Debatten nach dem Brand
Wie soll die Kathedrale Notre-Dame in Paris künftig aussehen?

Münster -

Die Rauchwolken haben sich mittlerweile verzogen, die vor einer Woche über der brennenden Kathedrale von Paris emporstiegen. Relativ schnell wurde klar, dass der erfolgreiche Feuerwehreinsatz die größte Katastrophe am Gebäude der Notre-Dame verhindert hat: Das Dach ist zwar zerstört, ebenso ein Teil des darunterliegenden Gewölbes, aber das steinerne Gerippe des gotischen Baus und der wesentliche Teil der Kirchenfenster scheinen den Brand überstanden zu haben. So sprach Präsident Emmanuel Macron schon von einer Restaurierung in fünf Jahren.

Montag, 22.04.2019, 16:50 Uhr aktualisiert: 22.04.2019, 18:59 Uhr
Die Luftaufnahme zeigt deutlich die Spuren des abgebrannten Dachstuhls und ein Loch im Querschiff-Gewölbe (vorn). Das Gerüst in der Mitte war zur Restaurierung des Bereichs um die Vierung errichtet worden, deren spitzer Turm aus dem 19. Jahrhundert ein Opfer der Flammen wurde.
Die Luftaufnahme zeigt deutlich die Spuren des abgebrannten Dachstuhls und ein Loch im Querschiff-Gewölbe (vorn). Das Gerüst in der Mitte war zur Restaurierung des Bereichs um die Vierung errichtet worden, deren spitzer Turm aus dem 19. Jahrhundert ein Opfer der Flammen wurde. Foto: dpa

Was allerdings ein wenig vorschnell oder, je nach Sichtweise, auch innenpolitisch getrieben erscheint: Gerade in Paris macht es sich ja immer gut, wenn sich der Präsident ein national bedeutendes Bauprojekt auf die Fahnen schreibt. Was dem einen sein Centre Pompidou und dem anderen seine Louvre-Pyramide, das mag dem aktuellen Präsidenten die berühmte Kathedrale sein, die sich ja ohnehin in Staatsbesitz befindet.

Sofort sind zwei Debatten – darf man sagen: entflammt? Die erste um das rasend schnell zugesagte Spendengeld ist wichtig, um daran zu erinnern, dass viele Not leidende Menschen in der Welt dringend der Spendenhilfe bedürfen. Dieses Thema wird indes nur wenig Einfluss auf das bevorstehende Projekt haben. Die zweite Debatte hingegen über das Ziel des Wiederaufbaus verspricht spannend zu werden: Wie soll die Kathedrale in fünf (oder ein paar mehr) Jahren aussehen? So wie vor zwei Wochen? Ähnlich wie vor 200 Jahren vielleicht, als sie viele Spuren historischer Beschädigung in sich trug?

Oder wie ein altes Gebäude mit modernen Akzenten, analog zum Louvre oder etwa zum Berliner Reichstag mit seiner längst berühmten Glaskuppel? Ideen zu einem Architektenwettbewerb für einen modernen Vierungsturm an der Stelle des abgebrannten spitzen Turms aus dem 19. Jahrhundert schlagen bereits Wellen. Bisweilen schießen gar Fantasien ins Kraut von einem Dachgarten statt des alten Satteldachs oder einem Turm nach Minarett-Vorbild.

Feuer in Kathedrale Notre-Dame

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  • Feuerschein erhellt die Pariser Nacht: Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame ist am Montagabend in Brand geraten.

    Foto: Matthias Wagner
  • Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt.

    Foto: Francois Mori
  • Die Feuerwehr äußerte sich am späten Montagabend aber zuversichtlich, dass die Kathedrale nicht völlig zerstört wird.

    Foto: Julien Mattia
  • Über dem monumentalen Sakralbau war am Montag eine riesige Rauchsäule zu sehen.

    Foto: Diana Ayanna
  • Der Altar der Kathedrale Notre-Dame war von Rauch umgeben. Die wertvollsten Kirchenschätze – darunter die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll – wurden in Sicherheit gebracht.

    Foto: Philippe Wojazer
  • „Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, sagte Paris‘ Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet.

    Foto: Julien Mattia
  • Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité, die wegen des Feuers von Sicherheitskräften abgeriegelt wurde.

    Foto: Thibault Camus
  • Der Brand löste tiefe Bestürzung und heftige Emotionen aus.

    Foto: Christophe Ena
  • Unzählige Menschen kamen am Abend zusammen, um zu beten oder gemeinsam zu singen.

    Foto: Francois Mori
  • Frankreis Präsident Emmanuel Macron (M.) sagte wegen des Brandes eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab und begab sich zu der Kathedrale. Er versicherte: „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen.“

    Foto: Philippe Wojazer
  • Auch aus dem Ausland erhielten die Franzosen viel Zuspruch. So twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen. Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“

    Foto: Michael Euler/AP/dpa
  • Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen.

    Foto: Michael Euler/AP/dpa
  • Aus der Ferne betrachten Einheimische und Touristen mit Entsetzen den Brand der Kathedrale.

    Foto: Thibault Camus
  • Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, sprach von einem „fürchterlichen Brand“.

    Foto: Thibault Camus/AP/dpa
  • Kathedrale Notre-Dame in Paris brennt Foto: Michael Euler
  • Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr.

    Foto: Francois Mori
  • Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht.

    Foto: Julien Mattia/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa
  • Über dem Wahrzeichen waren am Montagabend Flammen und eine riesige Rauchsäule zu sehen.

    Foto: Michel Euler/AP/dpa
  • Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen.

    Foto: Thibault Camus/AP/dpa
  • Flammen schlugen lichterloh aus dem Dachstuhl.

    Foto: Thibault Camus
  • Das Feuer sei auf dem Dachboden der Kathedrale ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden.

    Foto: Matthias Wagner/dpa
  • Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. Um Geld für die Sanierung aufzutreiben, war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

    Foto: Uncredited/AP/dpa
  • Nun brachte die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine eine Spendensammlung für den Wiederaufbau auf den Weg. „Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf“, schrieb die Stiftung.

    Foto: Lori Hinant/AP/dpa
  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich betroffen und sagte eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab. «Notre-Dame von Paris den Flammen ausgeliefert. Emotion einer ganzen Nation», teilte der Präsident auf Twitter mit. Er sei in Gedanken bei allen Katholiken und allen Franzosen. Wie alle französischen Mitbürger sei er an diesem Abend traurig, «diesen Teil von uns brennen zu sehen».

    Foto: Matthias Wagner/dpa
  • «Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa», schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. «Wir sind heute alle bei Paris.»

    Foto: Juan Cristobal Cruz Revueltas
  • Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung.

    Foto: Christian Böhmer/dpa (Archiv-Foto)

Man darf sich in diesem Zusammenhang in Erinnerung rufen, dass Kathedralenbrände im Mittelalter nicht nur häufig vorkamen, sondern bisweilen Basis für einen kompletten Neubau waren: Die südwestlich von Paris gelegene „Schwester“ Notre-Dame in Chartres ist das bekannteste Beispiel. Die gotische Architektur, vorbildhaft geprägt in der einstigen Abteikirche von Saint-Denis im Norden von Paris, hatte einen Bauboom zur Folge, der manchen Bischof wohlwollend zur Kenntnis nehmen ließ, wenn seine alte Kirche etwa bei einem Brand stark beschädigt wurde – in Reims hing der Brand angeblich sogar mit dem gewünschten Neubau einer gotischen Kathedrale zusammen.

Denn die Spitzbögen und die Kreuzrippengewölbe der Gotik ermöglichten jetzt das Bauen hoher Kirchenschiffe, und mit den Strebebögen, wie sie beispielhaft den Chor der Pariser Kathedrale umgeben, war es technisch möglich, die dunklen Mauern mit riesigen Fensterflächen zu öffnen: Der Lichteinfall durch das bunte Glas machte den Kirchenraum zum ideellen Abbild des himmlischen Jerusalem. Das war der moderne, theologisch fundierte Kirchenbau seit der Mitte des 12. Jahrhunderts.

In der Stadt des Eiffelturms und der großen Boulevards hat es nie an Mut gefehlt, mit Architektur Zeichen der Zeit zu setzen. Andererseits haben Architekten wie jener Viollet-le-Duc, der im 19. Jahrhundert die Kathedrale restaurierte, stilvoll der Vergangenheit zu ihrem Recht verholfen. Man darf gespannt sein, wie das Frankreich der Ära Macron die Herausforderung Notre-Dame angehen wird.

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