Noch viele Vermisste
Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Gleich mehrere große Brände wälzen sich durch Kalifornien, vernichten Wälder, Häuser und Leben. Mehr als 30 Menschen sterben. Auch Häuser von Hollywood-Promis brennen. Während Tausende Einsatzkräfte kämpfen, wütet Präsident Trump gegen angebliches Forst-Missmanagement.

Montag, 12.11.2018, 17:24 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.11.2018, 17:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 12.11.2018, 17:24 Uhr
Das Haus ist weg, die Wendeltreppe steht noch, nachdem das «Camp Fire» zugeschlagen hatte.
Das Haus ist weg, die Wendeltreppe steht noch, nachdem das «Camp Fire» zugeschlagen hatte. Foto: John Locher

Los Angeles/San Francisco (dpa) - Gewaltige Brände im Norden und Süden Kaliforniens haben Hunderte Quadratkilometer Wald vernichtet und Tausende Häuser zerstört. Nach Angaben des kalifornischen Feuerwehrverbands CPF mussten rund 250.000 Menschen vor den Flammen fliehen.

Im Ort Paradise nördlich von Sacramento kamen laut der Polizei 29 Menschen ums Leben. Auch im südkalifornischen Malibu waren am Freitag zwei Menschen in einem Auto verbrannt.

In Paradise, wo das sogenannte «Camp»-Fire seit Donnerstag mehr als 6000 Häuser zerstörte, werden weiterhin viele Menschen vermisst. Die Behörden sprachen am Sonntag von 228 Personen. Vermutlich stehen aber auch Personen auf der Vermisstenliste, die sich bereits in Sicherheit bringen konnten. Chaotische Verhältnisse mit abgesperrten Straßen und ohne Telefonnetz erschwerten die Suche nach Angehörigen. Nach Angaben der Einsatzkräfte war das «Camp»-Feuer erst zu rund 25 Prozent eingedämmt.

Mehr als 8000 Feuerwehrleute kämpften am Wochenende weiter gegen drei große Brände im Norden und Süden des US-Westküstenstaats an. Fast 150.000 Menschen hätten ihre Häuser räumen müssen, teilte die Einsatzleitung im Bezirk Los Angeles mit.

Mit der Rückkehr der heftigen Santa-Ana-Winde blieb die Lage in Südkalifornien angespannt. Für den Promi-Ort Malibu und umliegende Gebiete waren Evakuierungsbefehle weiter in Kraft. Das sogenannte «Woolsey»-Feuer habe dort Dutzende Häuser vernichtet, hieß es. In anderen Ortschaften im Los Angeles County konnten die ersten Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Auch die Villen von Prominenten im hügeligen Umland von Los Angeles wurden nicht verschont. Das Anwesen von Moderator Thomas Gottschalk (68) und seiner Frau Thea in Malibu brannte ab. Auch deren Nachbarin, US-Popstar Miley Cyrus, verlor ihr Haus. «Meine Tiere und DIE LIEBE MEINES LEBENS haben es sicher herausgeschafft & das ist alles, was im Moment zählt», twitterte die 25-jährige Sängerin und dankte den Einsatzkräften. Hollywood-Star Gerard Butler und «Doctor Strange»-Regisseur Scott Derrickson verloren ebenfalls ihre Häuser. Butler veröffentlichte ein Foto auf Instagram, das ihn vor qualmenden Trümmern zeigt.

Bei anhaltender Trockenheit, Wärme und heftigen Winden sei eine baldige Entspannung der Lage nicht in Sicht, warnte die Feuerwehr am Sonntag. Es gab aber auch einen Lichtblick. Dank eines massiven Löscheinsatzes konnte einer der drei Großbrände - das sogenannte «Hill»-Feuer - zu 70 Prozent eingedämmt werden.

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown zeichnete am Sonntag ein düsteres Bild für seinen dürregeplagten Staat. Brown vertritt die Position zahlreicher Forscher, die den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen. «Dies ist nicht die neue Normalität, es ist die neue Abnormalität», sagte der Demokrat.

Brown forderte in Washington rasche Bundeshilfe für die Opfer der Feuerkatastrophe an. US-Präsident Donald Trump und der liberale Westküstenstaat sind oft auf Kollisionskurs. So hatte Trump mit Blick auf die jüngsten Brände den Behörden Missmanagement vorgeworfen und mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht. «Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement», schrieb Trump auf Twitter und holte weiter aus: Dem «groben Missmanagement» sei «sofort Abhilfe» zu schaffen oder es gebe «keine weiteren Zahlungen vom Bund.»

Gouverneur Brown wies diese Darstellung vehement zurück. Auch Kaliforniens Feuerwehrverband bezog am Montag erbost Stellung gegen Trump: Die Aussage des Präsidenten sei «fehlinformiert, schlecht getimt und demütigend sowohl für die, die leiden, als auch die Männer und Frauen an der Einsatzfront», erklärte der CPF. Die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten. Zudem seien große Teile der kalifornischen Wälder in privater Hand. Nicht Kalifornien, sondern die Bundesregierung selbst habe entschieden, der Forstverwaltung die Ressourcen so aus der Hand zu nehmen.

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