Hitzewelle hat Mitteleuropa im Griff
Hoch "Ulla" lässt alle schwitzen

Offenbach -

40 Grad oder knapp darunter? Egal, es ist heiß. Die Extremtemperaturen machen Mensch und Natur zu schaffen.

Mittwoch, 26.06.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 26.06.2019, 18:00 Uhr
Bei Temperaturen um 38 Grad ist am bislang heißesten Tag in diesem Jahr jede Abkühlung willkommen.
Bei Temperaturen um 38 Grad ist am bislang heißesten Tag in diesem Jahr jede Abkühlung willkommen. Foto: Hendrik Schmidt

Deutschland schwitzt - und zwar gewaltig. Nach dem heißesten Tag aller Zeiten sah es heute zunächst nicht aus, aber es fühlte sich an vielen Orten schon früh genau so an. Schon mittags um 12 Uhr wurden in Genthin in Sachsen-Anhalt 35,9 Grad gemessen.

Eine Stunde später fiel in Sachsen der Juni-Rekord für das Bundesland: 36,9 Grad. Die höchsten Temperaturen des Tages sollten da erst noch kommen: Der DWD erwartete an Rhein, Main, Saar und Nahe und Unterelbe knapp unter 40 Grad.

Die Hitzewelle aus der Sahara erreichte damit ihren vorläufigen Höhepunkt. An Rhein, Main, Saar und Nahe sowie an der Unterelbe erwartete der Deutsche Wetterdienst bis zu 39 Grad. Damit werde der Allzeit-Temperaturrekord in Deutschland voraussichtlich nicht gefährdet, sagt Meteorologe Sebastian Schappert . Der liegt bei 40,3 Grad, aufgestellt in Kitzingen im August 2015. Aber "Ulla" lässt Deutschland trotzdem mächtig schwitzen.

"Schlapp gemacht hat bisher keiner"

Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens beispielsweise strahlt die Hitze brutal vom Betonboden. "Da kann man noch mal zehn Grad zu den Thermometerwerten hinzurechnen", sagt Udo Schuh , Stellenleiter des Abfertigungsbereichs. Schlapp gemacht hat bisher keiner der Kollegen, die unter Extrembedingungen Schwerstarbeit leisten. "Aber man merkt schon, dass die Leute einfach langsamer machen müssen."

In Bad Doberan an der Ostsee verbog die Sommerhitze die Gleise einer Schmalspurbahn, die "Molli" stand stundenlang still. In Brandenburg stoppte die Polizei einen Mann, der nackt bis auf Helm und Sandalen mit dem Motorroller unterwegs war. Seine Reaktion, als er am Montag aus dem Verkehr gezogen wurde: «Et is halt warm, wa?» Der Mann musste seine Hose wieder anziehen, dann durfte er - bekleidet - den Fahrwind genießen.

Umfrage zur Hitze

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  • „Der Fahrtwind kühlt mich ab.“ Hendrik Schwieden (Fahrradkurier)

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Weniger wäre auch gut. Mir würden 25 Grad vollkommen reichen.“ Maike Tiggemann

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Früh morgens ernte ich die Früchte in meinem Obstgarten und nachmittags genieße ich dann den Schatten der Bäume.“ Ralf Lindner-Wellmann

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Je heißer, desto besser.“ Gurung Raju (aus Indien)

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Wir haben auf der Baustelle einen Pavillon aufgebaut.“ Tell Spittel (Bauarbeiter)

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Ich liebe dieses Klima. Ich verhalte mich ruhig und freue mich, dass es so heiß ist.“ Josef Heidhoff

    Foto: Matthias Ahlke

Der hessische Landtag wiederum hatte ein Einsehen mit den Politikern und lockerte die Kleidungsvorschriften. Bedienstete und Abgeordnete durften statt Sakko oder Kostüm kurze Hose oder Sommerhemd tragen.

Bäume stehen unter Stress

Die Hitze erhöhte auch die Waldbrandgefahr. In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Auch die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bunds deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress.

Die extreme Hitze macht Obst- und Gemüsebauern ebenfalls das Leben schwer. Frisch gesetzte Pflanzen wie Salat müssten mehr gegossen werden, hieß es bei der der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, das bedeute Zusatzkosten. Zudem bestehe das Risiko einer "Überernte". Die Bauern in Sachsen-Anhalt fahren sogar bereits die ersten Feldfrüchte ein. Früher als gewöhnlich habe auf den Äckern die Ernte von Gerste, Raps, Weizen und Roggen begonnen, teilte der Landesbauernverband mit.

Hitze-Mythen auf dem Prüfstand: Von Mittagshitze und Zugluft

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  • Hochsommer 2018, Deutschland schwitzt bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke. Weil es so heiß ist, gilt es im Alltag vieles zu beachten: Mehr zu trinken zum Beispiel wird empfohlen, und die Blumen besser morgens als nachmittags zu gießen. Manche Weisheit entpuppt sich allerdings als Mythos. Ein Faktencheck.

    Foto: Patrick Seeger
  • Stimmt es eigentlich, dass . . .

    . . . es mittags am heißesten ist?

    Fragt man beim Deutschen Wetterdienst nach der „Mittagshitze“, ist die Antwort klar: „Das ist kein meteorologischer Begriff“, sagt Sprecher Andreas Friedrich. Hitze sei streng genommen alles über 30 Grad, entsprechend könne es mittags auch mal Hitze geben. Die eine „Mittagshitze“ gebe es aber nicht. Die Messstationen registrierten den heißesten Zeitpunkt des Tages in der Regel zwischen 16 und 17 Uhr. Dann hat die Sonne den Boden maximal erwärmt, mit sinkendem Sonnenstand fallen anschließend die Temperaturen wieder. Man könnte also eher von einer „Feierabendhitze“ sprechen.

    Foto: Bodo Marks
  • . . . man abends nicht joggen gehen sollte?

    Jein. Hintergrund für diese gelegentlich ausgesprochene Empfehlung sind hohe Ozonwerte in der Luft. Das farblose, giftige Gas kann die Atemwege reizen, erläutert das Umweltbundesamt. Da die Werte im Sommer meist am Nachmittag am höchsten sind, rät die Behörde zum Beispiel Asthmatikern, zu dieser Tageszeit körperliche Aktivitäten im Freien zu vermeiden. Bei gesunden Menschen hält es Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln so: Wer kann, geht besser schon früh morgens joggen. Und wer das nicht kann, joggt besser am Abend als gar nicht. Nur herumzusitzen sei gefährlicher, sagt er.

    Foto: fotolia
  • . . . Zugluft schädlich ist?

    Wenn Luft über verschwitzte Haut streift, entsteht Verdunstungskälte. Die Körperoberfläche wird also gekühlt. Das ist bei Hitze erst mal angenehm. Allerdings kann sich dadurch die darunterliegende Muskulatur verspannen, erklärt Hans Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Bremen. Mögliche Folgen sind ein steifer Nacken oder auch Kopfschmerzen. Alternativ kühlen feuchte Lappen oder Fußbäder, empfiehlt Sabine Gehrke-Beck, Allgemeinmedizinerin an der Berliner Charité.

    Foto: Erwin Wodicka
  • . . . man beim Blumengießen kein Wasser auf die Blätter gießen soll?

    Es heißt zwar, dass Wassertropfen auf den Pflanzen in der Sonne wie Brenngläser wirken – die Blätter verbrennen also eher, wenn man das Gießwasser über sie gießt. Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin sagt jedoch: „Ich halte den Tipp für übertrieben. Den meisten Pflanzen macht das nichts aus.“ Nur jene mit wolligen und filzigen Blättern wie der Wollziest litten darunter – „sie sind dafür konzipiert, in Trockenheit zu leben.“

    Foto: colourbox
  • . . . Smartphones unter der Hitze leiden?

    Kann sein. Manches Smartphone mag Sonnenstrahlung und Hitze gut überstehen, bei anderen kommt es zu Beeinträchtigungen – zum Beispiel am Akku, der laut dem TÜV Süd schon ab einer Temperatur von 35 Grad Schaden nehmen kann. Das äußert sich in geringerer Leistung, kürzerer Lebensdauer, Kurzschlüssen oder – schlimmstenfalls – durch einen Akkubrand. Auch die Pixel im Display können durch Hitze und direkte Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Die Folgen sind dann zum Beispiel Darstellungsstörungen oder blinde Flecken. Moderne Smartphones schalten sich bei zu großer Hitze auch von selbst ab oder zeigen einen Hinweis an – spätestens dann gehört das Gerät in den Schatten.

    Foto: colourbox

Das europäische Ausland schwitzt 

In anderen Ländern ist es nicht besser: In Frankreich warnen die Behörden in dieser Woche vor Temperaturen um die 40 Grad. Wegen hoher Ozonbelastung wurde der Autoverkehr im Großraum Paris eingeschränkt rund 60 Prozent aller Fahrzeuge sind von den Fahrverboten betroffen. In Spanien werden in einigen Landesteilen am Wochenende bis zu 44 Grad erwartet. Auch die Urlauber den Balearen müssen bei Werten von rund 35 Grad schwitzen. Etwas angenehmer ist es auf den Kanaren und in Katalonien.

Abkühlung in der Nacht zu Donnerstag

Schon in der Nacht zu Donnerstag kühlt es im Münsterland ab. Tiefstwerte bis zu 14 Grad werden erreicht. (Quelle: www.wetter.com)

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In Deutschland wird es am Donnerstag zumindest im Norden kühler, sagt der DWD. In Hamburg kühlt es auf knapp 30 Grad runter. Der Süden muss aber weiter schwitzen: Am Oberrhein bleibt es heiß bei 37 oder 38 Grad. Am Freitag geht's noch mal weiter runter. Aber am Samstag kommt schon die nächste Welle heißer Sahara-Luft zu uns.

 

Darum macht Senioren die Hitze besonders zu schaffen

Der Hochsommer ist da und bringt Deutschland ins Schwitzen. Vor allem Senioren macht das zu schaffen - aber wieso eigentlich? "Das hat zunächst einen physiologischen Grund: Ältere Menschen haben deutlich weniger Wasser im Organismus, dafür etwas mehr Fett", sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Hans Jürgen Heppner.

Außerdem hätten ältere Menschen von Haus aus ein geringeres Durstgefühl - warum das so ist, sei noch nicht abschließend erforscht, sagt Heppner. "Sie müssen im höheren Alter eher nach einem Stundenplan trinken als nach Durst." Erschwerend hinzu komme, dass viele Senioren Medikamente nehmen, die zu einer erhöhten Ausscheidung von Flüssigkeit führen.

Der Wassermangel kann den Blutkreislauf und die Versorgung, etwa des Gehirns, mit wichtigen Mineralien stören. So erklärt sich auch, dass viele dehydrierte Menschen verwirrt oder geistesabwesend wirken. Mindestens eineinhalb Liter empfiehlt Heppner daher an Hitzetagen zu trinken - zusätzlich zu dem was man zum Essen trinkt. "Am besten Mineralwasser, eine Brausetablette oder ein isotonisches Getränk."

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