Weihnachtsmärkte
Die Tricks der Taschendiebe

Münster -

Weihnachtsmärkte sind sehr beliebt - auch bei Taschendieben. Im Gedränge zwischen Glühwein- und Bratwurstständen sind sie auf der Suche nach leichter Beute. Deshalb warnen Sicherheitsexperten derzeit verstärkt vor folgenden Tricks und geben Verhaltensempfehlungen an die Hand. 

Dienstag, 26.11.2019, 17:44 Uhr
Weihnachtsmärkte: Die Tricks der Taschendiebe
Foto: Oliver Werner

Das bevorzugte Einsatzgebiet von Taschendieben sind belebte Orte - zum Beispiel Weihnachtsmärkte, öffentliche Verkehrsmittel oder Kaufhäuser. Sicherheitsexperten zufolge sollten Besucher deshalb Folgendes beachten: 

  • Am besten ganz auf die Handtasche verzichten. Wenn das nicht geht, die Tasche geschlossen und mit der Verschlussseite eng am Körper tragen und nicht unbeaufsichtigt lassen.  
  • Nur das Nötigste an Bargeld, EC- und Kreditkarten mitnehmen und gegebenenfalls am Körper verteilen. 
  • Die wichtigsten Gegenstände in den (verschließbaren) Innentaschen der Kleidung tragen. 
  • Geldgürtel, Gürteltaschen oder Brustbeutel für größere Geldbeträge benutzen.
  • Die Geldbörse gehört auf keinen Fall in den Rucksack, es gibt Täter, die den Rucksack aufschlitzen oder im Gedränge unbemerkt hineingreifen können. 
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Die gängigsten Tricks

Dem Presseservice der Allgemeinen Rechtsschutz-Versicherungs-AG (Arag) zufolge wenden Diebe zudem verschiedene Tricks an, um an die Wertgegenstände von Weihnachtsmarktbesuchern zu gelangen. So rempeln sie beim Rempel-Trick ihre Opfer im Gedränge an oder keilen sie getarnt als normale Passanten ein. "Während sich der Vordermann plötzlich nach irgendetwas bückt und der Ahnungslose aufläuft und abgelenkt ist, greift der hintere Komplize in die Tasche", warnen die Experten. Beim Drängel-Trick rechnen die Langfinger damit, dass sich das Opfer, wenn man ihm sehr nahe kommt, umdreht und so die Schultertasche darbietet. 

Eine weitere beliebte Diebstahlmasche sei der Antanz-Trick. Wo viele Menschen feiern, haben es die Täter vorzugsweise auf alkoholisierte Passanten abgesehen. Sie suchen scheinbar ausgelassen tanzend Körperkontakt. Beim Stadtplan-Trick sind Arag zufolge meist Teams am Werk. Während der "Fremde" nach dem Weg fragt und sich das Opfer orientiert, plündert der Komplize die Tasche. Und beim Beschmutzer-Trick bekleckern die Täter ihr Opfer "versehentlich", um dann beim anschließenden wortreichen Reinigungsversuch das Portemonnaie zu entwenden.

Profi-Tricks eines Taschendiebs

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  • Beim Selfie-Schießen ist das Opfer abgelenkt. Der Taschendieb hat leichtes Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • Oft merken die Opfer gar nicht, dass sie bestohlen werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Dieb rempelt das Opfer von vorn an, während der Komplize die Geldbörse hinten aus der Hosentasche zieht.

    Foto: Oliver Werner
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    Foto: Oliver Werner
  • [Der Dieb lässt sich in einem Plan den Weg erklären, während er dem Opfer die Geldbörse aus der Jackentasche zieht.]

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner

"Da ist die Vielfalt der Vorgehensweisen wirklich groß", bestätigt ein Sprecher der Polizei Münster. Bei großem Gedränge wie auf dem Weihnachtsmarkt seien Tricks aber nicht einmal nötig, um unbemerkt Geldbörsen und andere Gegenstände zu entwenden. "Es reicht schon die körperliche Nähe", die auf Großveranstaltungen unvermeidbar sei. Daher würden Betroffene erst spät, wenn sie zum Beispiel etwas bezahlen wollten, bemerken, dass das Portemonnaie weg ist. Wo und wann es entwendet wurde, könnten die meisten dann nicht mehr sagen, so der Polizeisprecher. 

Einen Taschendieb erwischen

Wer einen Taschendieb beobachtet, sollte andere Personen auf ihn aufmerksam machen und um Hilfe bitten, empfehlen Arag und Polizei Münster. "Achtung, Taschendieb!" oder "Haltet den Dieb!", könne man rufen. "Rufen Sie sofort die Polizei unter dem Notruf 110 oder sorgen Sie dafür, dass jemand anruft", empfehlen die Sicherheitsexperten.

Wer einen Dieb auf frischer Tat erwischt, dürfte ihn laut Gesetz festhalten, bis die Polizei kommt. Im § 127 Abs. 1 der Strafprozessordnung (StPO) heißt es: „Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.“ Es müsse aber verhältnismäßig bleiben, zum einen, um sich nicht selbst wegen Nötigung, Körperverletzung oder Freiheitsberaubung strafbar zu machen, so die Arag. Zum anderen aber, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. "Bitte nicht den Helden spielen und am Ende körperliche Schäden davontragen", warnt der Sprecher von der Polizei Münster.  

Der König der Taschendiebe

Eine Möglichkeit wäre stattdessen, den Täter "aus einer gesicherten Distanz" zu fotografieren. Ansonsten helfe es auch, sich den Täter für eine spätere Täterbeschreibung genau einzuprägen. 

Wenn es zum Diebstahl kommt

Fehlt eine Bank- oder Kreditkarte, sollten Betroffene schnell handeln und diese sofort sperren lassen. Hilfreich sei hier, die Sperrnummer des Kreditinstituts im Handy gespeichert zu haben. Nimmt das Kreditinstitut am zentralen Sperrnotrufsystem teil, können Betroffene die Kartensperrnummer 116 116 wählen.

Gleiches gelte für die SIM-Karte, wenn ein Handy gestohlen wird. Damit können Diebstahlopfer vermeiden, dass der Täter auf ihre Kosten telefoniert. "Klären Sie am besten im Vorfeld, ob Ihr Mobilfunkanbieter am Sperrnotruf teilnimmt." Sogar die Identitätsfunktion des Personalausweises könnte mittlerweile über die 116 116 gesperrt werden, so die Arag-Experten. Dazu benötigen Betroffene ihr Sperrkennwort, das sie mit dem PIN-Brief erhalten haben. 

Die Polizei empfiehlt zudem, wichtige Nummern zu notieren, zum Beispiel die Nummer des Personalausweises, des Reisepasses, des Führerscheins und der Bankkarten. Die Nummern ermöglichen und erleichtern die Fahndung, Sperrung und Neubeantragung. 

Neun Tipps gegen Taschendiebe

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  • Die Polizei NRW gibt verschiedene Tipps, um es den Langfingern nicht zu leicht zu machen:

    1. Augen auf und Tasche zu - und das nicht nur beim Weihnachtsmarkt oder Innenstadtbummel.

    Foto: dpa
  • 2. Tragen Sie Wertsachen eng am Körper: Taschendiebe nutzen unauffälligen Körperkontakt im Gedränge, lenken ihre Opfer ab und nutzen deren Unachtsamkeit.

    Foto: dpa
  • 3. Bewahren Sie Bargeld, Bankkarten und Ausweise getrennt voneinander auf. Der Diebstahl einer kompletten Brieftasche/Geldbörse kostet viel Geld, Zeit und Nerven.

    Foto: dpa
  • 4. Bargeld, Bankkarten, Wertgegenstände: Nehmen Sie nur das mit, was Sie auch wirklich benötigen.

    Foto: Colourbox.de
  • 5. Wertsachen, Mobiltelefone und Digitalkameras sind am sichersten in verschließbaren Innentaschen. Taschendiebe sind extrem geschickt. Sie werden den Diebstahl vermutlich gar nicht bemerken.

    Foto: dpa
  • 6. Tragen Sie im Gedränge Rucksäcke vor dem Körper. Wertsachen in Außentaschen von Rucksäcken sind leichte Beute.

    Foto: Colourbox.de
  • 7. Notieren Sie niemals die PIN-Codes von Geld- und Kreditkarten sowie Mobiltelefonen. Lernen Sie diese auswendig!

    Foto: privat
  • 8. Einfach umdrehen: Tragen Sie Hand- oder Umhängetaschen immer mit der Verschlussseite zum Körper. Halten Sie diese stets verschlossen oder tragen Sie diese eingeklemmt unter dem Arm.

    Foto: dpa
  • 9. Lassen Sie Taschen und Wertgegenstände niemals unbeaufsichtigt.

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