Nach mehr als 30 Stunden
Berlin-Köpenick ist nach Stromausfall wieder am Netz

Blackout bei Zehntausenden Berlinern: Mehr als 30 Stunden sind im Südosten der Hauptstadt viele Straßenzüge ohne Strom, Heizung und Licht. Wie reagieren die Bürger auf die Ausnahmesituation?

Mittwoch, 20.02.2019, 22:26 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 22:30 Uhr
Erleuchtet ist am Mittwochabend die Innenstadt von Köpenick. Nach über 30 Stunden gehen die Lichter im Osten Berlins nach und nach wieder an.
Erleuchtet ist am Mittwochabend die Innenstadt von Köpenick. Nach über 30 Stunden gehen die Lichter im Osten Berlins nach und nach wieder an. Foto: Paul Zinken

Berlin (dpa) - Die Turmuhr am Rathaus steht auch einen Tag später noch auf 14.10 Uhr. Es ist der Moment, als am Dienstag die Stromversorgung in großen Teilen von Berlin-Köpenick zusammenbrach. Gut 30.000 Haushalte bleiben mehr als einen Tag vom Stromnetz abgeschnitten.

Bis zu 30 Stunden dauert es, bis sie wieder am Netz sind. Straßenbahnen fahren nicht, Laternen und Ampeln sind ausgefallen. Wohnungen sind dunkel und kalt, das öffentliche Leben kommt in den Wohnblöcken größtenteils zum Erliegen. Polizeiwagen sind in dem Blackout-Gebiet verstärkt auf Streife. Erst am Mittwochabend endet der Spuk, als die letzten Straßen wieder am Netz sind.

«Jetzt ist Durchhalten die Devise», sagt am Mittwoch die Inhaberin eines Juweliergeschäftes. Sie hat die Nacht in ihrem Laden verbracht, weil die Alarmanlage nicht funktioniert hat. Mancherorts leuchtet einsam ein Fenster in der Finsternis. Ein Mann erzählt, er habe die batteriebetriebene Weihnachtsbeleuchtung aus dem Keller geholt. Echte Gemütlichkeit dürfte ohne eine funktionerende Heizung bei den Außentemperaturen unter zehn Grad dennoch nicht aufgekommen sein.

Vor dem Rathaus versammeln sich Menschen vor einem Einsatzwagen des Arbeiter-Samariterbundes, um dort ihre Smartphones wieder aufzuladen. Am Mittwoch bleiben manche Schulen, Kitas und Geschäfte geschlossen.

Etwa jeder fünfte der 134.600 Haushalte im Bezirk hat keinen Strom. Auch 2000 Gewerbebetriebe sind betroffen. Die beschädigten Kabel müssten komplett erneuert werden, erläutert Vattenfall-Sprecherin für das Berliner Stromnetz, Julia Klausch, der Deutschen Presse-Agentur.

Wie aber konnte es zu einem so großflächigen Blackout kommen? Die Antwort liegt zwei Meter tief unter der Erde: Bei einer Bohrung auf einer Baustelle an der Salvador-Allende-Brücke wurden nicht nur die Hauptleitung, sondern auch die Ersatzleitung beschädigt. Die Kabel verlaufen dort über die Brücke. Das sei immer ein Engpass, sagt Jürgen Schunk, Leiter des Krisenstabs von Stromnetz Berlin, in der «Abendschau» des rbb. «Das heißt, in diesem Bereich müssen, wenn andere Brücken nicht vorhanden sind, dann letztendlich auch Versorgungsleitungen in relativ engem Abstand geführt werden.»

Die Reparatur finde nun unter sehr beengten Bedingungen statt, sagt die Vattenfall-Sprecherin. Die Baugrube biete nur Platz für vier bis sechs Arbeiter. Es kämen mehrere «unglückliche Komponenten» zusammen: «Es gab einen solchen Fall einfach noch nicht.»

Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rechnet man mit derartigen Szenarien. Zwar habe Deutschland eine der sichersten Stromversorgungen weltweit. «Dennoch sind aufgrund von Einzelereignissen wie gestern in Berlin auch länger andauernde Stromausfälle nicht ausgeschlossen», berichtet die Behörde.

Doch auch dieser Notfall hat schließlich ein Ende. Nachdem am Mittwoch am frühen Abend in den ersten Häusern in der Altstadt von Köpenick wieder Licht brennt, gelingt es Vattenfall wenige Zeit später, auch die übrigen Straßenzüge wieder zu versorgen.

Die Panne legt ausgerechnet an dem Tag Köpenick lahm, an dem Berliner CDU-Politiker den hauptstadtkritischen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) zu einem Berlin-Besuch eingeladen haben. Die Berliner hatten Palmers scharfem Spott über Probleme und Chaos in der Metropole Berlin bei der Visite etwas entgegensetzen wollen.

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