Tropische Zecke überwintert in NRW
Überträger des Krim-Kongo-Fiebers

Münster -

Hyalomma-Zecken können tödliche Krankheiten übertragen. Die tropischen Verwandten des Holzbocks haben nun erstmals nachweislich in Deutschland überwintert. Für den Aufenthalt in der Natur gilt daher erhöhte Achtsamkeit.

Mittwoch, 12.06.2019, 16:31 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 16:46 Uhr
Die tropische Hyalomma-Zecke (r.) ist deutlich größer als der heimische Holzbock (l.).
Die tropische Hyalomma-Zecke (r.) ist deutlich größer als der heimische Holzbock (l.). Foto: dpa

Exemplare der afrikanischen Hyalomma-Zecke haben in diesem Jahr erstmals in Deutschland überwintert. Zeckenforscher des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Universität Hohenheim sind sich einig: Sechs gemeldete Hyalomma-Zecken– fünf auf einem Pferdehof in Geldern am Niederrhein und eine in Niedersachsen – können aufgrund ihres Entwicklungsstatus nicht von Zugvögeln eingeschleppt worden sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Auswirkungen im Überblick:

►  Ist die Hyalomma-Zecke bereits in Deutschland heimisch?

Seit 2017 wird die Zeckenart regelmäßig und in steigender Anzahl in verschiedenen Teilen Deutschlands nachgewiesen. Die Larven werden nach Angaben von Forschern von Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt. „Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintern konnten“, sagt die Hohenheimer Parasitologin und Zecken-Expertin Ute Macken­stedt. Überwintern bedeute aber nicht notwendigerweise, dass die zu den Milben zählenden Tiere bereits heimisch seien. Dafür müssten sich zunächst genug Tiere zur Paarung zusammenfinden, um eine eigene Population aufzubauen. Allerdings legt der Fund von fünf Hyalomma-Zecken in einem einzelnen Pferdehof nahe, dass dort mehrere Individuen gleichzeitig vorhanden waren und somit die Möglichkeit einer Paarung und des Entstehens einer eigenständigen Population bestand.

►  Ist die Riesenzecke für den Menschen gefährlich?

Die erwachsenen Zecken suchen sich vor allem große Tiere, bei denen sie Blut saugen können. Allerdings ist auch der Mensch ein potenzieller Wirt. Im eurasischen Raum gelten die spinnenartigen Parasiten als Überträger des Krim-Kongo-Virus sowie der Erreger des Hämorrhagischen Fiebers und des Zecken-Fleckfiebers. Alle Krankheiten können unbehandelt zum Tode führen. Besonders bei einer Infektion mit dem Krim-Kongo-Virus ist eine zeitnahe Behandlung überlebenswichtig. In Deutschland wurden bei den gefundenen Hyalomma-Zecken bislang jedoch keine krankmachenden Erreger gefunden.

►  Wie ist die Hyalomma von heimischen Zecken zu unterscheiden?

Die afrikanische Riesenzecke ist doppelt bis dreimal so groß wie der Gemeine Holzbock. Auffällig sind vor allem ihre langen, geringelten Beine, mit denen sie sich relativ schnell bis zu 100 Meter auf einen potenziellen Wirt zubewegen kann. Zudem kann die Zecke Menschen wittern.

►  Gibt es weitere, bislang unbekannte Zeckenarten, die sich in Deutschland verbreiten?

Ja. Forscher haben seit geraumer Zeit auch andere tropische Zeckenarten im Blick, die über tierische Wirte nach Europa gelangen. Neben der Hyalomma steht vor allem die Braune Hundezecke im Fokus. Die ebenfalls aus Afrika stammende Art wurde – wie der Name vermuten lässt – von Hunden in den gesamten Mittelmeerraum transportiert. Exemplare wurden aber auch schon an deutschen Hunden gefunden, die ihren Hof nie verlassen haben. „Das ist ein Hinweis darauf, dass sich die Art hier möglicherweise bereits entwickeln kann“, berichtet Mackenstedt. Die drei bis vier Millimeter große, rötlich-schwarzbraune Zecke kann unter anderem das Mittelmeer-Zeckenfleckfieber übertragen.

►  Wie kann man sich gegen Zeckenstiche schützen?

Wer viel in der Natur unterwegs ist und durch hohes Gras streift, sollte die Hosenbeine in die Socken stecken. Auch Zeckenspray mit bestimmten Duftstoffen kann die Tiere für einige Stunden fernhalten. Wer einen Zeckenstich bemerkt, soll das Tier so schnell wie möglich entfernen. Bei Beschwerden innerhalb der nächsten zwei Wochen nach dem Stich sollten Betroffene unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen.

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