Schwelbrand nach Raketentest
Kein Ende im Kampf gegen den Moorbrand

Meppen -

Der Moorbrand im Emsland dauert auch am Wochenende an. Mehr als 1000 Einsatzkräfte versuchen, die Flammen auf einem Bundeswehrgelände einzudämmen. Das nun regnerische Wetter spielt mit, so dass sich die Lage leicht entspannt.

Montag, 24.09.2018, 10:19 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 24.09.2018, 10:15 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 24.09.2018, 10:19 Uhr
Das brennende Moor auf dem Bundeswehr-Testgelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91).
Das brennende Moor auf dem Bundeswehr-Testgelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91). Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Auch drei Wochen nach Ausbruch des Moorbrandes auf einem Bundeswehrgelände im Emsland ist ein Ende des Großeinsatzes gegen Rauch und Flammen nicht in Sicht.

Vor Ort sei die Lage aber entspannt, sagte ein Sprecher der Bundeswehr am Montag. „Wir haben jetzt die vierte ruhige Nacht in Folge erlebt.“ Die oberirdischen Feuer seien durch die Löscharbeiten und den Regen mittlerweile erloschen, allerdings gebe es noch unzählige unterirdische Glutnester.

Raketen aus Hubschrauber setzten Moor in Brand

Der am Freitag vom Landkreis ausgerufene Katastrophenfall dauerte daher an. „Es gibt keine Prognose, wie lange noch“, betonte ein Sprecher des Landkreises am Sonntag. Mit Evakuierungen von Ortschaften nahe dem Gelände sei derzeit aber nicht mehr zu rechnen. Die Bundeswehr teilte mit, dass die Lage „weiter stabil und das Feuer unter Kontrolle“ seien. Der Regen verhindere Rauchentwicklungen. Am Sonntag kämpften der Bundeswehr zufolge mehr als 1300 Einsatzkräfte gegen die Feuer.  

Der Moorbrand schwelt seit rund drei Wochen. Er war auf dem Übungsgelände ausgebrochen, als von einem Kampfhubschrauber des Typs Tiger aus Raketen abgefeuert wurden. Nach Bundeswehrangaben hat der Brand zwischenzeitlich eine 800 Hektar große Fläche erfasst.

Von der Leyen räumt Fehler ein

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) besuchte am Samstag die Region und räumte Fehler der Bundeswehr ein. Zudem entschuldigte sie sich bei Anwohnern. Von der Leyen betonte, die Bundeswehr wolle den Fall aufarbeiten und über die Ergebnisse auch mit den Menschen im Emsland sprechen.

Moorbrand auf Bundeswehrgelände

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  • Seit mehr als zwei Wochen schwelt auf einem Moorgebiet bei Meppen ein Feuer. Mit Schläuchen bewässert die Feuerwehr die Gegend um den Brand, um das Feuer zu stoppen.

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam
  • Die Bundeswehr hatte Anfang September auf ihrem Waffentestgelände bei Meppen Raketen von einem Hubschrauber abgefeuert. Dabei geriet der Moorboden in Brand.

    Foto: Bundeswehr/dpa
  • Der Wind trug den Rauch kilometerweit in die Umgebung.

    Foto: dpa
  • Einsatzkräfte der Feuerwehr bewässern den Straßenrand nahe dem Moorbrand auf dem Bundeswehr-Testgelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91).

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam
  • Normalerweise löscht die Bundeswehr solche Feuer sofort mit Spezialfahrzeugen, die auf dem Moorboden fahren können. Eine Löschraupe fiel allerdings kurzfristig aus, die andere stand in der Werkstatt.

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam
  • Stephan Weil (SPD, l), Ministerpräsident von Niedersachsen, und Bernd Althusmann (CDU, 2.v.l.), Wirtschaftsminister von Niedersachsen, machen sich mit Oberst Thomas Groeters, Kommandeur des Spezialpionierregiments 164, ein Bild vom Moorbrand auf dem Bundeswehr-Testgelände.

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam
  • Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich bei den Anwohnern entschuldigt - und eingeräumt, dass der Brand nicht solche Ausmaße angenommen hätte, wenn die Bundeswehr früher um externe Hilfe gebeten hätte.

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam
  • Zudem sei es womöglich ein Fehler gewesen, die Rakete während der außergewöhnlichen Hitzeperiode zu testen.

    Foto: WTD 91
  • Behörden klären derzeit, ob sich jemand strafbar gemacht hat - die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt. Einem Sprecher zufolge könnten fahrlässige Brandstiftung oder Umweltdelikte vorliegen.

    Foto: Stephan Konjer
  • Die Löscharbeiten sind langwierig und kraftraubend. Das Technische Hilfswerk (THW) hat in Groß Stavern ein Wasserbecken aufgebaut, dessen Wasser zur Einsatzstelle der Feuerwehr beim Moorbrand gepumpt wird.

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam
  • Wenn es nicht genug regnet, kann der Brand bei Meppen in Niedersachsen noch Wochen dauern.

    Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Am Wochenende waren Feuerwehren aus ganz Nordwestniedersachsen im Einsatz. Die Bundeswehr bekämpfte den Brand zudem mit einem Tornado-Jet. Der Flieger sollte Wärmebildaufnahmen des Moorgebietes liefern, um Glutnester im Boden zu sichten. Die Bilder würden weiter ausgewertet, hieß es am Montag. Auch ein mobiler Einsatzwagen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) war wegen des Moorbrandes im Einsatz. Experten können darin genommene Proben direkt vor Ort auf giftige Brandrückstände analysieren.

„Keine akute Gesundheitsgefährdung”

Der Landkreis Emsland teilte am Samstag mit, Messungen hätten ergeben, dass „keine akute Gesundheitsgefährdung“ durch die Rauchentwicklung vor Ort bestehe. „Natürlich gibt es nach wie vor Geruchsbelästigungen, und auch die emotionale Belastung für die Anwohner vor Ort ist weiter hoch. Aber eine Grenzwertüberschreitung wurde nicht ermittelt“, betonte Landrat Reinhard Winter.

Am Montag soll sich der Umweltausschuss des Landtags in Hannover mit dem Brand beschäftigen. Die Landesregierung will die Mitglieder des Gremiums über den Fortgang der Löscharbeiten informieren.

Ermittlungen wegen fahrlässigen Brandstiftung

Der Fall beschäftigt derweil auch die Justiz: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung gegen Unbekannt. Am Freitag wurde deshalb das Gelände durchsucht. Die Durchsuchungen seien in Zusammenarbeit mit dem Leiter der Wehrtechnischen Dienststelle 91 vorgenommen worden. Alle angeforderten Unterlagen seien übergeben worden. 

Ziel der Durchsuchungen sei es gewesen, unter anderem Datenträger und Protokolle sicherzustellen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Unterlagen sollten Aufschluss darüber geben, wie genau die Schießübung abgelaufen ist und ob es dabei Verstöße gegen brandschutzrechtliche Schutzvorschriften gegeben haben könnte. Zu möglichen Erkenntnissen machten die Ermittler keine Angaben.

Glutnester unter der Oberfläche

Die Bekämpfung eines Moorbrandes ist besonders schwierig, weil der Brand auch unter der Oberfläche wüten kann. Dass es bei Meppen überhaupt zu einem derart hartnäckigen Brand kommen konnte, hängt nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde damit zusammen, dass es sich um ein entwässertes Moor handelt. Dazu seien die oberen Torfschichten nach dem heißen und trockenen Sommer vollkommen ausgetrocknet.

Fragen und Antworten zum Moorbrand

Wie lange können die Löscharbeiten noch dauern?

Wenn es nicht genug regnet, kann der Brand bei Meppen in Niedersachsen noch Wochen dauern. Die Regenfälle vom Wochenende haben die Situation nur leicht verbessert. Geholfen hat auch, dass zunächst starker Wind ausblieb. Er hätte das Feuer nochmals anfachen können. Die Bundeswehr setzt zudem neue Mittel ein, die das Löschen erleichtern sollen: Ein Tornado-Aufklärungsjet flog am Wochenende über das Gebiet. Mittels Infrarottechnik sollen die unterirdischen Brandnester so genau wie möglich lokalisiert werden.

Warum ist das Feuer so schwer zu löschen?

Wegen einer technischen Panne war eine Löschraupe nicht schnell genug einsatzfähig, was wertvolle Zeit kostete. Das eigentliche Problem ist aber, dass es sich um einen unterirdischen Schwelbrand im Torf handelt, der bis zu acht Meter tief reichen kann. Außerdem ist es ein entwässertes Moor - und nach dem heißen Sommer völlig trocken. Die Helfer versuchen, die Brandnester durch ein Fluten der Fläche mit Wasser zu löschen. Dabei ergibt sich ein weiteres Problem: Die Fläche ist übersät mit Munitionsresten, was den Zugang zu den Brandarealen erschwert.

Wie kam es zu dem großen Feuer?

Die Bundeswehr hatte Anfang September auf ihrem Waffentestgelände bei Meppen Raketen von einem Hubschrauber abgefeuert. Dabei geriet der Moorboden in Brand. Normalerweise löscht die Bundeswehr solche Feuer sofort mit Spezialfahrzeugen, die auf dem Moorboden fahren können. Eine Löschraupe fiel allerdings kurzfristig aus, die andere stand in der Werkstatt. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), sieht in dem Vorfall einen Hinweis auf große Mängel bei der Bundeswehr. Die Ausrüstung sei teils marode.

Wer trägt die Schuld an dem Moorbrand?

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich bei den Anwohnern entschuldigt - und eingeräumt, dass der Brand nicht solche Ausmaße angenommen hätte, wenn die Bundeswehr früher um externe Hilfe gebeten hätte. Zudem sei es womöglich ein Fehler gewesen, die Rakete während der außergewöhnlichen Hitzeperiode zu testen. Behörden klären derzeit, ob sich jemand strafbar gemacht hat - die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt. Einem Sprecher zufolge könnten fahrlässige Brandstiftung oder Umweltdelikte vorliegen.

Sind Feuer und Rauch eine Gefahr für die Anwohner?

Mit Evakuierungen von Ortschaften wegen Funkenflugs wird derzeit nicht mehr gerechnet. Die angrenzenden Orte Stavern und Sögel waren aber zeitweise stark von Rauch betroffen. Mediziner haben vor Gesundheitsgefahren aufgrund des Rauchs und der Feinstaubbelastung gewarnt. Patienten mit Lungenerkrankung könnten Probleme bekommen. Auch das Risiko bei Herz-Kreislauf-Beschwerden steige. Inzwischen sind erste Luftmessungen erfolgt. Eine Überschreitung von Grenzwerten bei Kohlenmonoxid wurde bislang nicht ermittelt. Allerdings schwankt die Belastung wegen des wechselnden Windes sehr stark.

Werden Umwelt und Klima geschädigt?

Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland sind bereits mehr als 500.000 Tonnen Kohlendioxid durch den Moorbrand freigesetzt worden. Ungezählte Insekten und Reptilien seien dem Brand zum Opfer gefallen. Die Belastung der Menschen in angrenzenden Ortschaften und der Einsatzkräfte durch den Rauch sei hoch.

Hat der Brand Konsequenzen?

Die Informationspolitik der Bundeswehr wurde zunächst scharf kritisiert. In den vergangenen Tagen gingen die Streitkräfte deutlich offener mit der Situation um. Niedersachsens Grüne fordern, Waffentests auf dem Gelände bei Meppen für unbestimmte Zeit auszusetzen. Zudem dringen sie auf Umweltkompensationen für den Schaden, den das Militär angerichtet hat.

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