteilnahme und mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken.»

Auch Papst Franziskus äußerte sich zutiefst traurig über die Katastrophe auf dem Victoriasee. Er drücke seine aufrichtige Solidarität mit denjenigen aus, die um ihre Liebsten trauern und um die noch vermissten Menschen bangen, teilte der Vatikan mit. UN-Generalsekretär António Guterres sprach den Angehörigen der Opfer, der Regierung und den Bürgern des Landes sein Beileid aus.

Der Victoriasee liegt in Tansania, Uganda und Kenia. Tödliche Unfälle kommen auf dem See sowie vor der Küste immer wieder vor. Oft sind Boote und Fähren überfüllt, außerdem können Unwetter zu derartigen Unglücken führen.

2012 etwa war eine Fähre auf dem Weg vom Festland Tansanias zur Tropeninsel Sansibar gesunken, dabei ertranken mindestens 100 Menschen. Im Vorjahr waren mehr als 160 Menschen bei einem Fährunglück vor der Küste von Sansibar gestorben.

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