Online-Abstimmung über dreisteste Werbelüge startet
Foodwatch sucht den "Goldenen Windbeutel" 2019

Ab heute (5.11.) können Verbraucher für den "Goldenen Windbeutel" 2019 abstimmen. Der Verein foodwatch vergibt jährlich den Negativpreis für die "dreisteste Werbelüge" und zwingt so jedes Jahr Unternehmen zu Änderungen. Langfristig forciert foodwatch allerdings grundsätzliche Regelungen gegen Verbrauchertäuschungen.   

Dienstag, 05.11.2019, 14:16 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 18:30 Uhr
Online-Abstimmung über dreisteste Werbelüge startet : Foodwatch sucht den "Goldenen Windbeutel" 2019
Die fünf nominierten Produkte für den "Goldenen Windbeutel" 2019 Foto: Presseabteilung foodwatch

Eine Kalorienbombe wird als Fitnessprodukt vermarktet, ein Milchgetränk soll für einen gesunden Darm sorgen. Werbungen für Lebensmittel versprechen häufig Großes. Viel zu häufig werden diese Versprechungen nicht gehalten. Immer wieder führt die Lebensmittelindustrie die Kunden auf unterschiedlichste Art und Weise hinters Licht. Dabei ist Verbrauchertäuschung laut EU-Recht verboten.

Foodwatch möchte mit der jährlichen Verleihung des "Goldenen Windbeutels" auf diesen Missstand hinweisen. Jedes Jahr überreicht der Verein dem Hersteller des Produkts mit der "dreistesten Werbelüge des Jahres" diesen Negativpreis. Für das Jahr 2019 stehen nun fünf nominierte Produkte fest, die im Internet zur Abstimmung stehen.

Für den "Goldenen Windbeutel" 2019 stehen fünf Nominierte zur Abstimmung

Als erster Kandidat steht der "100% Bio Direktsaft Karotte" von Hipp zur Wahl. Nach Angaben von foodwatch reduzierte Hipp im April 2019 die Flaschengröße von 500 ml auf 330 ml. Obwohl die Rezeptur fast identisch blieb, kostete die kleinere Flasche nun 1,35€ statt 1,05€. Der Preis hatte sich damit fast verdoppelt. 

Der zweite Kandidat zeigt, dass nicht unbedingt das drin sein muss, was auf der Verpackung steht. Die Wasabi Erdnüsse von Rewe würden zwar groß mit dem edlen japanischen Gewürz beworben, sie enthielten allerdings nur 0,003 Prozent Wasabi, bemängelt foodwatch. Um dem Konsumenten die Schärfe und Farbe der Erdnüsse vorzugaukeln, füge Rewe stattdessen Aroma und Farbstoffe hinzu.

Mit einer ähnlichen Lüge werde der dritte Nominierte beworben. Der "Corny Protein Lower Carb" der Firma Schwartau täusche mit der Verpackung und Angaben wie "Protein" und "Lower Carb" vor, eine gesunde Fitnessmahlzeit zu sein. Dabei bestehe der Schokoriegel zu einem Viertel aus Zucker, so die Verbraucherorganisation.

Goldener Windbeutel 2019

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  • Der diesjährige Gewinner des Goldenen Windbeutels ist Zwergenwiese

    Der Bio-Hersteller Zwergenwiese Naturkost erhält hier den Goldenen Windbeutel 2019 für seine "Kinder-Tomatensauce". Obwohl die Tomatensauce für Kinder beworben wird, enthält es mehr als doppelt so viel Zucker als die Version für Erwachsene.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Der Goldene Windbeutel 2018 ging an Coca Cola

    Im vergangenen Jahr gewann der Coca Cola-Konzern den Negativpreis von foodwatch für sein "Smartwater" (r.). Bei einer Online-Abstimmung wählte ein Drittel der fast 70.000 Teilnehmer das Mineralwasser zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Das Wasser wird verdampft und wieder aufgefangen, dabei verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Das Smartwater sei „von Wolken inspiriert“ und wird um ein Vielfaches teurer verkauft, als andere Mineralwässer.  

    Foto: dpa
  • Gruppenfoto der diesjährigen Nominierten

    foodwatch hatte im November fünf Kandidaten nominiert: den Bio-Karottensaft von Hipp, die „Wasabi Erdnüsse“ von Rewe, den „Corny Protein Lower Carb“-Riegel von Schwartau, das Getränk „Yakult“ und die „Kinder Tomatensauce“ des Bio-Herstellers Zwergenwiese.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • 100% Biodirektsaft Karotte von Hipp

    Eltern müssen für den Karottensaft nun besonders tief ins Portemonnaie greifen: Hipp hat die Flasche von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dabei um 95 Prozent erhöht – auf 4,50 Euro je Liter.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Wasabi Erdnüsse von Rewe Beste Wahl

    Rewe bewirbt seine Erdnüsse auf der Schauseite groß mit Wasabi. Das Produkt enthält aber nur 0,003 Prozent des edlen japanischen Gewürzes. Um eine Wasabi-ähnliche Schärfe und Farbe zu erreichen, hilft Rewe offenbar mit Aroma und Farbstoff nach.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Corny Protein Lower Carb von Schwartau

    Mit Angaben wie „Protein“ und „Lower Carb“ sowie dem an Light-Produkten angelehnten Design erweckt Schwartau den Eindruck, der Riegel sei ein gesundes Produkt für Sportler. Doch Corny enthält 24 Prozent Zucker und 13 Prozent Fett.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Yakult Original von Yakult

    Yakult bewirbt sein Getränk als „die kleine Flasche Wissenschaft“ und suggeriert, der Drink hätte positive Effekte auf die Darmgesundheit. Doch aus Sicht von foodwatch ist Yakult vor allem eines: dreiste Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Gesundheit sind wissenschaftlich nicht belegt. 

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Kinder-Tomatensauce von Zwergenwiese

    Zwergenwiese erweckt bei Eltern den Eindruck, die Rezeptur der Tomatensauce sei kindgerecht. Dabei enthält die Sauce fast 20 Gramm Zucker pro Portion – mehr als doppelt so viel wie die normale Zwergenwiese-Tomatensauce für Erwachsene. 

    Foto: Presseabteilung foodwatch

Ebenfalls unverhältnismäßig hoch sei der Zuckeranteil in der "Kinder Tomatensauce" von Zwergenwiese, dem vierten Nominierten für den "Goldenen Windbeutel". Zwar suggeriere Zwergenwiese eine kindgerechte Rezeptur. Doch die Sauce enthalte 140 Prozent mehr Zucker als die normale Tomatensauce für Erwachsene, so die foodwatch-Kritik.

Diese vier Nominierten wurden aus über 200 Einsendungen von Konsumenten auf der Plattform schummelmelder.de ausgewählt. Das fünfte Produkt "Yakult Original" des Unternehmens "Yakult" wurde von der foodwatch-Redaktion zur Abstimmung gestellt. Das Milchgetränk wird als Heilmittel für die Darmgesundheit beworben. Dabei gebe es laut foodwatch "keine wissenschaftlichen Belege für eine gesundheitsfördernde Wirkung". Jedes Jahr ergänzt foodwatch zusätzlich zu den Einsendungen von Konsumenten Werbelügen (wie die von "Yakult"), die nicht jedem normalen Verbraucher sofort auffallen würden.

Letztes Jahr gewann so zum Beispiel Coca-Cola den "Goldenen Windbeutel". Der amerikanische Konzern hatte sein Produkt "Smart-Water" mit einem besonderen Bearbeitungsverfahren beworben und dementsprechend teuer verkauft. Das Verfahren hatte sich allerdings als komplett unsinnig herausgestellt. 

Langfristig will foodwatch durch strengere Gesetze Täuschungen unmöglich machen

Durch die Negativauszeichnung mit dem "Goldenen Windbeutel" habe sich punktuell immer etwas beim betreffenden Produkt verändert. Allerdings sei dies nicht das, was foodwatch langfristig wolle, so Andreas Winkler aus der foodwatch-Presseabteilung. "Wir wollen bessere und strengere Kennzeichnungsregeln und Gesetze, sodass das grundsätzliche Problem der Verbrauchertäuschung unmöglich gemacht wird". Winkler wertet es als Erfolg für foodwatch, dass "endlich überhaupt über die Verantwortung von Lebensmittelherstellern" debattiert werde. Außerdem soll zum Beispiel mit dem "Nutri-Score" 2020 eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel eingeführt werden, für die der Verein mehr als zehn Jahre gekämpft habe.

Für den "Goldenen Windbeutel" 2019 kann noch bis zum ersten Dezember auf  www.goldener-windbeutel.de abgestimmt werden. Außerdem können jederzeit neue Werbelügen für den Preis im nächsten Jahr auf  www.schummelmelder.de vorgeschlagen werden.        

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