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So ticken Deutschlands Senioren

Rente kassieren und die Beine hochlegen? Wer sich so den Alltag deutscher Senioren vorstellt, liegt falsch. Die Generation ab 65 ist dynamischer als jemals zuvor.

Donnerstag, 18.10.2018, 16:34 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 16:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 18.10.2018, 16:34 Uhr
Studierende des Seniorenkollegs an der Universität Magdeburg.
Studierende des Seniorenkollegs an der Universität Magdeburg. Foto: Jens Wolf

Berlin (dpa) - Die Senioren in Deutschland sind heute deutlich aktiver als noch vor einigen Jahren. Die Zahl der Arbeitenden im Rentenalter hat sich mehr als verdoppelt und auch die Anmeldungen an Hochschulen und in Kursen stiegen deutlich an.

«Ältere Menschen sind heute so aktiv wie nie», sagte der Leiter des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung aktueller Zahlen zur Generation ab 65.

Im vergangenen Jahr waren der Statistik zufolge 16,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig. 2007 waren es lediglich 7,1 Prozent - also weniger als die Hälfte. Unter den Männern war der Anteil der Arbeitenden in dieser Altersgruppe mit 20,2 Prozent deutlich höher als unter den Frauen (12,3 Prozent). Da es für Selbstständige kein festes Renteneintrittsalter gibt, sind sie unter den älteren Arbeitenden besonders stark vertreten. 2017 war rund ein Drittel der Erwerbstätigen zwischen 65 und 74 selbstständig. In der Altersgruppe darunter machten sie nur 13 Prozent aus.

Claudia Vogel vom Deutschen Zentrum für Altersfragen sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Das sind zum Großteil Menschen, die noch arbeiten wollen und das auch können.» Sie leitet den regelmäßig durchgeführten Alterssurvey des Zentrums. Die letzte Erhebung aus dem Jahr 2014 fand heraus: Spaß an der Arbeit war mit großem Abstand der häufigste Grund, warum Menschen im Rentenalter noch arbeiteten (67 Prozent) - gefolgt am Interesse an anderen Menschen. Nur knapp 40 Prozent gaben an, aus finanziellen Gründen weiter zu arbeiten.

Doch nicht nur am Arbeitsplatz halten sich die Senioren fit: Zum vergangenen Wintersemester waren 14.900 Menschen ab 65 an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Weil der Anteil der Gasthörer insgesamt zurückging, erhöhte sich ihr Anteil auf 41 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es mit 12.800 Gasthörern noch 33 Prozent. Auch an Volkshochschulen steigen die Teilnehmerzahlen unter den Älteren. Eine wichtige Quelle für Informationen ist auch für Ältere mittlerweile das Internet: Im ersten Quartal 2017 war bereits jeder Zweite (50 Prozent) ab 65 Jahren in Deutschland online.

Vogel führt den aktiven Lebensstil vieler Senioren auf eine bessere Gesundheit und ein höheres Bildungsniveau zurück. Beides sei deutlich gestiegen. Und: «Es wird heute von der Gesellschaft stärker erwartet, dass man sich auch im Alter aktiv beteiligt», sagte die Forscherin.

Ende 2017 waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 17,7 Millionen Menschen in Deutschland 65 oder älter. Das ist mehr als jeder Fünfte. Klar ist: Es werden mehr - vor allem, wenn ab etwa 2020 die sogenannten Babyboomer in Rente gehen. Eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes geht davon aus, dass der Anteil der Senioren im Jahr 2060 bei 31 Prozent liegen wird - das wäre fast jeder Dritte.

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