Staat erwartet Vorteile
Zweites Land nach Uruguay: Kanada legalisiert Marihuana

In den Niederlanden, Uruguay und mehreren US-Bundesstaaten kommen Kiffer schon jetzt auf ihre Kosten. Nun zieht Kanada mit und erklärt Marihuana landesweit für legal. Investoren wittern ein dickes Geschäft, doch Ärzte warnen vor gesundheitlichen Risiken.

Mittwoch, 17.10.2018, 18:28 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 18:26 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 18:28 Uhr
Jetzt legal: Menschen rauchen Cannabis auf einer Straße in Toronto.
Jetzt legal: Menschen rauchen Cannabis auf einer Straße in Toronto. Foto: Chris Young

Ottawa (dpa) - Als zweites Land der Welt nach Uruguay hat Kanada den Anbau und Verkauf von Marihuana landesweit für legal erklärt. Die neue Regelung trat in der Nacht zum Mittwoch in Kraft.

Je nach Wohnort dürfen Erwachsene ab 18 oder 19 Jahren damit bis zu 30 Gramm Marihuana kaufen, bei sich haben und rauchen. Auch der private Anbau für den persönlichen Gebrauch ist in den meisten Regionen erlaubt.

«Bis heute war der Cannabis-Markt ausschließlich in Händen des organisierten Verbrechens», sagte Kanadas Minister für Grenzsicherheit und Kriminalität, Bill Blair. Erwachsene könnten die Droge nun sicherer konsumieren, zugleich würden Kinder und Jugendliche mit dem neuen System besser geschützt. Die Ein- und Ausfuhr sei weiterhin verboten. Darauf werde an der Grenze zu den USA auch ausdrücklich mit Plakaten hingewiesen.

2014 hatte das südamerikanische Uruguay als weltweit erster Staat den Anbau und Verkauf von Cannabis unter staatlicher Kontrolle erlaubt. In einigen anderen Ländern wie den Niederlanden werden Anbau und Verkauf teils geduldet, in anderen wie beispielsweise Malaysia jedoch hart bestraft. Auch in mehreren US-Bundesstaaten sind Handel und Konsum inzwischen legal. In Deutschland gelten Cannabis-Produkte als illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten.

Im kanadischen Montreal hatten sich Händler seit Monaten auf den Schritt vorbereitet. In einem Geschäft stehen dort nun Marihuana-Sorten mit Namen wie «Tangerine Dream», «Great White Shark» und «Banana Split» im Regal. «Wir sind sehr bereit», sagte Jean-Francois Bergeron, Vizepräsident des zuständigen Spirituosen-Rats in der Provinz Quebec. In dem staatlich geführten Geschäft sollen ihm zufolge demnächst bis zu 180 Cannabis-Produkte verfügbar sein, darunter Öle, Pillen und fertig gerollte Joints.

Premierminister Justin Trudeau hatte die Legalisierung vor knapp drei Jahren zu einem seiner zentralen Wahlversprechen gemacht. Cannabis ist in Kanada zu medizinischen Zwecken seit 2001 legal. Investoren wittern das Geschäft mit «Pot», während Kritiker vor gesundheitlichen Risiken warnen. Die Ärztevereinigung CMA hatte die Gesetzgebung als «landesweites, unkontrolliertes Experiment» bezeichnet.

Menschen, die wegen des Besitzes von Kanada verurteilt wurden, sollen die Einträge aus dem Strafregister künftig auch leichter entfernen lassen können. Sofern sie ihre Strafe abgesessen haben, können sie nun ohne die übliche Wartezeit und kostenlos beantragen, dass der Eintrag entfernt wird. Ziel sei, das «Stigma» zu entfernen, sagte Ralph Edward Goodale, Minister für öffentliche Sicherheit.

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