Abschied von Selbstverständlichkeiten
Muckefuck und Schnupftabak: Was vom Bergbau bleibt

Der Bergbau hat Spuren hinterlassen. Im Ruhrgebiet, in der Küche, in der Sprache. Doch was wird bleiben, was wird vergessen? Hier einige Selbstverständlichkeiten aus dem Kohlenpott, von denen Abschied genommen werden muss.

Sonntag, 16.12.2018, 10:14 Uhr aktualisiert: 16.12.2018, 12:24 Uhr
Abschied von Selbstverständlichkeiten: Muckefuck und Schnupftabak: Was vom Bergbau bleibt
Der Bergbau hat auf viele Weisen Spuren hinterlassen. Foto: Wilfried Gerharz

Das Mutterklötzchen

Damals, als die Streben noch mit Holzstempeln ausgebaut wurden, waren auch die Endstücke der Pfosten sehr beliebt. Noch unter Tage gespalten, zusammengebunden und mitgenommen. Zu Hause freute sich die Gattin oder die Mutter über das Anmachholz, über das "Mutterklötzchen". Manchmal brachten die Bergleute auch ein bisschen mehr mit und es reichte schon mal, um in harten Zeiten wenigstens die Küche ordentlich einzuheizen. Nicht immer war es Restholz. Diebstahl? Nach dem Krieg hatte der Kölner Kardinal Frings Verständnis für Kohlendiebe gezeigt. Fortan hieß das „Sammeln“ von Kohlebrocken direkt an der Zechenbahn schlicht „fringsen“. Unter die Absolution fiel wohl auch das Mitbringen der Mutterklötzchen.

Das Mutterklötzchen

Das Mutterklötzchen Foto: Wilfried Gerharz

Die Grubenlampen

Sie gehen weg wie anderswo die warmen Semmeln. Grubenlampen sind das weitaus beliebteste Andenken im Umfeld des deutschen Steinkohlebergbaus. Inzwischen kommen die Firmen schon nicht mehr mit dem Nachbau alter Modelle hinterher. Und echte Grubenlampen sind nur mit guten Beziehungen zu ergattern. Vielleicht, weil auch Menschen, die nie unter Tage waren, die Bedeutung der Lampen im Dunklen, die Sehnsucht der Kumpel nach einem bisschen Licht, nachvollziehen können. Hunderte von Metern unter der Oberfläche ist Licht wichtiger als alles andere. Schon im Steigerlied besingen die Bergleute die wichtigste Eigenschaft des Vorgesetzten: „Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezünd’t."

_GER4803

Licht war im Bergbau überlebenswichtig. Foto: Wilfried Gerharz

Der Schnupftabak

Westfälischer Kumpel und Bayerischer Bazi: Das Verhältnis ist kaum eine Seelenverwandtschaft. In einem aber sind sie sich sehr einig:  Ohne Schnupftabak geht nichts. Ob bayerischer Schmalzler oder englischer Snuff: Unter Tage war Schnupftabak wegen des rigiden Rauchverbots die einzige Chance, an eine kleine Ration Nikotin zu kommen. Gleichzeitig sorgte die Prise für ein befreiendes Niesen, das reichlich Kohlenstaub aus den Atemwegen beförderte. Und, nicht zu vergessen, das Schnupfen hatte eine beachtliche soziale Funktion. Man konnte einen Kumpel mal eben auf eine Prise einladen oder sich einladen lassen. Das feine Schnupfen von den Fingerspitzen hat sich unter Tage übrigens nicht durchgesetzt. Geschnupft wurde vom Handrücken.

Schnupftabak war unter Tage wichtig.

Schnupftabak war unter Tage wichtig. Foto: Wilfried Gerharz

Smartphone-Spiel zum Bergbau

Seit diesem Jahr ist Schluss mit dem Bergbau, es endet eine Ära. Der WDR hat deshalb das Smartphone-Spiel "Arschleder" entwickelt, mit dem die spannende Welt der Bergleute weiterleben soll. Ist die Figur in die Bergmann-Kleidung geschlüpft, geht es unter Tage. Dort warten auf den Spieler spannende Aufgaben. Das Spiel gibt es kostenlos im App Store von Apple und im Play-Store von Android.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6255811?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F202%2F
Endspurt im Einrichtungshaus: Höffner kurz vor der Neueröffnung
In der kommenden Woche wird der neue Höffner-Schriftzug mit Hilfe eines Autokrans an die Fassade gehängt. Ansonsten ist noch viel zu tun bis zur Neueröffnung zum 1. August. Die Tischler Markus Viertel und Volker Francke (kleines Foto) kümmern sich um den Kassenbereich.
Nachrichten-Ticker