Frühjahrsblüher aus den Niederlanden
Tulpen gehören zu den beliebtesten Blumen der Welt

Wer von Tulpen spricht, denkt meistens an die Niederlande, die seit Jahren hervorragende Geschäfte mit der Frühjahrs-Schönheit machen. Ihr Erfolgsgeheimnis ist denkbar einfach: Sie bringt Farbe und Anmut ins Frühjahr.

Sonntag, 03.03.2019, 11:44 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 11:48 Uhr
Experimentieren mit Tulpen:Nicht nur die Blüten, auch die Zwiebeln sind dekorativ. Holland Marketing
Experimentieren mit Tulpen:Nicht nur die Blüten, auch die Zwiebeln sind dekorativ. Holland Marketing

Man muss keine prophetische Vision haben, um sich sicher zu sein, dass der Keukenhof auch in diesem Frühjahr wieder rund eine Million Menschen anziehen wird. Die Gäste werden aus allen Provinzen der Niederlande und vielfach auch aus Deutschland nach Lisse fahren. Ihr unangefochtener Liebling im Blumenpark dürfte wie immer die Tulpe sein, der große Star unter den Frühjahrsblühern.

100 Blumenzwiebelzüchter und 500 Blumenzüchter beliefern den Keukenhof mit den besten Produkten ihrer Anbaugebiete. Und die meisten Gäste werden begeistert sein. Denn Tulpen haben treue Anhänger. Nelken, Schleierkraut und Vergissmeinnicht sind in manchen Zeiten beliebt und gelten in anderen als Inbegriffe floraler Langeweile. Der Tulpe sind solche Schwankungen nicht bekannt. „Sie ist einfach immer beliebt“, meint die Floristin Ricarda Müller .

Niederlande sind (fast) ein Weltmonopol 

Die meisten Niederländer sind stolz auf ihren großen Exportschlager – nicht nur im Geschäft mit der Tulpe. „70 Prozent aller Zierpflanzen auf dem Weltmarkt kommen aus Holland“, listet das Niederländische Büro für Tourismus die beeindruckendsten Fakten rund um den Blumenhandel auf. Bei den Blumenzwiebeln haben sich die Niederlande sogar fast ein Weltmonopol erarbeitet: „Circa 60 Prozent aller Blumenzwiebeln werden hier produziert und gut 80 Prozent aller Blumenzwiebeln in den Niederlanden gehandelt“, erklärt das Büro.

Zu den größten Abnehmern sind Deutschland, Großbritannien und Frankreich geworden – auf deren Interesse an Blumen ist Verlass. Ganz besonders auf ihre Nachfrage nach Tulpen.

Tipps

Ein paar Tipps der auf Events spezialisierten Floristin Ricarda Müller:

Anschneiden: Schnittblumen sollten generell seitlich schräg angeschnitten werden, um die Feuchtigkeitszufuhr der Leitbahnen zu erhöhen. „Bei Tulpen reicht aber auch ein gerader Schnitt“, sagt Ricarda Müller. Die Blumen werden so hervorragend mit Feuchtigkeit versorgt, dass sie als Schnittblume in der Vase weiter wachsen. Alle zwei bis drei Tage sollten die Tulpen übrigens erneut angeschnitten werden, um Bakterien keine Chance zu geben.

Wasser: Besser nicht zu viel davon in die Vase geben. „Vier bis fünf Zentimeter reichen“, erklärt die Floristin. Täglich ein bisschen Wasser nachgießen und alle zwei bis drei Tage das Wasser komplett wechseln. Eine Woche halten sich die Tulpen so sicherlich. Wenn sie kühler stehen, auch ein bisschen länger.

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Platz drei unter den Schnittblumen

Dabei ist die Tulpe nicht einmal die beliebteste Schnittblume. Sie steht auf Platz 3 hinter Rosen und Chrysanthemen und hat als Frühjahrsblüher nur einige Monate Zeit, sich in Szene zu setzen. 92 Prozent werden in der ersten bis zur 20. Kalenderwoche des Jahres verkauft. Das schafft keine andere Blume.

Der Züchtermarkt ist kreativ und lebhaft. „Die Zahl kultivierter Tulpen wächst von Jahr zu Jahr“, stellt Susanne Völler, Mitarbeiterin von Holland-Marketing, fest. Voriges Jahr hat die Royal Flora Holland in ihren Auktionshäusern rund 1,9 Milliarden Tulpen verkauft und den Einkäufern die Entscheidung schwer gemacht. 1140 Sorten befinden sich mittlerweile im Handel. Jährlich kommen neue hinzu.

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Gerhard Flantua ist ein erfahrener Koch, der in Lelystad ein Restaurant betreibt. Dort beweist er, dass man Tulpen sogar essen kann. Dafür karamellisiert er die Tulpenzwiebeln oder legt sie ein. Die Tulpenzwiebeln schmecken jedoch relativ bitter. Das lässt sich aber umgehen. Eine Tulpenvorspeise könnte so aussehen: Die Blüten lassen sich mit Roma-Tomaten ersetzen, die zunächst im Kreuz angeschnitten, ausgehöhlt und danach mit Frischkäse gefüllt werden.  Als Blätter und Stängel machen sich Petersilie und Schnittlauch gut. Und eine Gurke übernimmt die Rolle der Vase, wird angeschnitten und auf die Enden von Petersilie und Schnittlauch gelegt. Foto: Holland Marketing

Namensherkunft unbekannt

Ursprünglich stammt die Tulpe übrigens aus der Türkei. „Die Herkunft des Namens (lateinisch Tulipa) ist nicht bekannt, lässt sich aber mit etwas Fantasie aus der Form der Blüte herleiten, die sehr einem Turban ähnelt“, spekuliert das Niederländische Büro für Tourismus.

Für eine Fahrt in die schönsten Tulpengebiete empfiehlt das Büro übrigens meistens Flevoland. „Wer im Frühjahr durch Flevoland fährt, sieht es selbst: Lelystad, Dronten, Zeewolde und Nordoostpolder tragen dank der farbenfrohen Tulpenfelder ein kunterbuntes Kleid.“ Auch die Geschichte ist beeindruckend: Flevoland ist das Ergebnis eines gewaltigen Trockenlegungsprojekts und gilt als größter Polder der Welt.

Gestaltungstipps

Die Floristin Ricarda Müller gibt auch Gestaltungstipps:

Wer französische Tulpen mag, sollte ihnen viel Platz in der Vase gönnen. „Diese Tulpen biegen sich in alle Richtungen“, erklärt Ricarda Müller. Die französische Tulpe kommt übrigens gar nicht aus Frankreich – sie trägt nur diesen Namen.

Wenn Ricarda Müller im Gäste zum Essen einlädt, legt sie manchmal Tulpenzwiebeln als Deko auf den Tisch. Gut machen sie sich in einem Geäst aus Zweigen. Darin legt die Floristin Blütenblätter und ein paar Zwiebeln.

Tulpenstiele lassen sich zu besonderen Formen umbiegen. Der Trick ist, die Tulpe vorher „trockenzulegen“. Wenn sie eine Nacht lang kein Wasser bekommen hat, wird sie schlaff und biegsam. Wasser bekommt sie wieder, wenn der Tulpenstiel die gewünschte Form bekommen hat.

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Muttertag, Ostern und der Internationale Frauentag

Zurück zu den Blumen: Die Anbauflächen sind in den vergangenen Jahren auf 22.000 Hektar angestiegen. Der Markt ernährt 1500 Blumenzwiebelzüchter in den Niederlanden. Sie alle wissen, dass die meisten Kunden Tulpen in den Farben Gelb, Rot und Rosa bevorzugen. Beliebt sind auch Blüten in Lila, Weiß, Orange und Rot-Weiß. Und wenn Muttertag, Ostern und der Internationale Frauentag nahen, dann wissen die Mitarbeiter der Auktion Royal Flora Holland, dass an Urlaub bestenfalls zu denken ist. In diesen Tagen dreht sich alles um die Blumen.

Der Frühlingspark Keukenhof in Lisse öffnet am 21. März zum 70. Mal seine Pforten. Die Ausstellung dauert bis zum 19. Mai.

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