Studie: Jedes dritte Kind macht sich Sorgen
Angst vor Mobbing und Gewalt in der Schule

Münster -

Genug zu essen, Platz zum Spielen und Zeit für Freunde haben in Deutschland nahezu alle Kinder zwischen acht und 14 Jahren. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die den Bedarf von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ermittelt. Große Probleme gibt es hingegen beim individuellen Sicherheitsempfinden an Schulen.

Dienstag, 19.02.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 20:29 Uhr
Ein Blick ins soziale Netzwerk kann verstörend wirken, wenn sich dort andere über einen lustig machen.
Ein Blick ins soziale Netzwerk kann verstörend wirken, wenn sich dort andere über einen lustig machen. Foto: Oliver Berg/dpa

►  Was bemängeln die Kinder und Jugendlichen?

Jeder dritte Haupt-, Sekundar- und Gesamtschüler fühlt sich unsicher an seiner Schule. Bei Realschülern ist es immerhin jeder vierte und an Grundschulen und Gymnasien knapp jeder fünfte. Fast jeder der Befragten hat Ausgrenzungserfahrungen gesammelt und Mobbing miterlebt – meist im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof. Zudem haben viele Heranwachsende Angst davor, auf dem Schulweg in unangenehme oder gefährliche Situationen zu geraten. Dabei ist ein Sicherheitsgefühl nicht nur ein zentraler Bestandteil des Wohlbefindens, sondern auch Grundlage für gute schulische Leistungen.

►  Hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verschärft?

„Subjektiv gefühlt nimmt Gewalt und die Bereitschaft, Gewalt auszuüben, in unserer Gesellschaft immer mehr zu. Konflikte eskalieren schneller, öfter und werden mit härteren Mitteln ausgetragen“, warnt der nordrhein-westfälische VBE-Vorsitzende Stefan Behlau . Stephan Kallaus, Schulsozialarbeiter an einer Sekundarschule im Münsterland, sieht hingegen keine Tendenz zu mehr Mobbing und Gewalt. „Früher gab es das auch schon. Da wurde es verdrängt oder ist nicht so offen aufgearbeitet worden. Durch Präventivmaßnahmen kommt heute viel mehr ans Licht und wird offen angesprochen. Die Zahlen aus der Umfrage der Bertelsmann-Stiftung überraschen mich.“

►  Wie hat sich Mobbing an Schulen verändert?

Durch neue Medien und soziale Netzwerke wie Whats­app, Facebook und Insta­gram hat sich die Schwelle für „Täter“ nach unten verschoben. Unter Synonymen und im Schutz der Anonymität des Netzes können Hetzkampagnen gegen Mitschüler leichter gestartet und schneller viral verbreitet werden. Ein großes Problem besteht darin, dass diskreditierende Nachrichten und Bilder meist noch Jahre später im Netz kursieren.

►  Welche präventiven Maßnahmen ergreifen Schulen?

„Die niedrigschwelligen Präventionsangebote sind in den vergangenen Jahren an vielen Schulen ausgebaut worden“, sagt Stephan Kallus. Schulsozialarbeiter fungieren bei Sorgen, Nöten und Problemen als verfügbare Ansprechpartner vor Ort. „Früher musste man erst außerhalb der Schule zu einer Beratungsstelle gehen. Da war die Hürde viel höher“, erklärt Kallus. Neben der Beratung in konkreten Situationen gebe es Angebote wie Sozialkompetenztrainings, soziale Lerngruppen oder für Fünftklässler Kennenlerntage, in denen gemeinsam Klassenregeln erarbeitet werden.

►  Welche Rolle spielen Eltern beim Verhindern von Gewalt und Mobbing an Schulen?

Wichtig ist das Miteinander von allen an Schule beteiligten Personen, dazu gehören neben Schülern und Lehrern auch die Eltern. Sie haben die Aufgabe, ihrem Nachwuchs bereits im Kleinkinderalter Werte und Regeln zu vermitteln und selbst Vorbild zu sein. „Eltern müssen an dieser Stelle auch die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Schulen ernst nehmen. Das bedeutet, dass hier eine offene und wertschätzende Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus erfolgt“, sagt Stefan Behlau.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6404107?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F202%2F
Ermittler schalten größte deutsche Filesharing-Plattform ab
Ermittler haben bei einer internationalen Razzia gegen die Betreiber einer Filesharing-Plattform Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden durchsucht.
Nachrichten-Ticker