So süchtig macht WhatsApp
DAK-Studie zeigt Social-Media-Abhängigkeit bei Jugendlichen

Hamburg/Berlin/Münster -

Diese Zahlen schrecken auf: Mädchen und Jungen in Deutschland verbringen nach einer Studie der Krankenkasse DAK im Schnitt täglich zwei­einhalb Stunden in den sozialen Medien. 100.000 der Zwölf- bis 17-Jährigen gelten mit ihrer Nutzung von Diensten wie WhatsApp, Instagram oder Snapchat als mindestens sucht­gefährdet.

Dienstag, 05.03.2019, 21:00 Uhr
So süchtig macht WhatsApp: DAK-Studie zeigt Social-Media-Abhängigkeit bei Jugendlichen
Foto: Silas Stein/dpa

Dazu kommt eine hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die als „Risiko-Gamer“ von Spielen wie Fortnite, FIFA oder Minecraft angezogen werden. Jeder vierte Risiko-Gamer spielt am Wochenende fünf Stunden und mehr am Tag.

Online-offline-Balance fehlt

„Soziale Medien gehören zu unserer Welt. Ein Zuviel an Smartphone und Co. schadet aber der Gesundheit und dem Familienleben“, sagt Marlene Mortler , Drogenbeauftragte der Bundesregierung. „Damit es uns aber gut geht, brauchen wir eine vernünftige Online-offline-Balance.“ Doch genau diese Balance fehlt der Unter­suchung zufolge, an der auch das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des K indes- und Jugendalters der Universitätsklinik Hamburg mit­gearbeitet hat, bei vielen. Mädchen sind im Schnitt drei Stunden in sozialen Medien unterwegs (Jungen: 2,5 Stunden). Je älter die Befragten sind, desto mehr Zeit verbringen sie in sozialen Netzwerken. Ein Motiv: Jeder dritte Junge und fast jedes zweite Mädchen gab an, bei der Nutzung der Netzwerke oder der Spiele „nicht an un­angenehme Dinge denken zu müssen“.

Gefahren für die seelische Gesundheit

Professor Reiner Thomasius , Ärztlicher Leiter des Zentrums für Suchtfragen am Klinikum Hamburg: „Je länger die Kinder online sind, desto größer ist das Sucht­risiko.“ Die Gefahren für die seelische Gesundheit sind enorm: Wer von sozialen Medien abhängig ist, hat um ein 4,6-fach höheres Risiko, an Depressionen zu erkranken, als Nicht-Süchtige.

Umso wichtiger ist es, dass in Familien klare Regeln für die Handynutzung ver­einbart werden. „Diese Vorgaben sind dringend nötig, damit ihre Kinder nicht unbemerkt in die Abhängigkeit rutschen“, warnt Professor Thomasius. 

Ein Kommentar zum Thema

Das WLAN streikt, das Stromnetz ist in die Knie gegangen. Bei den Kindern in der Familie bricht Hektik aus. Stunden ohne WhatsApp, Instagram, Snapchat – für die Smartphone-Generation eine Katastrophe. Als stünde die Welt still. Fast jeder dürfte es schon selbst erlebt oder zumindest davon gehört haben.

Jugendliche und unter ihnen vor allem die Mädchen scrollen an manchen Tagen so lange durch die eindimensionale Social-Media-Welt bis der Akku leer ist. Die Online-Spielsucht wurde Mitte 2018 von der Weltgesundheitsorganisation bereits in die Liste der Erkrankungen aufgenommen. Die Social-Media-Sucht dürfte, wenn Experten die Lage richtig einschätzen, bald folgen.

Unumkehrbar? Nein! Die Erwachsenen könnten, sofern sie selbst beim Konsum digitaler Medien Vernunft walten lassen, stärker Vorbild sein, Kindern und Jugendlichen zeigen, dass man nicht ständig online sein muss. Nutzungsregeln setzen und diese auch selbst befolgen. Den Ausgleich zum Beispiel im Sport oder in der Musik suchen. Es gibt überdies Hoffnung. Wenn junge Leute nach ihren guten Vorsätzen fürs neue Jahr befragt werden, sprechen sie davon, öfter einmal „abzuschalten“. Offline liegt bei 50 Prozent von ihnen im Trend. (Von Wolfgang Kleideiter)

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