10 Tote in São Paulo
Polizei: Täter planten Amoklauf in Brasilien seit einem Jahr

Zerrüttete Familienverhältnisse, gewalttätige Computerspiele, Hänseleien in der Schule: Nach der Bluttat mit zehn Toten trägt die Polizei die Puzzleteile zusammen. Die beiden Täter sollen einen Pakt geschlossen und auch ihren Suizid geplant haben.

Donnerstag, 14.03.2019, 17:05 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 17:08 Uhr
Kerzen werden in Gedenken an die Opfer des Amoklaufs vor der Schule in Suzano angezündet. 
Kerzen werden in Gedenken an die Opfer des Amoklaufs vor der Schule in Suzano angezündet.  Foto: Paulo Lopes

São Paulo (dpa) - Nach dem Amoklauf mit mehreren Toten in einer Schule in Brasilien suchen die Ermittler weiter nach dem Motiv der beiden Täter. Die jungen Männer hätten die Bluttat seit über einem Jahr geplant, berichtete das Nachrichtenportal G1 unter Berufung auf die Polizei.

Demnach wollten sie ein größeres Massaker anrichten, als bei dem Amoklauf an der Columbine High School 1999 in den USA.

Die Täter hatten am Mittwoch ihre frühere Schule in der Stadt Suzano im Bundesstaat São Paulo gestürmt und das Feuer eröffnet. Fünf Schüler im Alter zwischen 15 und 17 Jahren sowie zwei Mitarbeiterinnen wurden getötet. Zuvor hatten sie bereits den Onkel von einem der Täter in seiner Autowaschanlage erschossen. Nach dem Angriff tötete einer der Täter zunächst seinen Komplizen und dann sich selbst.

«Mein Beileid gilt den Familien der Opfer dieses unmenschlichen Anschlags», schrieb Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro auf Twitter. «Welch maßlose Monstrosität und Feigheit. Möge Gott die Herzen aller trösten.» Der Gouverneur von São Paulo ordnete eine dreitägige Trauerzeit in dem Bundesstaat an.

Die Schüler machten gerade eine Frühstückspause, als die Täter in das Gebäude eindrangen. Auf einem vom Nachrichtenportal G1 veröffentlichten Überwachungsvideo ist zu sehen, wie einer der Täter das Gebäude betritt und sofort das Feuer eröffnet. Kurz darauf kommt sein Komplize und schlägt mit einem Beil auf ein am Boden liegendes Opfer ein. Die Beamten entdeckten am Tatort später einen Revolver, eine Axt, einen Bogen, eine Armbrust, Molotow-Cocktails und eine verkabelte Tasche.

Die Ermittler durchsuchten die Zimmer der Täter und beschlagnahmten unter anderem Computer. Die 17 und 25 Jahre alten Täter wohnten in derselben Straße und kannten sich seit ihrer Kindheit. Sie sollen häufig gemeinsam Ego-Shooter am Computer gespielt haben.

«Hier kommen jeden Tag ungefähr 100 Leute vorbei und die meisten von ihnen spielen Ego-Shooter. Wenn das irgendetwas bedeuten würde, wären das alles Mörder», sagte Tatiane Motta der Zeitung «Folha de S.Paulo». Sie hatte bis vergangenen Monat in einer Spielhalle gearbeitet, die die Täter häufig besuchten.

Der 17-jährige Täter kam Medienberichten zufolge aus zerrütteten Familienverhältnissen und wuchs bei seinen Großeltern auf. Seine Mutter sagte, er habe im vergangenen Jahr die Schule abgebrochen, weil er wegen seiner Akne immer wieder gehänselt worden sei.

«Unsere Beziehung war nicht schlecht, aber wir haben nicht viel geredet», sagte die Mutter der «Folha de S.Paulo». Sie habe nie gedacht, dass ihr Sohn gewalttätig werden könnte. «Nur bei diesen Computerspielen ist er ausgeflippt. Dann hat er den Bildschirm angeschrien: "Ich werde dich töten. Ich werde dich töten".»

Nach Angaben der Polizei hatten die beiden Täter einen Pakt geschlossen. Demnach hatten sie geplant, den Angriff zu verüben und sich danach selbst zu töten. Im Internet sollen sie sich zuvor über Bluttaten an US-Schulen informiert haben. Die Ermittler prüfen nun, ob es sich bei den Tätern um eine kriminelle oder terroristische Vereinigung handelte, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Brasilien ist eines der am stärksten von Gewalt betroffenen Länder der Welt. Über 60.000 Menschen werden dort jedes Jahr getötet. Zuletzt hatte der neue Präsident Jair Bolsonaro das Waffenrecht gelockert, um den Kauf von Schusswaffen zu erleichtern.

Der Amoklauf könnte die Debatte um das Waffenrecht in Brasilien nun neu entfachen. Strengere Gesetze hätten die Tat von Suzano aber wohl nicht verhindern können: Der Revolver mit ausgefräster Registrierungsnummer stammte ersten Ermittlungsergebnissen zufolge vom Schwarzmarkt.

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