Keine Sonne, keine Scooter?
Was passiert mit den Rollern im Herbst?

War er das schon, der große E-Tretroller-Boom? Die langen Sommertage sind vorbei, es drohen Kälte, Nässe und Glätte - nicht gerade die besten Freunde der rollenden Gefährte.

Donnerstag, 17.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 17.10.2019, 07:17 Uhr
Ein «Juicer» transportiert E-Scooter zu ihrem Standort in der Innenstadt.
Ein «Juicer» transportiert E-Scooter zu ihrem Standort in der Innenstadt. Foto: Henning Kaiser

So langsam hat sich Deutschland an die neuen Elektro-Tretroller auf seinen Straßen gewöhnt - da ist deren Hochsaison auch schon vorbei. Wer dem Wetter trotzen und die E-Tretroller auch in der kalten, dunklen Jahreszeit zur Fortbewegung nutzen will, sollte einiges beachten.

Sind die E-Scooter nur ein reines Sommervergnügen?

An den lauen Tagen dieses Sommers sah man sie überall: Menschen auf E-Scootern, vor allem Jugendliche, nicht unbedingt unterwegs von A nach B, sondern einfach ein paar Runden drehend. Prinzipiell soll das auch in der kalten Jahreszeit möglich sein. «Das Geschäft geht regulär weiter», sagt etwa Bodo Braunmühl von der Vermieter-Firma Tier. «Die Menschen müssen sich ja trotzdem fortbewegen. Und 20 Minuten in der Kälte auf einen Bus zu warten ist auch nicht schön.» Erst wenn Eis und Schnee kommen, wollen die Anbieter ihren Betrieb einstellen.

Und wie funktioniert das dann?

Da man eine App auf dem eigenen Smartphone braucht, um einen E-Scooter auszuleihen, können die Anbieter diesen Service kurzfristig sperren. Sie können damit auch Zonen festlegen, in denen die Scooter nicht abgestellt werden dürfen - weil die Fahrt dort dann einfach nicht per App beendet werden kann. Köln plant etwa für den Karnevalsbeginn am 11. November, die Verbotszonen für Scooter auszuweiten. Auch in der Weihnachtsmarkt-Saison kann es Einschränkungen in einigen Städten geben.

Sind die Gefährte überhaupt winterfest?

Wenn man die Anbieter fragt, prinzipiell schon. Man arbeite allerdings an einer noch winterfesteren Variante, sagt Tier-Sprecher Braunmühl. Mehr könne man jedoch noch nicht verraten. Die Firma Voi antwortet, ihr neuestes Modell sei mit Allwetterreifen ausgestattet.

E-Tretroller: Neue Mobilität oder Sicherheitsrisiko?

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  • E-TRETROLLER ALS ALTERNATIVE: Besonders staugeplagte Großstädter sollen mit «E-Scootern» eine neue Mobilitätsmöglichkeit bekommen. Per E-Roller könnte es zum Beispiel schneller von der U- und S-Bahn oder einer Bushaltestelle weiter nach Hause oder zur Arbeit gehen.

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  • UM DIESE FAHRZEUGE GEHT ES: Die Roller, die oft einige hundert Euro oder mehr kosten, dürfen bis zu 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell sein. Sie dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang. Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm.

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  • WER E-TRETROLLER FAHREN DARF: E-Roller, die nur weniger als 12 km/h fahren können, sollen bereits für Jugendliche ab 12 Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Eine Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen.

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  • WO SIE FAHREN DÜRFEN: Einfach überall herumbrausen dürfen die neuen E-Fahrzeuge, deren Akku nach Branchenangaben an Steckdosen geladen werden können, nicht. Bei weniger als 12 km/h dürfen die Gefährte innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren.

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  • WELCHE SICHERHEITS-ANFORDERUNGEN KOMMEN: Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf. Ebenfalls vorgeschrieben werden seitliche Reflektoren und mindestens eine «helltönende Glocke».

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  • WIE SIE EINEN ZULASSUNGSFÄHIGEN ROLLER ERKENNEN: Nur Elektrokleinstfahrzeuge, die über eine Lenk- oder Haltestange verfügen, sowie E-Tretroller oder Segways ent­sprechen der Verordnung. Die gilt nur für Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Elektrische Fahrzeuge ohne die Haltestange, etwa Hoverboards, Mono­wheels oder E-Skateboards dürfen nicht in den Straßen­verkehr. 

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  • WO GIBT ES DIE NEUEN ROLLER UND WAS KOSTEN SIE? Viele der bisher angebotenen oder verkauften Modelle für 200 bis 2400 Euro erfüllen nicht die Vorgaben und sind nicht im öffentlichen Verkehr zugelassen. Wer damit dort fährt, macht sich strafbar und hat keinen Versicherungsschutz. 

    Modelle wie etwa der Moover von Metz (circa 2000 Euro) und der X2City von Autohersteller BMW (circa 2400 Euro) waren mit Sondergenehmigung schon bisher zugelassen und sind im Fahrradfachhandel zu bekommen. Elektronikmärkte etwa bieten schon straßenzugelassene Modelle zu Preisen zwischen etwa 400 bis 600 Euro an.

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  • DARAUF SOLLTEN SIE VOR DER ERSTEN FAHRT ACHTEN: Bevor Sie sich ins Getümmel des Straßenverkehrs stürzen, raten Experten von ADAC und DVR, sich vorher mit dem neuen Gefährt vertraut zu machen und in ruhiger Umgebung zu üben. Die Kraft des Antriebes beim Anfahren als auch die der Bremsen werden leicht unterschätzt.

    Die Räder sind wesentlich kleiner als bei Fahrrädern. Je größer der Reifendurchmesser, desto sicherer lassen sich Unebenheiten überwinden. Ein Helm ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Doch die Experten raten dazu, nicht ohne einen Kopfschutz zu rollern. 

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  • SO FUNKTIONIERT DIE VERPFLICHTENDE KFZ-HAFTPFLICHTVERSICHERUNG: Die Roller benötigen jährlich ein neues Versicherungskennzeichen – einen Aufkleber. Er ist in den Geschäftsstellen der Versicherungen zu bekommen, lässt sich aber auch online bestellen. Kostenpunkt: circa 40 Euro.

    Benötigt werden die Daten der Fahrzeugpapiere. Den Versicherungsschein muss man beim Fahren nicht dabeihaben.

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  • SO SCHNELL DÜRFEN SIE FAHREN: Die Roller dürfen bauartbedingt nicht schneller als 20 km/h fahren können. Experten raten, das Tempo stets an die je­weilige Situation anzupassen und Rücksicht zu nehmen.

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  • DÜRFEN SIE DEN ROLLER IM ÖFFENTLICHEN NAHVERKEHR MITNEHMEN? Das kommt auf die Situation vor Ort an. Letztendlich ­müssten die Mitgliedsunternehmen und Verbünde entscheiden, ob und in welcher Form sie die Mitnahme gestatten.

    Der VDV hat seinen Mitgliedsunternehmen empfohlen, die Mitnahme von elektrischen Tretrollern in Bussen und Bahnen zuzulassen – unter der Bedingung, dass diese nicht zu schwer sind und im Fahrzeug zusammenklappt werden.

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  • DÜRFEN SIE DIE ROLLER IN ZÜGEN DER DEUTSCHEN BAHN MITNEHMEN? Ja, kostenfrei als Handgepäck. Aber das knüpft die Bahn an Voraussetzungen: Der E-Tretroller muss zusammengeklappt mitgenommen werden und über oder unter dem Sitz verstaut werden. Die Mitnahme von Ersatzakkus ist nicht möglich. Diese stuft die Bahn als Gefahrgut ein.

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  • SO KÖNNEN SIE IHREN ROLLER VOR DIEBSTAHL SCHÜTZEN? Je nach Modell bieten sich Schlösser wie bei Fahrrädern an – ausziehbare Stahlkabel mit Zahlenschloss, Bremsscheibenschlösser mit Stahldraht und Diebstahlsicherungen in O-Form, rät der DVR. Manche Roller lassen sich per App elektronisch sichern und per GPS orten.

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  • ZAHLT DIE HAUSRATSVERSICHERUNG EINEN DIEBSTAHL? Nein, E-Tretroller sind keine Fahrräder, sondern Fahrzeuge. Der GDV geht aber davon aus, dass einige Versicherungen entsprechende Kaskopolicen anbieten werden.

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  • EIN PAAR BIER UND DANN MIT DEM TRETROLLER HEIM - KEIN PROBLEM? Doch, die Promillegrenze liegt für Fahrer ab 21 Jahren bei 0,5 Promille. Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und keine alkoholbedingte Auffälligkeit zeigt, bekommt einen Bußgeldbescheid. Das bedeutet regelmäßig 500 Euro sowie einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Wer mit mindestens 1,1 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat. Das kann aber auch schon ab 0,3 Promille bei alkoholbedingten Ausfallerscheinungen der Fall sein. Die Null-Promille-Grenze gilt bei jüngeren Fahrern bis einschließlich 20 Jahre.

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  • WELCHE BUßGELDER GELTEN FÜR E-TRETROLLER? Wer ohne Betriebserlaubnis fährt, muss mit einem Bußgeld von 70 Euro rechnen, berichtet der DVR. Wer damit auf dem Gehweg rollert, riskiert zwischen 15 und 30 Euro. Fehlen erforderliche technische Teile wie das Licht, können 20 Euro Bußgeld folgen. Wer ohne den nötigen Aufkleber der Ver­sicherung unterwegs ist, muss mit 40 Euro rechnen.

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  • WAS SCHEUER NOCH PLANT: Die Bundesregierung bereitet auch Regelungen für E-Gefährte ohne Lenkstange vor - das sind Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Hier plant Minister Scheuer eine Ausnahmeverordnung. An den Details dazu wird derzeit noch gearbeitet.

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Laufen die Akkus überhaupt noch bei Kälte?

Heutige Lithium-Ionen-Akkus haben mit Temperaturen bis zu minus 15 Grad keine größeren Probleme, wie Lars Zemke vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge sagt. «Da während der Fahrt der Akku Wärme entwickelt, ist Fahren immer die ideale Situation im Winter.» Teilweise gehen die Anbieter trotzdem von kürzeren Laufzeiten der Akkus aus, wenn die Temperaturen länger um den Gefrierpunkt bleiben.

Werden genauso viele Scooter auf den Straßen sein wie im Sommer?

Alle Anbieter wollen ihren Betrieb das ganze Jahr über aufrecht erhalten, trotzdem dürften insgesamt etwas weniger Scooter auf den Straßen unterwegs sein. Lime und Voi wollen annähernd gleich viele Roller auf den deutschen Straßen bereitstellen, bei Circ und Tier wird die Flotte kleiner sein als im Sommer. Es brauche aber eine Mindestmenge an Scootern in den Städten, damit das mobile Konzept aufgehe, sagt der Tier-Sprecher. Wenn man als Nutzer kilometerweit bis zum nächsten Scooter laufen müsse, funktioniere das Geschäftsmodell nicht mehr.

Was kann man selbst tun?

Vorsichtig sein - und vor der Abfahrt prüfen, ob das Wetter scooter-tauglich ist. «Speziell in Bereichen mit Kopfsteinpflaster ist mit einem erhöhten Risiko bei Reif oder Glätte zu rechnen», sagt Zemke. Der Tüv-Verband warnt außerdem vor nassem Laub. Wenn es später hell und früher dunkel wird, ist es noch wichtiger, auf Sichtbarkeit zu achten. Die Polizei empfiehlt: «Helle Kleidung und am besten eine Warnweste.» Die Experten raten auch zum Helmtragen. Der Tüv-Verband schlägt vor, Vermieter sollten direkt beim Ausleihen Helme bereitstellen.

Die neuen E-Tretroller im Test

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